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Grünere Rechenzentren in Frankfurt

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Von: Michael Forst

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Im sogenannten „Kaltgang“ zeigt Equinix-Geschäftsführer Jens-Peter Feidner der Ministerin Sinemus, wie die Kühlung funktioniert. michael forst
Im sogenannten „Kaltgang“ zeigt Equinix-Geschäftsführer Jens-Peter Feidner der Ministerin Sinemus, wie die Kühlung funktioniert. michael forst © Hamerski

Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus macht sich ein Bild von den Nachhaltigkeitsbemühungen der Rechenzentren. Die über 60 schwarzen Kästen in Frankfurt haben einen Anteil von 20 Prozent des Energieverbrauchs in der Stadt.

Große graue Klötze mit viel Stromhunger: Diese Bild von Rechenzentren steckt immer noch in vielen Köpfen – und Jens-Peter Feidner weiß das nur zu gut. Er ist Geschäftsführer von Equinix, das in Frankfurt bislang acht der insgesamt über 60 Rechenzentren der Stadt betreibt und gestern am Griesheimer Standort prominenten Besuch erhielt: Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus (CDU) machte erst Station beim weltgrößten Daten-Drehkreuz DE-CIX im Ostend, um dann im jüngsten Equinix-Rechenzentrum „Frankfurt 8“ vorbeizuschauen, das im Oktober 2021 in Betrieb genommen wurde.

Photovoltaik auf dem Dach

Hier schilderte ihr Feidner, wie die Rechenzentren seiner Firma immer mehr mit ihrem Image als unattraktive Stromfresser brechen und um Nachhaltigkeit im Sinne des Dreiecks Ökonomie, Ökologie und Soziales bemüht sind. Equinix habe sich verpflichtet, seine direkten und indirekten Emissionen bis 2030 um 50 Prozent gegenüber dem Jahr 2019 zu reduzieren. Dazu gehört bis 2030 zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien zurückzugreifen. Dieses Ziel hat Deutschland bereits im Jahr 2014 postuliert.

Beim Rundgang durch das Gebäude zeigte Feidner der Ministerin weitere Beispiele, etwa eine so genannte Kaltgangeinhausung. Sie gewährleistet eine strikte Trennung der Warmluft- von den Kaltluftgefilden in der Anlage. Die kalte Umluft sorgt dafür, dass die Rechenzentren nicht zu heiß werden. Auf dem Dach des Gebäudes wiederum wird die Kälte des entstehenden Wasserdunstes genutzt, um stromunabhängig zu kühlen. „Das funktioniert bis zu 21 Grad – ich brauche dank der Verdunstungskälte keine stromfressenden Kompressoren“, so Feidner.

Vom Dach geht der Blick hinunter auf das ältere Rechenzentrum „Frankfurt 4“ auf der anderen Seite des Lärchenwegs. Auch die Begrünung der Fassaden der Rechenzentren – vor Ort fachmännisch begleitet vom Umweltamt der Stadt – gehe voran, betonte Feidner. Auch wenn vieles noch im Wachsen begriffen sei. Das Grün sorge dafür, dass sich die Fassaden weniger aufheizen, fische Staubpartikel aus der Luft und helfe auch beim Schallschutz. Zudem fügten sich die Gebäude so harmonischer in ihre Umwelt ein. Und schließlich böten die blühenden Rankpflanzen auch Insekten eine Heimat und förderten so die Biodiversität. Bei der Frage der botanisch interessierten Ministerin nach dem Namen einer bestimmten Pflanzenart musste Feidner allerdings passen: „Ich nix Gärtner“, räumte er ein.

Die Digitalministerin zeigte sich zufrieden angesichts der Bemühungen, die auch nötig seien. Denn: Über 20 Prozent des Energieverbrauchs der Stadt Frankfurt gehe auf die Rechenzentren zurück. Das ist mehr, als der Flughafen verbrauche. „Die Stärke Hessens als Rechenzentrumsstandort bedingt eine besondere Verantwortung, aber auch eine Gestaltungschance“, erklärte Sinemus. Ihr Ministerium habe ein eigenes Rechenzentrums-Büro gegründet. Es soll die verschiedenen Betreiber in ihrem Streben nach mehr Nachhaltigkeit ihrer Anlagen zusammen bringen.

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