Der Günthersburgpark in Frankfurt ist ein beliebtes Ausflugsziel (Archivbild von 2018).
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Der Günthersburgpark in Frankfurt ist ein beliebtes Ausflugsziel (Archivbild von 2018).

Nordend

Müll im Günthersburgpark: „Die Wiesen sind übersät mit Zigarettenstummeln“

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Seit Wochen wird im Frankfurter Günthersburgpark bei gutem Wetter nachts gefeiert und Müll hinterlassen. Am Samstag, 19. September, wollen Freiwillige aufräumen.

  • Der Frankfurter Günthersburgpark ist zum Party-Hotspot geworden.
  • Anwohner fühlen sich deshalb nicht mehr wohl.
  • Bei einer Reinigungsaktion wurden 340 Zigarettenstummel im Park gefunden.

Frau Will, seit Wochen wird im Günthersburgpark gefeiert. Die Polizei spricht von Partys mit Hunderten Personen bis in die frühen Morgenstunden. Fühlen Sie sich im Park noch wohl?

Nein. Seit März besuchen meine Kinder und ich den Günthersburgpark fast täglich. Die Wiesen sind mit Zigarettenstummeln, Kronkorken, scharfkantigen Plastikteilen und Glasscherben übersät. Die unsachgemäße Entsorgung von Zigarettenstummeln ist kein Kavaliersdelikt, sondern vergiftet unsere Böden. Der grobe Plastikmüll von heute ist das Mikroplastik von morgen. Schockierend, dass das offenbar vielen Menschen in ihrer direkten und beeinflussbaren Umwelt egal ist. Der Müll, den meine beiden Mitstreiter und ich gesammelt haben, lässt auf alle Bevölkerungsgruppen schließen.

Jetzt wollen Sie zum Frankfurter Cleanup Day am Samstag, 19. September, in der Grünanlage Müll sammeln. Was versprechen Sie sich davon?

Ich erhoffe mir eine Grundreinigung sowie eine nachhaltige Sensibilisierung. Hierzu bedarf es vieler sammelwilliger Helfer. Die Aktion löst allerdings auch den Unmut bei einigen Leuten aus. So wurde mir zugetragen, dass man nicht teilnehmen wolle, da man sich nicht als „Gutmenschen, die für die da oben den Dreck wegmachen“ instrumentalisieren lassen möchte. Das kann ich verstehen. Auch ich möchte nicht dauerhaft den Dreck anderer wegmachen. Allerdings ist der Frankfurter Cleanup Day eine Chance, um auf das Thema aufmerksam zu machen und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Grünflächenamt müsste Müll im Günthersburgpark häufiger reinigen

Zuletzt war die Polizei sogar mit einer Pferdestaffel im Park unterwegs. Wird das Thema ausreichend ernst genommen?

Zur Person

Luciane Will (37) aus Bornheim organisiert mit Bekannten seit Wochen Müllsammelaktionen über die Internet-Plattform nebenan.de. Anlässlich des Cleanup-Day ist die Gruppe am Samstag, 19. September, tagsüber im Günthersburgpark aktiv. Mitmachen wird auch das Team des Unverpackt-Ladens „Die Auffüllerei“ aus der Höhenstraße. Wer möchte kann gerne vorbeikommen und mithelfen, allerdings mit eigenen Säcken und Greifzangen. Bereits am Freitag, 18. September, gibt es in den Stadtteilen Müllsammelaktionen. So wollen der Bunte Tisch Höchst und die Bürgervereinigung Höchster Altstadt die Bruno-Asch-Anlage und die Fußgängerzone Königsteiner Straße reinigen. Treffpunkt ist um 17.30 Uhr am Dalbergkreisel. Infos zu allen Terminen des Cleanup Day in Frankfurt im Internet unter: https://cleanup.fes-frankfurt.de.

Luciane Will wohnt in Bornheim und räumt den Günthersburgpark im Nordend auf.

In der Sitzung des Ortsbeirates 3 im August hat die Stadtpolizei geschildert, was unternommen wird und was rechtlich möglich ist. Sich fast jede Nacht Hunderten von Feierwütigen in der ganzen Stadt entgegenzustellen, stelle ich mir sehr schwierig vor. Davor habe ich große Achtung. Mich enttäuscht die Rolle des Grünflächenamtes, das für die Müllbeseitigung in den Grünanlagen zuständig ist. Diese ist meiner Ansicht nach unzureichend, und das Amt reagiert nicht auf Anfragen.

Was müsste die Stadt tun, um die Situation zu verbessern?

Im Juli wurden die Bußgelder für Kleinmüllverstöße angehoben. Wenn diese nicht geahndet werden, ist dies nutzlos. Es müsste gehäufte Kontrollen geben. Bei einer Reinigungsaktion im Park haben wir auf 50 Quadratmetern etwa 340 Zigarettenstummel und 300 andere Kleinteile gefunden. Die Hochrechnung des dafür fälligen Bußgeldes ist schwindelerregend. Eine Woche darauf war die Ausbeute an derselben Stelle im Park leider wieder ähnlich.

Schulen und Kindergärten könnten Ehrenpartnerschaften übernehmen - und Müll einsammeln

Was könnte man noch machen?

Wie wäre es, wenn es städtische Ehrenpatenschaften pro 50 Quadratmeter Park geben würde? Eine solche Patenschaft könnte von Schulen und Kindergärten übernommen werden, die einmal in der Woche den Kleinmüll auf „ihrem“ Gelände einsammeln und zählen. Die Daten könnte jede Institution auf der Homepage der Stadt eintragen. Damit wären sie öffentlich zugänglich, und die Bürger wüssten schnell, welcher der sauberste Park in Frankfurt ist.

Das Interview führte Boris Schlepper.

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