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Wer sie kennt, der liebt die Grie Soß. Leider sind die Kenner weltweit noch eine Minderheit.

Grüne-Soße-Festival

Grüne Soße kennen und lieben lernen

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Bis zum 19. Mai findet in Frankfurt das Grüne-Soße-Festival statt. Beste Gelegenheit, ein Frankfurter Nationalgericht ausgiebig zu kosten.

Es ist eine Zahl, die erschreckt und sprachlos macht. „7 505 176 114 Menschen kennen keine Grüne Soße“, muss man am Rande des Grüne-Soße-Festivals lesen. Bei einer derzeit geschätzten Weltbevölkerung von mehr als 7,6 Milliarden muss man das als absolute Mehrheit betrachten. Erschreckend. Sprachlos aber macht, dass sich an dieser Zahl seit dem Grüne-Soße-Festival 2017 nicht das Geringste verändert hat (vgl. FR vom 14. Mai 2017). Geht man von einer wachsenden Weltbevölkerung aus, bedeutet dies, dass der relative Anteil der Grüne-Soße-Kenner global schrumpft. Woran liegt’s?

Am Grüne-Soße-Festival jedenfalls nicht, das seit diesem Samstag und noch bis kommenden Samstag, 19. Mai, auf dem Roßmarkt das Hohelied der grünen Soße singt. Wie in jedem Jahr sind die für jedermann geöffneten Mittags- und Nachmittagstische am Eröffnungstag bestens besucht, die Abendveranstaltungen mit Wiedergängern wie Gayle Tufts, Bäppi LaBelle und Bodo Bach so gut wie ausverkauft, lediglich mit viel Glück gibt es noch ein paar Restkarten. 

An der Qualität der Grünen Soße kann es auch nicht liegen. Die bleibt gewohnt hoch. Und der Welt sei hiermit kundgetan: Der Gewinner des Premiereabends ist das Gläschen Nummer 4 vom „Zum Lahmen Esel“. So vermelden es die Veranstalter auf ihrer Facebook-Seite. An mangelnder Öffentlichkeitsarbeit kann es also auch nicht liegen. 

Liegt der Grund für das PR-Desaster am Ende an der mangelnden Integrationswilligkeit der Grünen Soße in kulinarische Gastkulturen? Kein Gedanke: Die hessische Weltoffenheit spiegelt sich auf dem Grüne-Soße-Festival wider. Neben naheliegenden GS-Beilagen wie lauwarme Lachsstreifen oder Kartoffelpuffer finden sich hier auch Arancini, sizilianische Reisbällchen mit feiner Kruste, aber auch Pinchos, die baskische Tapasvariante, die mit „Griesoßjoghurt“ serviert wird. Da muten arabische Falafel beinahe schon konservativ an, und angesichts von Kreationen wie der „Grie-Soß-Praline“ muss man sich auch mal fragen, ob die Grenze der Integration zur Assimilation nicht überschritten wird.

Nein, die natürlichen Feinde der Grünen Soße lauten schlicht Ignoranz und Bräsigkeit. Was denn hier gefeiert werde, will am Samstag ein Bayer wissen, der sich anschickt, in sein nahe dem Roßmarkt geparktes Auto zu steigen. Das Festival der Grünen Soße, belehrt ihn ein Eingeborener, jener weltberühmten hessischen Spezialität, die bereits bei unserem ewigen Geheimrat und Dickdichter für Tinte auf dem Füller gesorgt habe. „Wosn dös?“, blökt der Bayer, steigt ein und braust ab. Einer von 7 505 176 114. Da kann er ja demnächst mal den FC-Trainer fragen. 7 505 176 113 wäre zumindest ein Anfang.

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