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Es wird weiter demonstriert.

Demonstration

Grüne Lunge statt der Atemnot

„Fridays for Future“ mit neuem altem Schwung.

Der Rand ist mit Kugelschreiber gezeichnet, ausgemalt sind das Herz und der Baum mit roter und grüner Wasserfarbe. Der fünfjährige Arno ist wieder mit seinem Vater gekommen, um für mehr Klimabewusstsein zu demonstrieren. Ihm war wichtig, diesmal auch ein eigenes Plakat mitzubringen. Und die Botschaft ist klar – auch für alle, die noch nicht lesen können. „Die Demos sind zwar als Schülerveranstaltung gestartet, aber die Bewegung kann jeden Unterstützer gut brauchen“, sagt Arnos Vater Michael Ortmann (40).

Zu der ersten „Fridays for Future“-Demonstration nach den Osterferien haben sich rund 200 Menschen allen Alters an der Konstablerwache zusammengefunden. Das sind etwas weniger als noch beim letzten Mal. Doch Sorgen macht sich Helena Marschall, Organisatorin der Frankfurter FFF-Demos, nicht: „Ich verzeichne das unter ganz normalen Schwankungen. Es waren immer mal mehr und mal weniger dabei. Das kann nächste Woche schon wieder ganz anders aussehen. Außerdem kompensieren wir das mit unserer guten Stimmung!“

Ab 12 Uhr füllt sich der Platz auf der Konstablerwache langsam. Viele bringen Plakate mit. Hier und da werden noch Sprüche wie „No Planet B“ in Gesichter gemalt. Marschall und ein paar andere eröffnen die Demo, indem sie auf den Schwerpunkt dieses Freitags hinweisen: die Grüne Lunge. „Die Grüne Lunge dient als Frisch- und Kaltluftschneise für die Luft aus der Wetterau nach Frankfurt. Deren Bebauung hätte drastische negative Folgen auf das Klima der Stadt“, ruft eine Demonstrantin in das Mikrofon. Sie bezieht sich damit auf die Pläne der Stadt, die zusammen mit Instone Realestate plant, auf dieser Grünfläche oberhalb des Günthersburgparks Neubauviertel zu errichten. Im Park angekommen, werden verschiedene Workshops wie Klettertraining, eine Tomatenpflanzaktion und eine „Küche für alle“ angeboten.

Die Schwerpunkte der bislang 18 Klimastreik-Freitage sind den Frankfurter Demonstrierenden zwar wichtig, jedoch kommen sie ohnehin aus der grundsätzlichen Überzeugung, die Öffentlichkeit auf das Thema Klimawandel aufmerksam zu machen. So auch Antonia und Simon. Die 14-Jährigen informieren sich über die sozialen Netzwerke wie Instagram, Facebook oder Twitter über die FFF-Demos. „Wir sehen zu, wie unsere Zukunft aufs Spiel gesetzt wird – für Konzerne“, erklärt Simon.

„Gleichzeitig sehe ich, dass da gerade ein Wandel in der Gesellschaft passiert, indem die Menschen ein größeres Bewusstsein für das Thema kriegen – und das unter anderem durch die FFF-Demos.“ Die beiden Achtklässler achten darauf, nicht jeden Freitag in der Schule zu fehlen. „Unsere Lehrer finden es aber gut, dass wir hingehen“, sagt Antonia.

Schule schwänzen – ein Spruch, den Marschall äußerst beleidigend findet. „Ich lerne hierdurch teilweise mehr als in der Schule. Wir politisieren uns, wir mobilisieren so viele Leute! Wie engstirnig, da von Schule schwänzen zu sprechen“, sagt sie.

Neuen Schwung erreichen die Frankfurter FFF-Demos auch durch die anstehende Europawahl und die europaweiten Klimademonstrationen am 24. Mai. „Da werden wir verschiedene Städte in ganz Hessen mobilisieren, um da eine Großdemo anzugehen“, erklärt Luca Peters. Ziel soll dann die Europäische Zentralbank sein, wo ein vielfältiges Bühnenprogramm geplant ist. „Wir geben uns Mühe, jeder und jedem immer wieder Neues zu bieten.“

So werden auch die etablierten Parteien zunehmend aufmerksam auf die Bewegung, wie ein zweistündiges Treffen am Donnerstag zwischen der Frankfurter CDU-Fraktion und den Jugendlichen der FFF-Demo zeigte. „Wir würden uns freuen, wenn die jungen Leute von „Fridays for Future“ mit derselben Dynamik auch nach ihrem Abitur in den politischen Gremien mitarbeiten“, erklärt der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael zu Löwenstein in einer Pressemitteilung.

Die Frankfurter Bundestagsabgeordnete Bettina Wiesmann erwägt sogar, ein Jugendparlament für die Stadt auf den Weg zu bringen. „Um die Klimawende zu schaffen, braucht es Fachkenntnis und scharfe Analyse genauso wie die Bereitschaft voranzugehen und Mut zum Engagement.“

Autorin: Carolin Hasenhauer

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