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Nadine Tannreuther führt Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem G wie Gutleut durch den interaktiven Rundgang.

Gutleut-Tage

In Kurzfilmen durchs Quartier

  • Clemens Dörrenberg
    vonClemens Dörrenberg
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Die Gutleut-Tage sollen Besuchern und Bewohnern das Viertel näher bringen. Spaziergänge peppen die Organisatoren mit kleinen Handyfilmchen auf.

Die Kopfhörer in die Ohren gesteckt und den Blick auf ihr Smartphone gerichtet, scheinen Margrit und Volker Autze den Verkehrslärm um sie herum kaum wahrzunehmen. Das Paar steht am Samstag mit einer kleinen Gruppe auf dem Gehweg, an der Ecke Wilhelm-Leuschner-/Baseler-Straße. Autos, Straßenbahnen, ein scheppernder Altglascontainer. Als Teilnehmer der Stadtteilführung „Schonmal durch einen Film spaziert“, im Rahmen der „Gutleut-Tage“, nehmen die Autzes davon keine Notiz. Wie die anderen rund ein Dutzend Teilnehmer schauen sie nur auf ihre kleinen Flachbildschirme. Dort ist eine kurze Filmsequenz zu sehen, die Manuela Mock zeigt, Besitzerin des Ladens „Transnormal“ um die Ecke.

„13 Verkehrsspuren“, gebe es rund um den Baseler Platz. Das wissen die Teilnehmer nun aus dem Film. Nadine Tannreuther von der „Initiative Gutleutviertel“ hat die Aufnahmen gemeinsam mit ihrem ehemaligen Kommilitonen Yasar Honneth im Rahmen eines Semesterprojekts an der Hochschule Darmstadt gedreht. Daraus haben die beiden Absolventen des Masterstudiengangs „Leadership in Creative Industries“ vor sieben Jahren die Gutleut-Tage entwickelt, mit denen das Wiesbadener Duo ehrenamtlich Menschen den Frankfurter Stadtteil näher bringen und den Zusammenhalt unter den Bewohnern stärken will.

Ungewöhnliche Führung

Führungen durchs Viertel

Die Gutleut-Tage stehen unter dem Motto „Ein Viertel zeigt Facette“. Die „Initiative Gutleutviertel“ bietet Führungen und Kurzfilme. Am 18. August etwa durch den Showroom des niederländischen Möbelherstellers „Vepa“, der Kunststoffmüll verwertet. 15 Uhr, Eingang Westhafen Tower, Westhafenplatz 1. Nur noch wenige Plätze frei. Eine Musik-Karawane zieht am Samstag, 22. August, zum Sommerhoffpark. Treffpunkt ist um 15 Uhr am Wiesenhüttenplatz. Teilnehmer können ihre Instrumente mitbringen. Anmeldung jeweils per Mail: dasgutleutviertel@gmail.com.

Vom Hauptbahnhof über den Wiesenhüttenplatz bis zum Westhafen führt die 29-Jährige, die als „Creative Director“ für Foto- und Filmprojekte arbeitet, an diesem Tag durchs Quartier. Mit einem Schild in der Hand, auf dem der Buchstabe „G“ für Gutleut prangt, begrüßt sie die Gruppe am Vorplatz des Hauptbahnhofs und bittet darum Handys und Kopfhörer auszupacken.

Nur wenige Worte verliert Tannreuther zu den einzelnen Stationen. Dann scannen die Teilnehmer per Handy QR-Codes – die führen zu acht Kurzfilmen, etwa über eine Segelschule im Westhafen, eine Hotelbar am Wiesenhüttenplatz oder den Laden von Manuela Mock.

Als die Spaziergänger Mocks Geschäft am Baseler Platz real betreten möchten, streckt die Inhaberin mit hochtoupierten Haaren den Kopf zur Tür raus und sagt: „Es geht gerade nicht, ich habe eine diskrete Kundin.“ Mock bietet Mode für „Transvestiten und Menschen, die aus dem Alltag ausbrechen möchten“ an, wie auf ihrer Webseite steht.

Tannreuther sagt, sie wolle die Kontraste im Gutleut zeigen, wo „Arme und Reiche nebeneinander zusammen leben“. Etwas Werbung für die Gewerbetreibenden ist auch dabei. Von „Image-Filmchen“, spricht Teilnehmer Claudio Meyer. Er sei angetan von der ungewöhnlichen Art der Stadtführung. „Es ist nett, immer mal stehen zu bleiben und aufs Handy zu gucken“, sagt der 65-Jährige aus dem Ostend.

Margrit und Volker Autze, die öfter mal Stadtführungen mitmachten, wie sie berichten, loben das ungewöhnliche Konzept ebenfalls. „Durch die Videos gibt es punktuelle Vorstellungen, sagt der 61-Jährige. „Mir gefällt die Mischung“, sagt seine Frau.

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