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Der Landtasgsabgeordnete Taylan Burcu.

AWO-Skandal

Grüner war AWO-Geschäftsführer

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Der Frankfurter Landtagsabgeordnete Taylan Burcu bestreitet Kenntnis von Missständen bei der AWO. Sein Bruder Murat Burcu steht wegen seines hohen Gehalts in der Kritik.

Der Frankfurter Landtagsabgeordnete der Grünen, Taylan Burcu, war führender Funktionär der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Wiesbaden. Der 34-jährige leitete nach Angaben der Grünen im Hessischen Landtag von Mai bis Dezember 2018 als Geschäftsführer die AWO-Tochtergesellschaft Pro Serve GmbH mit Sitz in Frankfurt. Am 16. Dezember 2018 habe er gekündigt. Die Landtags-Grünen selbst machten diese Fakten gegenüber der FR öffentlich.

Als Gegenstand der GmbH ist offiziell unter anderem die Förderung der Hilfe für Flüchtlinge, Vertriebene, Aussiedler, Spätaussiedler, Kriegsopfer, Kriegshinterbliebene und Kriegsgefangene genannt.

AWO-Affäre: Grünen-Politiker bei AWO seit 2008

Taylan Burcu ist der Bruder von Murat Burcu, der als AWO-Geschäftsführer in Wiesbaden wegen seines angeblich zu hohen Gehalts in die Kritik geraten ist. Sein Bruttoverdienst war in Berichten zunächst auf 256 000 Euro im Jahr beziffert worden. Bei einer Pressekonferenz in Wiesbaden nannte Murat Burcu selbst ein Bruttogehalt von 12 500 Euro im Monat. Hinzu seien zwei Jahre lang 6000 Euro im Monat als Beraterhonorar gekommen, unter dem Strich waren das 222 000 Euro im Jahr. Taylan Burcu sagte im Gespräch mit der FR, er habe das Gehalt seines Bruders nicht gekannt. Er selbst habe im gesamten Zeitraum als Geschäftsführer der Pro Serve GmbH 41 000 Euro brutto verdient.

Es sei vor allem um Reinigungs- und Gärtnerarbeiten gegangen, die Einnahmen seien wieder in soziale Zwecke geflossen. Taylan Burcu war nach Angaben von Lisa Uphoff, Sprecherin der Grünen-Landtagsfraktion, 2008 zur Arbeiterwohlfahrt gestoßen. Von 2008 bis 2013 sei er Werksstudent in dem Projekt „Alltagsengel“ der AWO Wiesbaden gewesen. „Alltagsengel“ sind Arbeitssuchende, die als Haushaltshilfen eingesetzt werden. Bei den „Alltagsengeln“ soll es sich um das Projekt handeln, bei dem der langjährige Frankfurter AWO-Geschäftsführer Jürgen Richter über eine Somacon GmbH, deren Aufsichtsratsvorsitzender er war, Honorare an sich selbst auf den Weg gebracht haben soll.

Kommentar: Die AWO-Affäre kommt für die Frankfurter SPD zu einem fatalen Zeitpunkt. Gerade hatte sie erfolgreich begonnen, sich aus einem Tief herauszuarbeiten.

Der Landtagsabgeordnete Taylan Burcu bestritt im FR-Gespräch, Kenntnis von Somacon-Rechnungen besessen zu haben. Sein eigenes Einkommen als Werksstudent für die „Alltagsengel“ habe anfangs bei 960 Euro brutto monatlich, am Ende bei 1060 Euro gelegen. Die Tätigkeit bei der Somacon GmbH soll jetzt von der Arbeiterwohlfahrt Frankfurt im Nachhinein geprüft werden, wie deren Sprecher Johannes Frass der FR sagte.

Die Frankfurter Arbeiterwohlfahrt hat nach eigenen Angaben bisher keine Hinweise darauf, dass es bei einer Tochtergesellschaft, der AWO-Protect GmbH, zu doppelten Gehaltszahlungen durch die Muttergesellschaft und die Tochter gekommen ist: „Es liegen keine Doppelbezüge vor.“ Die AWO-Protect zähle noch sechs Beschäftigte. Ihr Geschäftszweck – die Bewachung von Flüchtlingsunterkünften – war entfallen, nachdem der AWO der Betrieb von Geflüchteteneinrichtungen entzogen worden war. Die AWO wolle für eine „Anschlussbeschäftigung“ der Mitarbeiter sorgen.

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