Allein auf weiter Flur: Radfahrer am Mainkai. Rolf Oeser
+
Allein auf weiter Flur: Radfahrer am Mainkai.

Verkehr

Grünen-Politiker in Frankfurt: „Bei der Mainkai-Sperrung überwiegen die Nachteile“

  • Florian Leclerc
    vonFlorian Leclerc
    schließen

Wolfgang Siefert (Grüne) will nach dem Ende des Versuchs wieder Autos am Mainkai. Aber er will dort auch mehr Platz für Radfahrer schaffen.

Seit Monaten treffen Gegner und Befürworter der Mainkai-Sperrung im Verkehrsausschuss des Römers aufeinander. Wolfgang Siefert (Grüne), der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, sieht weiteren Diskussionsbedarf.

Herr Siefert, warum lassen Sie die Bürgerinnen und Bürger in der Fragestunde des Verkehrsausschusses bis zu 90 Minuten über die Mainkai-Sperrung debattieren?

Im Ausschuss meldet sich nicht nur die „Bürgerinitiative Sachsenhausen wehrt sich“ zu Wort, sondern auch die Initiative pro Mainufer-Sperrung. Ich bemühe mich, beide Seiten gleich zu behandeln, wofür ich auch positives Feedback erhalte. Die Bürgerfragestunden in den Ausschüssen sind für Bürgerinnen und Bürgern oft die einzige Möglichkeit, mit den Stadtverordneten direkt ins Gespräch zu kommen. Das ist ein hohes Gut. Und im Gespräch zu bleiben, schadet nicht, im Gegenteil.

Erwarten Sie, dass die Koalition die Sperrung kurzfristig kippt?

Wolfgang Siefert ist Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Römer. Der 50-jährige Stadtverordnete ist auch verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. 

Die Stadtverordneten haben die einjährige probeweise Sperrung beschlossen. Ich sehe nicht, dass alle drei Koalitionspartner zu der Auffassung kommen, dass man den Versuch jetzt abbrechen muss. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen: Wenn man probeweise Veränderungen an Verkehrsanlagen vornimmt, tut man gut daran, das Ende abzuwarten. Denn nicht jeder Tag ist gleich, es gibt die Einkaufszeit vor Weihnachten, die Urlaubszeiten im Winter, um Ostern und im Sommer sowie zahlreiche Feste. Nach Ablauf des Versuchs kann man in Ruhe zu einem Ergebnis kommen. Das hat auf der Eschersheimer Landstraße auch funktioniert.

Kritiker werfen Verkehrsdezernent Klaus Oesterling (SPD) vor, die Mainkai-Sperrung ohne Konzept vorgenommen zu haben. Vermissen auch Sie ein Konzept?

Ja, das muss ich leider sagen. Ich bin nach wie vor überrascht, wie das angegangen wurde. Man hat einfach ein paar Poller auf die Straße gestellt und alles andere dem Lauf der Dinge überlassen. Damit hat man dem Versuch keinen Gefallen getan. Viele Bürgerinnen und Bürger können den Gewinn der Sperrung so überhaupt nicht erkennen.

Die Berliner Straße, die zweite Ost-West-Verbindung durch die Innenstadt, hat bislang keine sicheren Radwege. Ist für diese Straße etwas geplant?

Das muss man sich am Ende des Versuchs ansehen. Die Mainkai-Sperrung war eine Idee der SPD und blockiert derzeit die Einrichtung von Radwegen auf der Berliner Straße. Die Grünen wollten die nördliche Mainuferstraße und die Berliner Straße jeweils einspurig zurückzubauen, gerne mit Tempo 30, und komfortable Radverkehrsanlagen einrichten. Vielleicht ist das die bessere Idee, die man am Ende der Mainkai-Sperrung ausprobieren könnte. Eine neue Nutzung hat die Sperrung des Mainkais noch nicht ergeben, außer für die Radfahrerinnen und Radfahrer, die gut durchfahren können, die Nachteile überwiegen also bislang. Würde man indes jeweils eine Fahrspur auf der Berliner Straße und am Mainkai wegnehmen, und dafür Radwege errichten, wäre die Barrierewirkung für Fußgängerinnen und Fußgänger zwischen Zeil, Altstadt und Mainufer nicht mehr so hoch. Der Autoverkehr könnte auf den Mainkai und die Berliner Straße ausweichen, und Radfahrerinnen und Radfahrer hätten auf beiden Straßen eine sichere Infrastruktur.

Interview: Florian Leclerc

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare