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Die Preisträger mit ihren Entwürfen (von links): Birk Nikolai Kessel (Erster Preis), Wiebke Weigelt (Zweite), Alexander Lehnert mit den Turm-Modellen.
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Die Preisträger mit ihren Entwürfen (von links): Birk Nikolai Kessel (Erster Preis), Wiebke Weigelt (Zweite), Alexander Lehnert mit den Turm-Modellen.

Fachhochschule in Frankfurt

Gute Aussicht auf Giraffen

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Studierende der Frankfurter Fachhochschule entwerfen Aussichtstürme zur Beobachtung von Giraffen in Tierparks. Sie heimsen dafür Preise ein.

Man muss nicht unbedingt ein besonderes Verhältnis zu Giraffen haben, wenn man Aussichtsterrassen für ein Giraffengehege entwerfen soll. Aber schaden kann es auch nicht. Birk Nikolai Kessel etwa weiß, wie man die eleganten Tiere mit den langen Hälsen in Afrika nennt: „Topmodels der Savanne“.

Das gab aber vermutlich nicht den Ausschlag dafür, dass Architekturstudent Kessel unlängst mit seinem Entwurf den ersten Preis im Wettbewerb des Bundes Deutscher Baumeister, Architekten und Ingenieure (BDB) gewann. Da zählten eher „die klare Architektursprache“ und „die hohe räumliche Qualität des Quaders“, wie die Fachleute loben.

Der 29-jährige Wettbewerbssieger selbst spricht von „Subtraktion“ und „negativen Räumen“, wenn er sein Gebäudemodell beschreibt. Quasi aus einem zehn Meter hohen Betonquader geschnitten ist sein Aussichtsturm, mit Etagen, die aus Giraffensicht konzipiert sind: „Die erste Ebene ist genau so hoch, dass die kleinsten Giraffen mit 4,20 Meter hineinschauen können.“ Recherchen im Frankfurter Zoo und in der Giraffenfachliteratur rundeten Kessels Werk ab.

84 Studierende der Frankfurter Fachhochschule (University of Applied Sciences, UAS) beteiligten sich an dem Wettbewerb. Die Aufgabe: einen Zehn-Meter-Turm entwerfen und ausgestalten, und zwar als Modell, Bauplan, digital, zeichnerisch – auf fünf verschiedene Arten. Damit zeigen die angehenden Architekten, dass sie die sogenannten Darstellungswerkzeuge beherrschen.

Jurymitglied Bettina Gehbauer-Schumacher hat festgestellt, dass ein Thema wie die Giraffenterrassen mehr Studierende motiviert als etwa die Aufgabe „Sprungturm“ im vorigen Semester oder zuvor eine Gaststätte für den Lohrberg. UAS-Sprecherin Nicola Veith lobt den Wettbewerb als Anreiz, schon während des Studiums Preise zu gewinnen: „So etwas macht sich ja gut für die weitere Karriere.“

Wiebke Weigelt, 21, sicherte sich den zweiten Platz mit ihrem Bauwerk, das außen ein pfiffiges Giraffenmuster trägt. Dritter wurde Alexander Lehnert, ebenfalls 21: „Ich wollte ein transparentes Gebäude, aber ohne Glas zu verwenden“, sagt er. Ergebnis ist ein Turm mit runden Ecken und vielen Holzstreben, die den Blick freigeben ins Gelände.

Blick in die Ferne

Apropos Gelände: Wo soll der Turm eigentlich stehen? Das hat die Baumeister nur am Rande interessiert. Kessel kann sich sein Werk allerdings weniger im Frankfurter Zoo vorstellen, der bei aller Giraffenliebe doch eher nicht die Weite bietet, die einen zehn Meter hohen Aussichtsturm erfordert. Und auch Lehnert hat auf seiner Bildansicht eine Serengeti-hafte Umgebung gewählt.

Bleibt die Frage, wie man so ein freistehendes Haus fußläufig erreicht, aus dem man dann die Giraffen anschaut. Die Aufgabe bestand ja darin, dass der Mensch zu allen Seiten rausgucken und die Giraffe bis an den Turm herankommen kann. Aber da werden sich Zwei- und Vierbeiner schon einigen. Auch wenn diese Tiere ihren eigenen Kopf haben. „Ich kenne jemanden, der als Buschpilot in Afrika arbeitet“, sagt Birk Nikolai Kessel, „und der sagt, Giraffen sind die schlimmsten.“ Sie würden entweder auf das landende Flugzeug zu rennen oder vor ihm weg – aber niemals einfach zur Seite gehen.

Und die Zukunftspläne? Wiebke Weigelt, selbst freiwillige Feuerwehrfrau, wollte sich mit dem Studium ursprünglich für den Brandschutz qualifizieren – jetzt hat sie bei den Giraffen doch Freude am Entwurf entwickelt. Lehnert reizt unter anderem der Brückenbau, und Kessel, gelernter Zimmermann, ist grundsätzlich mehr am Umbau interessiert als am Neubau. Mit dem Preisgeld, 300 Euro, will er seinen Computer auf Vordermann bringen: „Der braucht mal ein Update.“

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