Martina Feldmayer, neue Spitzenkandidatin der Grünen zur Kommunalwahl 2021 in Frankfurt, steht vor einem Banner, das mit dem Parteilogo der Grünne bedruckt ist, und spricht in ein Mikrofon. Sie scheint dabei zu gestikulieren.
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Auf Listenplatz eins bei den Grünen in Frankfurt: Martina Feldmayer.

Kommunalwahlen 2021 in Hessen

Grüne in Frankfurt stellen Liste auf den Kopf

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Beim digitalen Parteitag der Frankfurter Grünen kommt es zu einigen Überraschungen: Einige Abgeordnete kassieren herbe Niederlagen. Martina Feldmayer wird Spitzenkandidatin.

Frankfurt a. M. - Große Veränderungen bahnen sich in der Stadtverordnetenfraktion der Frankfurter Grünen an: Auf dem digitalen Parteitag am Wochenende, der die Kandidatinnen und Kandidaten zur Kommunalwahl bestimmte, erlitten gleich mehrere bisherige Abgeordnete herbe Niederlagen.

So landete der Fraktionsvorsitzende Sebastian Popp nur auf Platz 20 der Liste; er hatte zunächst für Platz vier kandidiert, war in der Abstimmung aber dem Radentscheid-Mitbegründer und Geschäftsführer des VCD Hessen, Heiko Nickel, unterlegen.

Grüne in Frankfurt: Neue Liste für Kommunalwahl umfasst nur drei Politiker:innen der aktuellen Fraktion

Nur wenige Positionen gingen ohne Kampfabstimmung an einzelne Bewerberinnen und Bewerber. So wurden erwartungsgemäß die Landtagsabgeordnete Martina Feldmayer auf Platz eins und der Frankfurter Grünen-Vorstandssprecher Bastian Bergerhoff auf Platz zwei gewählt – allerdings auch nicht ganz ohne Widerstand. Feldmayer erhielt 141 Stimmen bei 44 Nein-Voten und 18 Enthaltungen, Bergerhoff 179 Mal Ja bei 26 Nein und 16 Enthaltungen. Listenplatz drei ging an Tina Zapf.

Unter die ersten zehn der Liste kamen nur drei Grüne, die bisher der Fraktion angehören: Hilime Arslaner, Natascha Kauder und Dimitrios Bakakis. Alle Resultate mussten noch am Sonntagabend nach Redaktionsschluss dieser Ausgabe in einer persönlichen Sitzung bestätigt werden.

Spitzenkandidatin der Grünen in Frankfurt für die Kommunalwahl fordert grundlegende Änderungen

In der Spitze etwa 250 Mitglieder der Grünen beteiligten sich an den Listenwahlen zur Kommunalwahl 2021. Die Abstimmung vom heimischen Computer oder Smartphone war für alle eine neue Situation. Das Onlinesystem hatten Fachleute in kurzer Zeit an die Bedürfnisse angepasst, und es funktionierte, wie bereits die erste Testabstimmung zeigte. „Was ist Dein Lieblingsgericht?“, hieß da die Frage. Es gewannen Nudeln vor Pizza und Suppe – Gemüse stand nicht zur Auswahl.

Die gewählte Spitzenkandidatin Martina Feldmayer betonte: „Es muss sich Grundlegendes ändern“, und zwar im Klimaschutz, bei der Aufteilung des Straßenraums, aber auch etwa bei der Digitalisierung der Schulen. „Corona hat gezeigt, wo unser System Schwächen hat“, sagte sie.

Bergerhoff setzte ähnliche Schwerpunkte, richtete den Blick auch auf das Problem Rechtspopulismus und auf eine Wirtschaft, die sich einer veränderten Welt anpassen müsse. „Wir sind eine bunte Stadt, wir fahren gut damit, wir wollen es auch bleiben“, sagte er: „Wer hier lebt, ist Frankfurter:in.“

Mitglieder:innen der Grünen in Frankfurt haben sich seit 2015 fast verdoppelt

Zu den Umbrüchen, die die Listenwahl der Fraktion beschert, sagte Bergerhoff: „Es hat mich auch überrascht, etwa, dass Sebastian Popp so weit hinten gelandet ist.“ Er wollte darin aber keinen Ausdruck grundsätzlicher Kritik am Kurs der Frankfurter Grünen sechs Monate vor der Kommunalwahl erkennen. Die Zahl der Mitglieder der Grünen in Frankfurt habe sich seit der letzten Listenwahl 2015 fast verdoppelt auf jetzt rund 1450 Personen. „Die alten Verhältnisse gelten nicht mehr“, sagte Bergerhoff. „Es ist ein neues Spiel nach fünf Jahren. Vielleicht hat der eine oder die andere unterschätzt, dass man sich da auch neu kennenlernen muss.“ Sebastian Popp, bei den Grünen seit 1984, ist seit 1989 mit Unterbrechungen Stadtverordneter. Verkehrswende und Klimakrise, die zwei vorherrschenden Themen der Zeit, seien nicht direkt Popps Schwerpunkte, sagte Bergerhoff. Es gebe aber keine Stimmung in der Partei, die sich gegen die Fraktion richte. Ein digitaler Parteitag sei für alle eine Herausforderung gewesen. (Thomas Stillbauer)

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