Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wer regiert im Römer?
+
Wer regiert im Römer?

RÖMERBRIEFE

Grüner Salat und gelbe Pommes

  • Georg Leppert
    VonGeorg Leppert
    schließen
  • Sandra Busch
    Sandra Busch
    schließen

Vor den Koalitionsverhandlungen ergeht sich die Frankfurter Politik in Andeutungen. Die FR-Glosse aus dem Frankfurter Rathaus.

Leppert: Ich finde ja, dass die Eintracht über die linke Seite total stark ist. Der Kostic ist einfach ein großartiger Linksaußen.

Busch: Ich finde Kostic auch super, aber was genau hat das mit Kommunalpolitik zu tun?

Leppert: Nichts, ich möchte nur darauf hinweisen, dass die Mehrheit der Angriffe der Eintracht über links vorgetragen wird.

Busch: Ah … Du kannst aber doch auch gleich sagen, dass du für ein Bündnis aus Grünen, SPD und Linke bist.

Nach der Wahl ist vor den Sondierungsgesprächen (drei Euro ins Phrasenschwein der Römerbriefe). Und Koalitionsverhandlungen haben ihre ganz eigene Dynamik (sechs Euro). Jedenfalls werden Sie, liebe Freundinnen und Freunde der Kommunalpolitik, in diesen Tagen kaum jemanden finden, der klipp und klar sagt: Ich will diese oder jene Koalition. Klar, die jungen Leute bei den Jusos, die noch vom Weltfrieden und vom Sozialismus träumen, die haben schon in der Wahlnacht was rausgehauen: Grün-Rot-Rot soll es werden. Und dafür gibt es ja jetzt auch tatsächlich eine Mehrheit, weil Luigi Brillante seine Nähe zur Linken entdeckt hat und sich denen dann auch angeschlossen hat. Aber ansonsten will sich niemand festlegen. Ist ja auch verständlich, beim Poker um die Macht darf man sich nicht in die Karten schauen lassen (neun Euro). Und außerdem will man sich nicht hinterher sagen lassen, dass man vorab auf eine Koalition festgelegt gewesen sei und nicht nach links oder rechts geschaut habe.

Aber zaghafte Andeutungen sind ja erlaubt, die muss man dann halt richtig interpretieren. Der Manuel Stock zum Beispiel, der war mal Fraktionschef der Grünen und hat einst in einer legendären Pressekonferenz gesagt: „Schwarz-Grün tut Frankfurt gut.“ Das haben wir dann an dieser Stelle so lange wiederholt, bis es uns und ihm und Ihnen aus den Ohren raushing. Jedenfalls hat Stock jetzt auf dem Parteitag der Grünen gesprochen und gesagt: Leute, vor fünf Jahren, da wollte der Mike Josef von der SPD uns nicht dabeihaben, der wollte lieber die FDP. Jetzt könnte man meinen, Stock plädiere deshalb für ein Bündnis mit der CDU, aber ohne die SPD, weil Grün-Schwarz und das Lila von Volt könnte Frankfurt auch gut tun. Aber vielleicht war es auch anders gemeint. Man weiß es nicht.

Solche Andeutungen aber helfen uns Reporter:innen natürlich schon weiter. Wir wissen dann in etwa, wohin die Reise geht. Andere Politikerinnen und Politiker sollten uns ebenfalls mal einen Wink geben, wie sie sich die Zukunft vorstellen.

Jan Schneider von der CDU etwa trägt demnächst mal ein grünes Hemd zu einer schwarzen Hose und Socken im Gelb der FDP. Dann lädt er die Presse zum Essen ein. Es gibt grünen Blattsalat mit Pommes (gelb) und einem etwas verbrannten Kotelett (schwarz).

Bastian Bergerhoff von den Grünen lädt die Journalistinnen und Journalisten zum Pool-Billard ein. Er versenkt zunächst die grüne Kugel, dann die schwarze und dann legt er einen Kunststoß hin: Die Kugeln in SPD-Rot, Volt-Lila und FDP-Gelb verschwinden fast zeitgleich in den Taschen. Und während die anderen Medien überlegen, was das nun zu bedeuten hat, schreibt die FR im Kommentar: „Bergerhoff hat zunächst die schwarze Acht versenkt, das darf man beim Pool nicht, die Basis muss übernehmen und ein Linksbündnis eingehen.“

Annette Rinn von der FDP lädt die Presse zum Vortrag eines Verkehrsexperten ein. Thema: „Die überragende Bedeutung von Ampeln in der Verkehrssteuerung.“ Der Mann sagt etwa zwei Dutzend Mal, wie wichtig Ampeln seien, bis Rinn ihn unterbricht: „Für so eine Koalition mit Grünen und SPD gibt es ja gar keine Mehrheit – ich gehe zum Schneider, vielleicht ist noch Kotelett da.“

Bleiben noch Mike Josef und die SPD. Der hatte im Wahlkampf geworben mit dem Slogan: „Wenn man mich fragt, wo ich herkomme, sage ich Frankfurt.“ Nun tauchen neue Plakate von ihm auf: „Wenn man Martina Feldmayer fragt, wo sie herkommt, sagt sie: von einer Partei, die linke Politik machen will …“

Sandra Busch und Georg Leppert gehören zum Römer-Team der FR, das aus dem Frankfurter Rathaus berichtet. Frühere Römerbriefe gibt es unter www.fr.de/roemerbriefe.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare