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Es wäre so schön gewesen. Der Grüne-Soße-Wettstreit im Zelt – erneut von Corona verdrängt.
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Es wäre so schön gewesen. Der Grüne-Soße-Wettstreit im Zelt – erneut von Corona verdrängt.

Festival

Grün ist die Soße der Hoffnung in Frankfurt

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Jetzt wäre eigentlich Sieben-Kräuter-Festival – vielleicht klappt es stattdessen im August und draußen. Ein anderes Spektakel rund um die Grüne Soße ist bereits abgesagt.

Bei vielen Leuten dürfte es im Terminkalender stehen: Am Freitag war der erste Tag des Grüne-Soße-Festivals 2021. Da muss natürlich der Corona-Konjunktiv her: Am Freitag wäre der erste Tag gewesen. Dass auf dem Roßmarkt kein riesengroßes Zelt steht und kein einziger Fressstand, liegt natürlich nicht an einem etwaigen Mangel an den sieben Soßenkräutern. Es liegt am Virus. Wie im vorigen Jahr.

„Wir sind in der Warteschleife“ steht auf der Internetseite des Grüne-Soße-Festivals über einem Kräuterfeld. „Das steht da schon ziemlich lang“, sagt Maja Wolff. Gemeinsam mit Torsten Müller hat sie das – eigentlich – alljährliche Soßen- und Bühnenspektakel gegründet. Es würde der Stadt gerade jetzt so guttun. Aber es ist noch lang nicht daran zu denken, mehrere Hundert Leute in ein Festzelt zu setzen.

Das Festival fehlt nicht allein. In ungeraden Jahren ist – eigentlich – auch der Grüne-Soße-Tag an der Reihe: der Tag, an dem Frankfurt aus Spaß an der Soß’ versucht, einen Weltrekord im Verzehr der Kräuterspezialität aufzustellen. Das ist im Prinzip schon zwei Mal gelungen, aber nicht offiziell anerkannt, weil in der Stadt dafür mehr als 230 000 Portionen an einem Tag verputzt werden müssten, aber als Bestleistung bisher nur gut 180 000 geschafft wurden. „Wir haben den Tag abgesagt“, seufzt Maja Wolff. Er sollte im Juni sein. Kein Mensch kann vorhersagen, was dann ist.

„Welches Zeichen soll man setzen, wie soll man planen?“, fragt sich das Festivalteam. „Wir wollen die Stadt bewegen, wir wollen Leute zueinander bringen.“ Alles schwierig mit Corona. Voriges Jahr lief das Grüne-Soße-Festival im Internet. Das war ziemlich lustig. Aber das war voriges Jahr. Inzwischen läuft so vieles im Internet, was dringend ins echte Leben gehört. „Die Leute werden längst online-müde“, sagt Maja Wolff.

In den September haben sie das Festival diesmal verschoben. Eigentlich wachsen die Kräuter im Frühjahr. Aber das ist nicht das Problem. Ein Hoffnungsschimmer: Das Land Hessen hat ein Förderprogramm namens „Ins Freie“ auf den Weg gebracht. Dafür müsste die Veranstaltung komplett draußen und vier Wochen lang sein. „Kriegen wir hin“, sagt Wolff und hat zusätzliche Zeit im August geblockt. Das Kabarett Die Käs, das Papageno-Theater und die Schmiere wären mit von der Partie. Also wieder Anträge stellen, wie schon so oft, wieder Pläne machen, ohne die Perspektive, dass es auch klappt – die Herausforderung dieser Zeit. „Open-Air ist nicht so abwegig“, sagt die Festivalchefin. „Und doch ist alles vage.“

Die GmbH hat keine Arbeit für ihre Mitarbeiter. Einige mussten sich etwas anderes suchen, andere sind in Kurzarbeit, und die beiden Leute an der Spitze fallen völlig durchs Raster: „Keine Novemberhilfe, keine Ganzjahreshilfe – nix.“ Auch Theaterprojekte liegen auf Eis. Wovon leben sie? „Von 2019.“ Die Rücklagen reichen auch nicht mehr lang.

Maja Wolff, die sich selbst „die größte Gegnerin des Jammerns“ nennt und schon 2020 ein ironisches Video in Bühnenklamotten auf dem leeren Festivalgelände drehte – sie möchte mal ganz kurz jammern dürfen: „Kunstschaffende fallen inzwischen überall durchs Sieb. Wir werden schon gar nicht mehr erwähnt.“ Torsten Müller bewegt inzwischen die Frage, was überhaupt zurückkehren wird am Ende der Pandemie. Wenn die Leute endlich wieder etwas Kulturelles erleben wollen, ist dann noch etwas übrig? „Stell’ dir vor, es macht keiner mehr was.“

So weit will es niemand kommen lassen. Wie sagt man: Grün ist die Hoffnung.

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