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Grüne-Welle-App „Trafficpilot“ in Frankfurt: „Keine Prognose“

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Von: Florian Leclerc

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Mit dem Fahrrad unterwegs auf der Bockenheimer Landstraße. Foto: Monika Müller
Mit dem Fahrrad unterwegs auf der Bockenheimer Landstraße. © Monika Müller

Die Stadt bietet die Grüne-Welle-App „Trafficpilot“ in Frankfurt an. Für den Radverkehr ist sie aber gänzlich ungeeignet, wie ein Selbsttest zeigt.

Wer mit dem Rad in Frankfurt unterwegs ist, fragt sich bisweilen, warum man auf einer Straße wie der Bockenheimer Landstraße nicht alle Ampeln auf einmal überqueren kann. Irgendeine Ampel schaltet immer auf Rot. Nun könnte das Straßenverkehrsamt die Ampelschaltungen zugunsten des Radverkehrs verändern und eine grüne Welle bei etwa 20 Stundenkilometern einführen. Tut es aber nicht. Stattdessen hat die Stadt eine Grüne-Welle-App entwickeln lassen.

Vielleicht lässt sich das Problem, dass immer eine - oder mehrere – Ampeln zwischen Bockenheimer Warte und Opernplatz auf Rot schalten, mit Hilfe dieser App lösen. Und nicht nur auf der Bockenheimer Landstraße, sondern auf vielen weiteren Straßen in Frankfurt. Das wäre aus Radfahrersicht wirklich ein Fortschritt.

Und so ließen sich die Kosten für die Entwicklung der App, etwa 256 000 Euro, zur Hälfte gefördert vom Bund, rechtfertigen. Die App richtet sich auch an den Autoverkehr, aber in diesem Selbstversuch steht das Fahrrad im Mittelpunkt.

Also wird das Handy auf die Halterung am Lenker montiert, die App gestartet - und los geht’s. Das Design wirkt spartanisch. Ein weißer Pfeil, blau unterlegt, bewegt sich auf einer grauen Fläche, die die Straße symbolisieren soll. Die Geschwindigkeit wird ebenfalls angezeigt. Dann, vor einer Ampel, wird der Hintergrund grün statt grau - man befindet sich also in einer Grünen Welle. So soll es sein!

Die Hälfte ist angeschlossen

Plötzlich aber wird der Hintergrund grau. „Kein Prognose“ ist auf dem Display zu lesen. Soll man jetzt schneller fahren oder langsamer oder einfach weitermachen wie bisher? Das fragt man sich, während man in die Pedale tritt und der Blick zwischen Straßenverkehr, der nächsten Ampel und dem Handy hin- und hergeht.

Die eine Ampel ist passiert, man nähert sich der nächsten. Und plötzlich ist auch die App wieder grün unterlegt. Die Freude ist aber nur kurz. Bald steht da wieder „keine Prognose“.

Wie kommt es dazu? Ein Bericht des Magistrats gibt Auskunft. Von allen Ampeln in Frankfurt seien nur gut die Hälfte an das System angeschlossen, das die Daten an die App weiterleitet. Etwa 440 Ampeln hätten eine solche Schnittstelle. Von diesen würden etwa 80 Prozent, die solide Daten lieferten, diese auch weitergeben. Die andere Hälfte der mehr als 800 Ampeln in Frankfurt solle nachgerüstet werden, das gehe aber nicht von heute auf morgen, sondern dauere wohl „mehrere Jahre“.

Die App ist demnach nur zu etwa 50 Prozent leistungsfähig. Das führt dazu, dass man sich mal in der Grünen Welle bewegt, dann wieder im Ungewissen.

Das ständige Blicken auf die Handy-App macht das Fahren nicht unbedingt sicherer, denn es lenkt ab. Ob die nächste Ampel Grün zeigt, sieht man mit den eigenen Augen zuverlässiger als mit Hilfe der App.

Fazit: Die App ist für den Radverkehr gänzlich ungeeignet. Falls die Stadt eine Grüne Welle für Radfahrende ermöglichen will, sollte sie die Ampeln so schalten, dass man bei moderatem Tempo über die Ampeln kommt. Hier gibt es allerdings einen Tempokonflikt mit dem Autoverkehr, der in der Innenstadt mit 30, 40 oder 50 Stundenkilometern unterwegs sein darf.

Der Nutzen der Grüne-Welle-App „Trafficpilot“ erschließt sich nicht. Monika Müller
Der Nutzen der Grüne-Welle-App „Trafficpilot“ erschließt sich nicht. Monika Müller © Monika Müller

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