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Steht ihm gut: Tourist Martin Ullmann aus Berlin im mobilen grünen Zimmer auf dem Buchrainplatz in Oberrad.
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Steht ihm gut: Tourist Martin Ullmann aus Berlin im mobilen grünen Zimmer auf dem Buchrainplatz in Oberrad.

Hitze und Unwetter in Frankfurt

Grünoase gegen den Klimawandel

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Diese Woche bringt wieder Hitze über 30 Grad. Heftiger Regen ist auch angesagt. Was tut die Stadt Frankfurt, um den Auswirkungen des Klimawandels zu begegnen?

Isabel bringt’s auf den Punkt: „Cool“ nennt die 15-Jährige am Montagmorgen, was da vor ihr steht, und trifft damit auch den Geschmack ihrer Geschwister Julia (9) und Patrick (13) sowie von Hund Lennox (dreieinhalb Monate). Cool, das „grüne Zimmer“, das seit ein paar Tagen auf dem Oberräder Buchrainplatz die Passanten erfrischt. 

Die Frankfurter kennen grüne Zimmer ja nun schon von so mancher Gelegenheit. Voriges Jahr stand mal eins auf dem Paul-Arnsberg-Platz im Ostend; da stehen inzwischen sogar zwei davon. Ein weiteres hat am Gravensteiner Platz in Preungesheim Quartier bezogen und nun also Nummer vier in Oberrad. 

All diese mobilen, erst rollenden, dann stehenden Gärten sind erstens Ausdruck der Schnelligkeit, denn die Ortsbeiräte 4, 5 und 10 haben einfach am flottesten „hier“ geschrien, als es darum ging, sich Exemplare zu sichern. Und zweitens sind sie Ausdruck des Kampfs gegen die Auswirkungen des Klimawandels, hier: Hitze in der City. Diesen Kampf, daran lässt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) keinen Zweifel, habe die Stadt aufgenommen.

„Cool passt gut“, lobt auch Heilig Isabels Einschätzung in Sachen grünes Zimmer. An der Pflanzenstation liege die Temperatur bis zu zehn Grad niedriger, haben Fachleute gemessen. Erproben ließ sich das auf der Klima-Piazza Anfang Juli am Roßmarkt, dem einwöchigen Festival zum Umgang mit den klimatischen Veränderungen. Der steinige Platz in der Sonne: heiß. Das grüne Zimmer: cool. 

Die Lage am Montag in Oberrad: „Da drüben ist es heiß, hier schön schattig“, sagt Martin Ullmann aus Berlin, der auf der Bank im grünen Zimmer sitzt und sich als Tourist vorstellt. In Oberrad – Tourist? Sein Bruder wohne hier, erklärt er und äußert sich angetan über die Möblierung. „Ruhig ein paar mehr aufstellen!“, empfiehlt Ullmann, „mehr Vielfalt wäre hübsch.“

Das sehen die Oberräder ebenso – mittlerweile, muss man sagen. Denn als der Buchrainplatz neu geplant wurde, da war der Ortsbeirat von dem pflanzenarmen Projekt sehr angetan, entfernte noch ein ursprünglich vorgesehenes Wohnhaus aus den Plänen und gab sein Plazet, wie Ortsvorsteher Christian Becker (CDU) erzählt. „Es sollte ja der Wochenmarkt drauf, den kann man nicht auf eine Wiese stellen.“

Rückblickend, sagt Ursula auf der Heide (Grüne), wäre es aber sinnvoller gewesen, mehr Grün einzuplanen. Da ist sie sich mit Becker einig, und so sehen es auch die Leute von SPD und FDP, die ebenfalls zum Termin gekommen sind. Ein paar Bäumchen, die Pergola, die langsam anwächst – mehr ist nicht. Das mobile grüne Zimmer, obwohl gerade mal so groß, dass es auf einen Lastwagen passt, fällt schon mächtig auf inmitten des steinernen Platzes, auf dem man nichts pflanzen kann, weil er auf Beton gebaut ist. 

So verhält es sich mit allzu vielen Plätzen in Frankfurt. Einst angelegt, um Raum zu bieten für Feste und Veranstaltungen, haben sie sich in Zeiten des Klimawandels als Hitzefallen erwiesen. Ob in der Innenstadt, auf dem Seckbacher Atzelberg, am Martin-Luther-Platz im Nordend, überall gab es nach der Neugestaltung lange Gesichter, weil zwar viel Platz das Ergebnis war, aber wenig Aufenthaltsqualität. 

Nur: Bringen es die mobilen grünen Zimmer, 25.000 Euro das Stück? Erdbeeren wachsen da, Pfefferminze, Zitronenmelisse, Oregano, Weihrauch, Wein – aber müsste nicht viel mehr passieren in der Stadt? Durchaus, sagt die Stadträtin. „Wir müssen die Plätze grüner kriegen.“ Weil das nicht von heute auf morgen gehe, weil vielfach Tiefgaragen oder U-Bahn-Schächte darunter den Platz für tiefe Baumwurzeln wegnähmen, sei die Bevölkerung gefragt. 

„Wir wollen die Frankfurter anregen, Dächer und Fassaden zu begrünen“, sagt Heilig. Der Effekt sei riesig, und Geld sei dafür auch vorhanden: Zehn Millionen Euro sieht der Klimafonds vor, den die Stadtverordneten gleich nach der parlamentarischen Sommerpause auf den Weg bringen sollen. Im Topf: Zuschüsse bis zu 50 Prozent für alle, die ihre Gebäude oder Hinterhöfe begrünen wollen, Flächen entsiegeln oder Plätze verschatten. Zwei Millionen per annum für die nächsten fünf Jahre hält der Fonds bereit. 

„Hier ist das gefühlte Erlebnis, was das bringt“, sagt Heilig im grünen Zimmer. Vom Grün her planen, ist die Maxime der Dezernentin, so will sie es auch für den neuen Stadtteil im Nordwesten, und ihr ist klar, welche Herausforderung das darstellt – in Zeiten des Wachstums, in Zeiten, da alles nach Wohnraum lechzt, aber eben auch nach Ruhe, Erholung, Erfrischung.

„Staubfilter“ steht auf dem Sockel des grünen Zimmers, „Biodiversität, Lärmreduktion, Schatten, riechen, schmecken, fühlen“. Wasser für die vertikale Pflanzenpracht bringt eine Pumpe nach oben, angetrieben von einer Solaranlage. Die neunjährige Julia hätte so ein Zimmer gern daheim. Hund Lennox, so viel steht fest, wäre auch dafür. 

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