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Natalie Ruths (l.) und Laura Ermel vor dem jetzigen Eingang zum Jugendzentrum und zur Teestube Jona (rechts).

Gutleut

Gutleut: Obdachlose ängstigen Kinder

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Das Jugendzentrum Gutleut teilt sich das Gebäude mit der Teestube Jona, was manchmal zu Konflikten führt.  

Im Frühjahr kann das Jugendzentrum Gutleut (JUZ) endlich in größeren Räumen arbeiten. Sie ziehen innerhalb der ehemaligen Gutleutkirche der Hoffnungsgemeinde um, die derzeit renoviert wird. Bislang steht ihnen lediglich eine Zwei-Zimmer-Wohnung zur Verfügung. Seit 2018 ist auch die Teestube Jona im zweiten Stock des Gebäudes untergebracht. Die Einrichtung für Obdachlose musste damals seine Räume in der Pforzheimer Straße verlassen. Und diese Nachbarschaft ist nicht immer konfliktfrei.

Das Klientel passe nicht zusammen, sagt JUZ-Mitarbeiterin Natalie Ruths in der Sitzung des Ortsbeirats 1 am Dienstag. Der Träger habe nur zugestimmt, weil es übergangsweise geplant war. „So können wir unseren Schutzauftrag nicht erfüllen.“ Denn viele der Obdachlosen konsumierten vor dem Gebäude Alkohol oder rauchten. Die Kinder und Jugendlichen hätten Angst und fühlten sich nicht wohl, an den Besuchern der Teestube vorbei zu gehen. Teilweise bildeten sich Gruppen, so dass die Kinder und Jugendlichen auf die Straße ausweichen müssen, was sehr gefährlich sei. „Das ist kein Zustand.“

Der Eingang des Jugendzentrums soll nun an die Hausseite verlegt werden. Doch die wenigen Meter seien nicht die Lösung, so Ruths. Immer wieder verirrten sich Besucher in den Hof oder gingen einfach in die Jugendeinrichtung. Bei zwei bis drei Mitarbeitern können man es nicht leisten, ständig zu schauen, die Kinder nach unten oder hinein zu begleiten. Die Zusammenarbeit mit der Teestube sei ansonsten allerdings gut, deren Arbeit sei sehr wichtig.

Umzug grundsätzlich möglich

Eine Nachbarin berichtet vom mehrfachen Aufbruch ihres Briefkastens, Urin und davon, dass ihr der Weg versperrt wurde. „Ich würde mein Kind nicht dort hin schicken.“ Eine andere berichtet, dass sie beleidigt wurde.

Nadine Müller, Leiterin der Teestube Jona, entgegnet, dass grundsätzlich nichts gegen einen Umzug spreche. Aber es müssten gewisse Kriterien für die Räume erfüllt werden, mindestens 200 Quadratmeter, mit Dusche, Küche und am besten im Erdgeschoss. Das sei schwierig zu finden in der Innenstadt. Ihr Mietvertrag sei unbefristet. Ein Umzug sei immer anstrengend für die Besucher, die bräuchten viel Struktur. Es sei gut, dass sie die Räume kennen. Und ihre Mitarbeiter kontrollierten, räumten auf und holten auch die Besucher hoch.

Der Ortsbeirat verabschiedete einen Antrag der SPD-Fraktion zu dem Thema. In diesem fordert die Partei die Stadt auf, eine besser geeignete Unterkunft im Bahnhofsviertel oder in der unmittelbaren Nähe zu vermitteln. Man schätze die Arbeit der Teestube, sagt Ortsvorsteher Oliver Strank (SPD). Es gehe nicht ums Vertreiben. Die Frage sei nur, ob sich die beiden Einrichtungen vertragen. „Die Stadt hat versagt“, sagt Katharina Schreiner (FDP). So sei die Situation für niemanden zufriedenstellend.

„Wir halten die Augen und Ohren offen“, erklärt Manuela Skotnik, Sprecherin des Sozialdezernats. Allerdings gehörten ja weder die Räume noch die Projektgruppe Bahnhofsviertel, die die Teestube betreibt, der Stadt. Da es fraglich sei, dass zeitnah eine Alternative gefunden werde, sei es wichtig, dass die beiden Einrichtungen im Austausch ständen und Gespräche führten.

Das JUZ ist seit 1986 im Viertel ansässig. Nach drei Umzügen ist es vor acht Jahren in die Gutleutstraße gezogen. Es ist die einzige offene pädagogische Einrichtung im Quartier, sagt Ruths. Geschlossene Türen wolle man nicht. Viele der Jugendlichen wohnten beengt zu Hause. Die Sozialarbeiter helfen bei den Hausaufgaben, die Jugendlichen können Freunde treffen, spielen, kochen und Sport treiben.

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