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Stararchitekt Norman Foster hat nicht nur die Reichstagskuppel in Berlin, sondern auch den Tower der Commerzbank entworfen.

Hoch hinaus

Ins grüne Dreieck

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Gärten durchziehen den Commerzbank Tower, das höchste Hochhaus Deutschlands.

Die Skyline wächst gewaltig. Überall im Frankfurter Zentrum wird gebaut, schießen neue Türme in die Höhe, gleich vier etwa auf dem früheren Deutsche-Bank-Areal am Roßmarkt. Bis auf 228 Meter wird einer von ihnen wachsen. Doch der Commerzbank Tower wird auf absehbare Zeit das höchste Hochhaus bleiben in Frankfurt, ja in ganz Deutschland.

259 Meter ragt der Turm am Kaiserplatz, im Zentrum der Stadt, in den Himmel, mit Antenne sogar 300 Meter. Bei seiner Fertigstellung im Mai 1997 war die Unternehmenszentrale der Commerzbank gar das höchste Gebäude Europas. Doch die schlichte Höhe ist es nicht, die den Reiz des vom englischen Stararchitekten Norman Foster – der auch die gläserne Reichstagskuppel entwarf – geschaffenen Hochhauses ausmacht. Als der in Frankfurt weithin sichtbare Dreiecksturm errichtet wird, ist es im Innern der Bürotürme, die schon damals das Bankenviertel prägen, meist sehr dunkel, was für die Tausenden Beschäftigten in den Hochhäusern nicht eben angenehm ist. Foster dagegen setzt bei seinem Gebäudekonzept auf eine damals völlig neue Transparenz, nämlich auf Sonne und auf Begrünung.

Die Büros im in ziemlich genau dreijähriger Bauzeit von Hochtief hochgezogenen Turm, die etwa 2800 Arbeitsplätze bieten, gruppieren sich um ein dreieckiges Atrium, das die Etagen durchzieht, Tageslicht in den Turm fallen lässt. Das ist möglich, weil alle Installationsschächte, die Teeküchen, Aufzüge, Toiletten nicht, wie zuvor üblich, im Gebäudekern, sondern an den abgerundeten Ecken des gleichschenkligen Dreiecks untergebracht sind.

Wände sind, etwa in den Vorstandsetagen ganz oben, verschiebbar. Wenn gewollt, kann dort auf diese Weise gar ein sehr hoher Raum entstehen, der sich über die 49. und die halbe 50. Etage erstreckt.

Der Tower der Commerzbank in Frankfurt.

Für Aufsehen sorgt der Turm bis heute wegen des Grüns in seinem Innern. Erstmals ist ein Hochhaus entstanden, das Platz für Gärten bietet. Die tragen mit dazu bei, dass einige den Wolkenkratzer als erstes ökologisches Hochhaus der Welt preisen. Spiralförmig angeordnet schrauben sich neun solcher grünen Oasen bis zum 39. Stock in die Höhe. Je drei sind nach Osten, nach Süden und nach Westen ausgerichtet. Je nach Himmelsrichtung sind sie nach einem anderen botanischen Thema bepflanzt.

Als besonders beliebt bei den Beschäftigten der Großbank gelten die Südgärten. Nicht nur wegen der mediterranen Bepflanzung, sondern auch weil es dort Snacks zu kaufen gibt. Zitronenbaum, Olivenbaum, Korkeiche bilden die Leitbepflanzung in diesen sonnendurchfluteten Gärten. Selbst die Einfassungen, hier aus Terracotta, machen deutlich, dass es um den Süden geht. Wer sich umdreht, sieht, tief unter sich, den Main, den Sachsenhäuser Berg mit dem neuen Henninger Turm, ganz hinten die Hügel des Odenwalds. Wer Glück hat, einen der gläsernen Aufzüge am Gebäuderand zu erwischen, genießt selbst während der Fahrstuhlfahrt spektakuläre Ausblicke.

Nordamerikanische Pflanzen, Tanne und Ahorn etwa, prägen die nach Westen ausgerichteten Gärten, die wie alle vor etwa 1,5 Jahren behutsam erneuert wurden. Durch die großen Scheiben fällt der Blick etwa auf den Omniturm, der sich auf der anderen Seite der Großen Gallusstraße der Fertigstellung nähert und Platz für Büros und Wohnungen bieten wird. Kaum weiter entfernt ist der Maintower mit seiner Aussichtsplattform. Die Gebäude der Goethe-Uni im Westend sind zu sehen, natürlich der Taunus.

Steckenpalme, Drachenbaum und schwarzer Schiefer stehen schließlich für Asien, die Ostgärten im Turm, von denen aus der Blick etwa auf den Dom und die Zentrale der Europäischen Zentralbank fallen.

Die Gärten dienen dabei nicht nur als Kommunikations- und Pausenzonen. Sie sind Teil eines zum Zeitpunkt der Fertigstellung sehr innovativen natürlichen Lüftungssystems, das auf herkömmliche Klimaanlagen verzichtet, stattdessen auf Kühldecken setzt. Völlig neu war damals auch, dass die Beschäftigten, zumindest wenn es nicht sehr schüttet, stürmt oder eiskalt ist, selbst die Fenster der oberen Stockwerke im Hochhaus öffnen können. Das ist möglich, weil der Turm über eine zweischalige Fassade verfügt. Die äußere Schale der wärmedämmenden Gebäudehülle enthält Öffnungen, die Luft hinein lassen. All das sollte für die Beschäftigten angenehm sein, aber auch tüchtig Energie sparen – und so für eine bessere Ökobilanz sorgen.

Zugänglich ist der grüne Büroturm fast nur bei Führungen, die die Commerzbank jeden letzten Samstag im Monat ermöglicht. Die Ausnahme bildet die gläserne Plaza, die an das eigentliche Foyer des Commerzbank-Turms angrenzt. In der dort untergebrachten Kantine, die nach großem und teurem Umbau vor eineinhalb Jahren wiedereröffnet hat und jetzt etwas gemütlicher ist, können nicht nur Commerzbanker zu Mittag essen oder einen Cappuccino trinken.

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