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Grünes Finale am Riedberg

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Von: Jürgen Streicher

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Der Spielplatz in der Grünanlage Römische Straße auf dem Riedberg wird auch bei kaltem Wetter genutzt. Michael Schick (2)
Der Spielplatz in der Grünanlage Römische Straße auf dem Riedberg wird auch bei kaltem Wetter genutzt. Michael Schick (2) © Michael Schick

Mit der Römischen Straße endet die Erschließung eines neuen Stadtteils.

Kurz vor dem 30. Jahrestag erster Voruntersuchungen für die gewünschte städtebauliche Entwicklungsmaßnahme auf den Äckern und Brachflächen zwischen Kalbach und Niederursel ist nun „wirklich der Endpunkt erreicht“. Sagt ein frierender Mike Josef ohne Handschuhe, Mütze und Schal an diesem kalten Samstagnachmittag, an dem es früh anfängt zu dunkeln. „Wir schließen hier“, sagt der oberste Stadtplaner und meint das wörtlich. Es ist Schluss mit Erschließung im Stadtbezirk Riedberg im Nordwesten der Main-Metropole.

Mit der Fertigstellung der Grünanlage „Römische Straße“ habe die Stadt ihre Schuldigkeit getan. Rund 60 Millionen Euro sind investiert worden, zuletzt noch einmal 6,5 Millionen Euro, um das grüne Netz mit Parkanlagen und Spiel- und Sportflächen im 267 Hektar großen Areal zu komplettieren, in dem rund 15 000 Menschen leben. Ein paar Dutzend geladene Gäste haben das mit einem kurzen Spaziergang und einem Snack im „Café Westside“ dezent gefeiert.

Es fallen auch große Worte bei diesem Spaziergang in der Kälte. Vom „Generationenprojekt“ etwa, das nun zum Abschluss komme. Und dass der Riedberg „als Ganzes über ein neues Denken verfügt, das in seiner Konsequenz und Größe Modellcharakter hat“. Zugig ist es in der Grünanlage „Römische Straße“, aber das soll es ja sein, die vom Taunus kommenden Winde müssen helfen, die erwartet heißeren Tage der Zukunft in der Neustadt und in der City zu überstehen. Die mittig durch den Grünzug führende Asphaltdecke ist aufgehellt, um Erhitzung des Umfelds entgegenzuwirken, das Oberflächenwasser verbleibt in der Grünanlage, „hier wird das Prinzip Schwammstadt gelebt“, sagen die Planer.

Ein „enkeltauglicher“ Ort

Es fallen viele Worte und Halbsätze mit Symbolcharakter beim Spaziergang über den recht breiten barrierefreien asphaltierten linearen Hauptweg mit den gepflasterten Basaltsteinen auf beiden Seiten. „Man hat Stadt und Grün gemeinsam gedacht“, philosophiert Planungsdezernent Mike Josef, der Kollege Stefan Majer aus dem Dezernat für Mobilität und Gesundheit verweist auf die U8 als das „zentrale Rückgrat“, dessen Schienen man überqueren muss, wenn man die Achse von Süd nach Nord komplett begehen will. Ein schönes zusammenfassendes Wort bringt Umwelt- und Klimadezernentin Rosemarie Heilig ein. Der Stadtteil Riedberg sei „nachhaltig, ökologisch, zukunftsweisend“, mit einem Wort also „enkeltauglich“.

Die „Römische Straße“ sei das „letzte Puzzleteil, das im grünen Netz auf dem Riedberg noch gefehlt habe“, auch das sagt Rosemarie Heilig, die als junge Stadtverordnete und damals umweltpolitische Sprecherin der Grünen viel Kritik am geplanten Großprojekt in die Diskussionen einbrachte. Längst haben die meisten Kritiker:innen von einst ihren Frieden gemacht, der Riedberg ist mehr als ein Satellit, er gehört dazu und bietet zudem reichlich Anschauungsmaterial für die Stadtplaner der Zukunft.

Wie ein Park wirkt der nun fertiggestellte Grünzug auf seinen schnurgeraden 1,4 Kilometern mit Blick Richtung Saalburg im Norden und auf Ginnheimer Spargel und Turm der Müllverbrennungsanlage Nordwest im Süden noch nicht. Da müssen die 90 neugepflanzten Bäume erst noch wachsen, „Zukunftsbäume“ wie Amber und Zirbe, Hainbuche, Vogelkirsche und eine Art Mammutbaum. Dazu heimische Sträucher und Stauden, alles gepflanzt über den Überresten der einstigen römischen Handelsstraße zwischen dem Saalburg-Kastell und der römischen Siedlung Nida. Das Grab eines Römers hat die Denkmalpflege am Wegesrand ausgebuddelt, etwa 2000 Jahre alt. Die Vollendung des Riedbergs wird im Jahr 2022 notiert.

Und Schaukeln geht eigentlich auch immer.
Und Schaukeln geht eigentlich auch immer. © Michael Schick

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