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Grüne in Frankfurt: „Wir haben keine Koalition mit der CDU vorbereitet“

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Von: Georg Leppert

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Julia Frank führt die Grünen in den Wahlkampf.
Julia Frank führt die Grünen in den Wahlkampf © Oeser

Die Vorsitzende der Frankfurter Grünen, Julia Frank, spricht im Interview über Partnerschaften im Abwahlkampf und die OB-Wahl 2023.

Frau Frank, wie lange haben Sie am Sonntagabend noch gefeiert?

Richtig gefeiert haben wir gar nicht. Wir haben mit unseren Wahlhelferinnen und Wahlhelfern kurz etwas getrunken. Einfach, um uns ein bisschen auszutauschen. Feiern werden wir im Frühling, wenn wir die OB-Wahl gewonnen haben.

Wieso hatte dieser Wahlkampf, der sich ja gegen eine Person richtete, Erfolg?

Weil wir nicht unter die Gürtellinie geschlagen haben. Wir haben uns darauf verlassen, dass Peter Feldmann in Fettnäpfchen treten würde. Dass er dann derartig schlimme Auftritte wie vor Gericht hinlegt, damit hatten wir aber nicht gerechnet.

Nun hieß es gestern oft, die Stadtregierung könne jetzt wieder inhaltlich arbeiten...

Nein, so wurde das nicht gesagt. Zumindest nicht von mir. Die Stadtregierung hat immer inhaltlich gearbeitet. Aber jetzt schaut die Öffentlichkeit wieder hin. Vorher wurden Politikerinnen und Politiker doch nur nach Feldmann gefragt.

Und das ist jetzt von einem Tag auf den anderen vorbei?

Natürlich wird uns Feldmann noch weiterhin beschäftigen. Der Magistrat wird Aufräumarbeiten leisten müssen. Ich fürchte, der Oberbürgermeister hat einiges liegenlassen in letzter Zeit. Aber die Regierung kann wieder zurückkehren zu Sachthemen.

Wirklich? Es steht doch gleich der nächste Wahlkampf an.

Ja, aber Wahlkämpfe sind Sache der Parteien, nicht des Magistrats.

Sind die Grünen beim OB-Wahlkampf ins Hintertreffen geraten? Uwe Becker von der CDU hat sich im Abwahlkampf in Szene gesetzt und am Montag seine Kandidatur bekanntgegeben. Sie legen erst in knapp zwei Wochen fest, wer für die Grünen antritt.

Wir sind selbstbewusst genug, um zu sagen: Wir wollen die OB-Wahl gewinnen. So wie wir die letzten vier Wahlen in Frankfurt gewonnen haben. Natürlich gab es unter den Grünen kritische Stimmen, die gesagt haben: Müssen wir mit der CDU zusammenarbeiten? Aber wir haben keine Koalition mit der CDU vorbereitet, sondern in einer Frage kooperiert.

In der engeren Auswahl sind bei den Grünen drei Frauen und zwei Männer. Manche in der Partei sagen, es sollte unbedingt eine Frau kandidieren.

Das fände ich auch gut. Frauen führen und repräsentieren einfach anders als Männer. Weniger ichbezogen. Und darauf kommt es nach zehn Jahren Feldmann an.

Aber bislang traten bei den Direktwahlen in Frankfurt immer nur Frauen an.

Ja, aber unsere Chancen waren noch nie so gut wie jetzt. Man ist in solchen Wahlen immer abhängig vom Bundestrend. Nargess Eskandari-Grünberg etwa konnte 2018 gar nicht gewinnen.

Hilft es, dass sie jetzt kommissarisch Oberbürgermeisterin ist?

Das steigert ihre Bekanntheit, das ist gut.

Während Manuela Rottmann, die auch gehandelt wird, kaum noch bekannt ist.

Die Unterschiede in der Bekanntheit gibt es vielleicht in der Römer-Bubble. Aber ist Manuela Rottmann in der breiten Öffentlichkeit wirklich deutlich weniger bekannt als Mike Josef oder Uwe Becker? Das glaube ich nicht. Sie ist vielen Menschen in Frankfurt noch als Dezernentin in Erinnerung, die in der Lage war anzupacken. Aber wir werden am 19. November sehen, wer für uns antritt.

Interview: Georg Leppert

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