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Auf dem Gelände der ehemaligen Adlerwerke im Gallus lag das KZ-Außenlager Katzbach.

Grüne und CDU

Grüne und CDU lehnen KZ-Gedenkstätte zu Lager Katzbach in Frankfurt ab

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Auf dem Adler-Gelände in Frankfurt-Gallus lag bis vor 75 Jahren das KZ-Außenlager Katzbach. Eine Gedenkstätte gibt es nicht. CDU und Grüne im Römer finden eine feste Gedenkstätte zu konservativ.

Überraschend entzweit das geplante Gedenken an das KZ-Außenlager Katzbach die Römer-Koalition. CDU und Grüne stellen sich gegen die Gedenkstätte, die Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) und ein Förderverein auf dem früheren Gelände der Adlerwerke im Frankfurter Gallus anstreben. CDU und Grüne argumentieren, ein fester Gedenkort stelle ein sehr konservatives Konzept dar, das heute nicht mehr zeitgemäß sei. Um insbesondere junge Menschen zu erreichen und bei ihnen die Erinnerung an die Verbrechen der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wachzuhalten, brauche es ein anderes Vorgehen.

Im Gespräch mit der FR hebt der kulturpolitische Sprecher der CDU im Römer, Thomas Dürbeck, hervor, dass die Erinnerungsarbeit zur NS-Zeit vor einem grundlegenden Umbruch stehe. Mit dem Sterben der letzten Zeitzeugen der NS-Verbrechen müsse ganz neu über das Erinnern nachgedacht werden. „Man muss Gedenken heute anders machen“, urteilt Dürbeck. Gerade junge Menschen sprächen Gedenkstätten im herkömmlichen Sinne nicht an.

Auch besäßen Gedenkorte „keine abschreckende Wirkung auf Rechtsradikale“. Im Gegenteil zeige sich, dass immer mehr Rechtsextreme von solchen Orten wie KZ-Gedenkstätten angezogen würden. Dürbeck sieht als probates Mittel der Erinnerung in der Zukunft eher künstlerische Aktionen im öffentlichen Raum an. So habe in der Vergangenheit etwa eine Künstlergruppe mit einer Performance auf der Konstablerwache an NS-Verbrechen erinnert.

Ähnlich argumentiert auch Sebastian Popp, der kulturpolitische Sprecher der Grünen im Römer. „Wir müssen ein zeitgemäßes Konzept für das Erinnern entwickeln“, sagt der Grüne der FR. Feste Gedenkstätten erfüllten diese Voraussetzungen nicht mehr. Als negatives Beispiel nennt Popp die Gedenkstätte auf dem Gelände der Europäischen Zentralbank (EZB) im Frankfurter Ostend, die an die Deportationen in die Todeslager in den Jahren 1940 bis 1945 erinnern soll. Es sei sehr kompliziert und brauche ein aufwendiges Verfahren, diesen Ort überhaupt zu erreichen.

In der Gedenkarbeit möchte Popp in Zukunft insbesondere „junge Leute abholen und einbinden“. Es gelte, das Angedenken in Zukunft „ins Herz der Stadt zu holen“. Das könne zum Beispiel mit künstlerischen Aktionen im öffentlichen Raum geschehen.

Durch den Streit in der Römer-Koalition ist jetzt unklar, was mit der kleinen Summe von 30 000 Euro geschieht, die im städtischen Doppelhaushalt 2020/2021 zur Gedenkarbeit für Katzbach bereitgestellt wird. Der Förderverein für die Errichtung einer Gedenk- und Bildungsstätte KZ Katzbach hatte weitere 30 000 Euro vom Hauptvorstand der IG Metall in Frankfurt eingeworben.

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