Für die Jugendarbeit erhielt die SG mit ihrem Vorsitzenden Harald Seehausen 2014 einen Preis. Boeckheler
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Für die Jugendarbeit erhielt die SG mit ihrem Vorsitzenden Harald Seehausen 2014 einen Preis.

Bornheim

SG Grün-Weiß Bornheim: Auch neben dem Platz engagiert

  • Boris Schlepper
    vonBoris Schlepper
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Die Sportler in Frankfurt-Bornheim bemühen sich um Soziales im Viertel. Das Fest zum 75. Jahrestag ist auf 2021 verschoben.

Eigentlich müsste es am Ende der Berger Straße gerade brummen. Die letzten Vorbereitungen zum Jubiläumsfest der SG Bornheim Grün-Weiß liefen auf Hochtouren, das Vereinsheim würde geschmückt. Doch wegen der Corona-Krise hat der Verein seine für Anfang Juni geplante Feier zum 75. Geburtstag verschoben – um zwölf Monate.

Seit Anfang vergangenen Jahres hat der Verein das Fest vorbereitet, berichtet Vorstandsmitglied Harald Seehausen. Mitglieder hatten ein Programm bis ins Detail vorbereitet. In der einwöchigen Feier sollte es etwa eine Ausstellung geben, in der Fotos aus dem Alltag des Sportvereins zu sehen sind. Vorgesehen waren Turniere mit den F- und E-Jugendmannschaften der Region. Ehemalige Spieler hatten sich bundesweit zu einem Treffen „Weißt du noch?!“ angemeldet.

Geplant war auch eine Gesprächsrunde über das soziale Engagement des Vereins und Fachgespräche über die Nachwuchsförderung mit Vertretern aus Politik, von Wohlfahrtsverbänden und dem DFB. „Das werden wir jetzt auf kommendes Jahr verschieben“, sagt Seehausen. Auch über ihre Geschichte hätte die SG erzählt.

Die beginnt im September 1945, als sich mehrere Bornheimer zusammensetzten und die Sportgemeinschaft ins Leben riefen. Die Stadt stellte der Gruppe die Fläche an der Berger Straße zur Verfügung, sagt Seehausen. „Dort waren damals noch etliche Bombentrichter, die wir erst auffüllen mussten.“ Duschen gab es keine, ein Eimer musste reichen, anstelle von Umkleiden gab es einen alten Möbelwagen. Die Hallensportler trafen sich in den Sälen des Schützenhofs.

Die Sportler legten sich ins Zeug. Noch im selben Jahr fand mit dem Radrennen rund um den Röderbergweg die erste Großveranstaltung statt, sagt Seehausen. Kurz vor Weihnachten war der Fußballplatz für das erste Spiel fertig. Fünf Abteilungen hatte die SG damals. Neben den Fuß- und Handballern gab es Radsportler und Turner. Am erfolgreichsten waren die Sportler der Schwerathletik. Boxer und Ringer holten mehrere Pokale, Gewichtheber Rudi Seibel schaffte es in den 60er Jahren bis in zur WM.

Mit dem Erfolg stiegen die Ansprüche. Besseren Bedingungen, die der Verein aber auf dem kleinen Platz nicht umsetzen konnte, berichtet Seehausen. Ende der 60er Jahre eskalierte der Streit. Die Handballer gingen zum FSV, die Schwerathleten zur Frankfurter Turngesellschaft. Die Fußballer übernahmen das Ruder. Unter ihrer Leitung sanierte die Stadt Ende der 70er die Sportanlage. Auch bekam der Verein Zuwachs. In den 90er Jahren ging der SC Grün-Weiß, der im Ostpark gekickt hatte, in der SG auf.

Nicht nur der Sport spielt bei den Bornheimer eine Rolle. Bundesweit ist die SG für ihr soziales Engagement bekannt. Anfang der 90er Jahre wurden unter anderem Jugendliche aus dem Bürgerkriegsland Jugoslawien, die als Spieler im Verein aktiv waren, zu Trainern für Kinder ausgebildet. Auch die Hausaufgabenhilfe startete damals, erinnert sich Seehausen. „Viele Eltern sagten, ihre Kinder sollten erst lernen, bevor sie kickten.“ Also erledigten sie fortan beides bei der SG.

Anfang 2000 hatten Jugendliche dann die Idee, eine Begegnungsstätte auf dem Gelände des Sportvereins einzurichten, um über das gemeinsame Fußballspiel hinaus einen offenen Treffpunkt zu schaffen. Mit Hilfe von Spenden wurde daraus 2007 das erste Kinder- und Familienzentrum auf einem Sportplatz in Deutschland. „Das Kifaz ergänzt unser Sportangebot durch pädagogische Angebote, die sich an Kinder, Jugendliche und Familien richten“, sagt Seehausen.

Neben der Hausaufgabenbetreuung gibt es ein Internationales Familien-Sport-Café, einen offenen Jugendtreff und seit 2015 Flüchtlingsprojekte. Ohne Widersprüche ging es auch bei der SG Bornheim nicht, sagt Seehausen. „Was soll der ganze Zirkus auf einem Fußballplatz“, hätten manche Mitglieder gefragt. Viel Aufklärungsarbeit sei nötig gewesen.

Inzwischen kicken 53 Nationalitäten bei der SG. Mit rund 750 Mitgliedern und 400 Kindern und Jugendlichen, mit einer großen Mädchen- und Frauenfußballabteilung, betreibt der Verein eine der größten Kinder- und Jugendabteilungen in Frankfurt.

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