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Frische Ideen im grünen Klassenzimmer.

Schulen in Frankfurt

Grünes Klassenzimmer fürs Lessing-Gymnasium

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Das Lessing-Gymnasium im Frankfurter Westend errichtet im Hof ein grünes Klassenzimmer, um die Kreativität der Schüler anzuregen.

Nur leise rauscht der Verkehr der Bremer Straße im Hintergrund. Von Osten durch das Schulhauptgebäude, von Süden durch einen wuchtigen 60er-Jahre Betonbau und nordwestlich von Gebüsch begrenzt, erinnert der dreieckige Hinterhof des Lessing-Gymnasiums ein wenig an einen Steinbruch oder eine Schlucht. Moos überzieht den Boden, blauer Himmel die Decke. Es handelt sich um das neue „grüne Klassenzimmer“ der Schule. Dort soll fortan ein neues Lernkonzept umgesetzt werden. 

In der Mitte des Hofs steht seit Anfang der Woche ein Plateau aus Douglasienholz, lädt zum Verweilen ein, zum Treffen, Quatschen und vor allem: zum Unterricht. „In Klassenzimmern ist die Raumstruktur schon vorgegeben“, sagt Schulleiter Bernhard Mieles. „Das grüne Klassenzimmer soll dem Unterricht einen kreativen Schub verleihen.“ Als Alternative zum Frontalunterricht, „Unterricht, wie er nicht im Lehrbuch steht“ – so will auch Kunstlehrerin Petra Stilper den neu gewonnen Raum nutzen.

Gemeinsam mit Schülerinnen hatte die Leiterin der Kunst-AG bereits 2015 den vorderen Schulhof mit Beeten und Kräuterspiralen begrünt und gestaltet. Im Frühjahr dieses Jahres nahm sich die AG dann den kaum genutzten Hinterhof vor. „Wir haben Begehungen gemacht, den Raum betrachtet, gerochen und gefühlt“, sagt Stilper. Dann durften die Schüler selbst kreativ werden. „Wir haben erst Ideen gesammelt“, erzählt die 14-jährige Anna. „Und uns dann zusammen entschieden.“ Das Ergebnis: Ein Klassenzimmer im Freien.

Entworfen und gebaut hat das amphitheaterähnliche Konstrukt und Herzstück des Projekts der Künstler Marco Poblete. „Ich wollte ein Podest schaffen, das eine kompakte Einheit bildet und zum Sitzen einlädt“, erläutert Poblete. „Der hohe Sicht- und Lärmschutz ist auch ein gestalterisches Element.“ Neben den felswandartigen Außenwänden des Schulgebäudes habe es etwas gebraucht, dass sich „behaupten kann“. Poblete stellte sich gern der Herausforderung, Funktionalität und Gestaltung zu integrieren. Sein Entwurf überzeugte nicht nur alle Schulgremien. Auch im Ortsbeirat stießen die Initiatoren auf große Zustimmung. Die Gesamtkosten, die Stilper auf 16 000 Euro schätzt, werden vom Ortsbeirat und der Elternschaft gemeinsam getragen. „Alle waren sofort überzeugt“, sagt Elternbeirätin Irmgard Bünger, die selbst einmal Schülerin des Gymnasiums war. Bei der Umsetzung haben die Schüler tatkräftig mitgeholfen. Wie Vittoria: Sie hat mit der Garten-AG die Grünfläche vorbereitet. „Wir haben extra einen Baum umgepflanzt“, erzählt die Elfjährige. Ob sie sich schon auf den Unterricht im Freien freut? Vittoria nickt heftig: „Vorher durfte man hier ja nicht mal in der Pause hin.“

Das Plateau bietet etwa 20 bis 30 Schülerinnen Plätze, die in verschiedene Richtungen, durch den Sichtschutz voneinander getrennt, ausgerichtet sind. Besonders für Unterricht in Lerngruppen bietet sich deshalb das neue Klassenzimmer an, findet Kunstlehrerin Stilper. 

„Also Mathe kann ich mir hier nicht vorstellen, eher Ethik oder Religion, wo Diskussionen stattfinden“, sagt Kevin. Der Zehntklässler will für die Schülerzeitung vom grünen Klassenzimmer berichten. „Und wir könnten unsere Redaktionssitzungen hier abhalten“, wirft sein AG-Kollege Emanuel ein.

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