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Suchbild: Wo „Im alten Hof“ in Wallernhausen bei Nidda versteckt sich Gockel Giacomo?
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Suchbild: Wo „Im alten Hof“ in Wallernhausen bei Nidda versteckt sich Gockel Giacomo?

Ferien zu Hause

Gummistiefel nicht vergessen!

  • Jakob Maurer
    VonJakob Maurer
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Auf einem Bio-Bauernhof in Wallernhausen in der Wetterau können Jung und Alt einiges lernen und mit anpacken.

Wenn den Gästen „Im alten Hof“ in Wallernhausen der erste Tag in den Knochen steckt, gibt es eine Belohnung. Den Hahn erst nach unten gedrückt, dann nach rechts aufgedreht – und frisch gemolkene Milch sprudelt aus dem Tank. Abendbrot und Frühstück können kommen. Es gilt, die Energiespeicher wieder aufzufüllen, ehe der andere – der lebendige - Hahn am Hof, Gockel Giacomo, kräht und die Gäste wieder mitanpacken dürfen.

„Man wird voll in den Arbeitsalltag integriert, wenn man das möchte“, kündigt Ulrike Fleischer schon beim ersten Nachrichtenaustausch vor dem Besuch am Hof an, der sich seit Anfang des 20. Jahrhunderts im Besitz der Familie ihres Lebensgefährten, des Biobauers Wolfgang Koch, befindet.

Fleischer kümmert sich um all jene, die Arbeit und Leben auf dem Demeter-Hof kennenlernen wollen. Direkt an den 1911 von Wolfgangs Urgroßvater Karl errichteten Stall schließt sich dafür ein „Kinderhotel“ auf vier Stockwerken für Schulklassen und Jugendgruppen an. Und gegenüber dem Wohnhaus gibt es eine Wanderstube, die Familien buchen können. „Hier lernt man“, verspricht Fleischer beim Besuch in Wallernhausen, „was es braucht, um einen Liter Milch zu erhalten.“ Wer im Supermarkt im Vorbeigehen an der Kühltheke noch eben die Milchtüte in den Korb packt, dem bleibt schließlich meist verborgen, dass der Weg der Milch von der Kuhweide in die Müsli-Schüssel mit viel Schweiß verbunden ist – und zwangsläufig auch mit ein wenig Dreck.

Fleischer und Koch wollen den Menschen den Ursprung der Landwirtschaft wieder nahebringen. Mit eigenen Händen soll erlebbar werden, was die Produktion von Lebensmitteln abseits von Massentierhaltung und hochgezüchteten Milchkühen ausmacht. Die kleinbürgerliche Landwirtschaft hält Fleischer für am nachhaltigsten. „Gerade Corona hat uns das gezeigt“, sagt sie unter Verweis auf die schlechten Arbeitsbedingungen für Ernte- und Schlachtpersonal in Großbetrieben und die daraus resultierenden Infektionen mit dem Virus.

Doch bevor die freiwillige Mitarbeit in Wallernhausen beginnt, gibt es ein paar Dinge zu beachten.

Zunächst sind da die Gummistiefel. Wer an der Verlosung für das Wochenende am Hof teilnimmt, müsse wissen, schreibt Ulrike Fleischer, „dass dieser Betrieb ein Vollerwerbsbauernhof ist. Das heißt, hier braucht man schon mal Gummistiefel und es sieht auch nicht aus wie bei den Vorzeigehöfen im Fernsehen.“

Und dann sind da noch Franz und Sissi. Wer in die Ortschaft Wallernhausen kommt, die im Wetteraukreis zentral zwischen Fulda, Marburg und Frankfurt liegt, trifft allerdings kein Kaiserpaar, sondern das Wachpersonal. Ganter Franz und Gans Sissi liegen zumeist bäuchlings auf dem gepflasterten Innenhof. Doch nähern sich Unbekannte, dann schnellen die Köpfe nach oben und das Geschnatter geht los. Schließlich setzten schon die Römer Gänse als Wächter für Haus und Hof ein, denn sie sind weniger bestechlich als Hunde.

Das Schnattern verstummt, als Fleischer im blauen Overall mit einer Besuchergruppe über den Hof schreitet. Nun ist wieder das Muhen der hungrigen Kälber im Stall zu hören und das Piepsen der Schwalben, die zahlreich kreuz und quer über die Hofstelle segeln. Es ist der Anreisetag für zwei Familien mit kleinen Kindern. Sie wollen eine Woche bleiben und haben eine Entdeckungsreise vor sich – nicht nur, was die Herstellung von Milch anbelangt, sondern auch im Umgang mit Tieren wie Franz und Sissi. „Wenn man in die Hocke geht, sieht man die Welt ganz anders“, erklärt Fleischer. So begebe man sich auf Augenhöhe und schüchtere die Tiere nicht ein.

Nach einer ersten Hofführung dürfen Eltern und Kinder dann selbstständig mithelfen: Hasen, Ziegen, Kälber und das alte Schwein Erna müssen gefüttert und mit Wasser versorgt werden.

Und vorbei an den mit Gewürzfenchel, Lupinen und anderen Pflanzen bebauten Äckern geht es auf die Weide, um die rund 40 Milchkühe abends zurück auf den Hof zu treiben. Dabei hilft der Hofhund, der von links nach rechts sprintet und die Herde unter den Anweisungen seines Frauchens bellend von der Weide treibt.

Ziel der Herde ist der Melkstand. Und auch hier können die, die mögen, mithelfen. Direkt nebenan wartet dann der Frischmilch-Tank, wo sich nicht nur Hofgäste belohnen, sondern auch Dorfbewohner sich gegen einen geringen Erzeugerpreis jederzeit versorgen können.

Wer auf dem Weg zurück jedoch mit der Kuhherde Schritt halten will, muss sich ranhalten und aufpassen, nicht in die Kuhfladen oder Matschlöcher zu steigen, die die Kühe beim Davonmarschieren hinterlassen. „Der Mensch denkt nur daran, dass er alles ganz sauber im Supermarkt bekommt“, sagt Fleischer, „aber der Dreck gehört einfach dazu.“

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