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Die Summe von kleinen grünen Flächen ist ein wirkungsvoller Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas.

Klimawandel in Frankfurt

"Grün hilft dem Stadtklima"

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Peter Dommermuth, Leiter des Frankfurter Umweltamtes, spricht anlässlich der Klimagourment-Woche im FR-Interview über den Nutzen von Stadtgärten und dem Trend zu Steinwüsten.

Zurzeit läuft in Frankfurt und Umgebung die Klimagourmet-Woche. Einer der Schwerpunkte im Programm sind Angebote zur Frage, was Pflanzen und Gärtnern mit dem Klima in der Stadt und dessen Wandel zu tun haben. Wir haben dazu mit dem Leiter des Frankfurter Umweltamts gesprochen. Das gesamte Programm der Klimagourmet-Woche, deren Medienpartner die Frankfurter Rundschau ist, gibt es unter www.klimagourmet.de.

Herr Dommermuth, wie schätzen Sie die Bereitschaft der Frankfurterinnen und Frankfurter ein, selbst Gemüse anzubauen?
Die Angebote dazu in der Stadt und drumherum werden gut genutzt und nachgefragt. Kleingärten und Flächen für Freizeitgärten sind heiß begehrt. Gärtnern entwickelt sich immer mehr zu einem schönen, durchaus sozial orientierten Hobby. Nicht allein zur Ernährung, sondern auch zur aktiven Erholung und als Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen.

Ist das Grün auf Balkonen, in Gemüsebeeten und in Vorgärten tatsächlich klimarelevant? Oder geht es dabei eher um Symbolik?
Die Summe von kleinen grünen Flächen ist ein wirkungsvoller Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas. Und dieses Grün bringt sicher neben dem Klimaeffekt auch ein kleines Stück unmittelbare Lebensqualität und Bewusstseinsförderung mit sich.

Welchen Beitrag kann die Bepflanzung überhaupt zum Stadtklima leisten?
Jedes zusätzliche pflanzliche Grün hilft dem Stadtklima, natürlich auch die Bepflanzung in Gärten, an Hausfassaden oder auf Dächern. Pflanzen helfen, Niederschlagswasser zu speichern oder zurückzuhalten; Verdunstungskälte hilft der Abkühlung. Pflanzen nehmen Kohlendioxid auf und helfen der Umwelt.

Welche Rolle spielen dabei private Gärten?
Die sind genauso wichtig wie öffentliches Grün. Aus diesem Grund beobachten wir mit Sorge den zunehmenden Trend, dass Gärten zu Steinwüsten gestaltet werden. Kiesel statt Kohlrabi, Basalt statt Basilikum. Manch einer findet das schick, meistens ist es auch pflegeleicht. Aber diese kahlen Flächen heizen sich auf, speichern Wärme und geben sie wieder ab, und natürlich bieten sie Tieren und Pflanzen auch keinen attraktiven Lebensraum.

Siedlungen wurden einst mit kleinen Hausgärten zum Selbstanbau geplant. Könnte das wiederkommen? Oder reicht dafür der Platz einfach nicht?
Die Konkurrenz um die Flächen ist groß. Neuplanungen werden beim vorhandenen Wohnungsmangel vor allem zum Ziel haben, Wohnflächen zur Verfügung zu stellen. Andererseits braucht es für ein gutes Miteinander einen Mix aus öffentlichem und privatem Grün.

Stadtgärten wie in Frankfurt oder auch am Offenbacher Hafen scheinen ja Konjunktur zu haben. Halten Sie das Modell, bei dem es gerade auch um Nahrungserzeugung gemeinsam mit anderen geht, für ausbaufähig?
Ja, sicher.

Frankfurt fördert mit dem Programm „Frankfurt frischt auf“ neue Grünflächen. Versuche, Fassaden zu begrünen, wie etwa am Palmengarten, haben sich aber als schwierig erwiesen. Ist das ein falscher Weg?
Nein, die Fassadenbegrünung ist ein richtiger Weg und zukunftsfähig. Wo die Flächen in der Horizontalen fehlen, muss man eben die vertikalen Möglichkeiten nutzen. Wo man Pflanzen in den Boden bringt und dann an der Wand hochwachsen lässt, ist das aber sicher einfacher, als es mit Konstruktionen zu versuchen, die mehr oder minder frei in der Luft hängen. Allein schon wegen der Bewässerung oder des Frostschutzes.

Ist diese Art von Grün überhaupt bezahlbar? Oder eher ein stylischer Luxus an Wohnhochhäusern für Gutverdienende?
Ich würde es nicht stylisch nennen. Es ist einfach ein Gebot der Stunde, Möglichkeiten zur Bepflanzung zu nutzen, die bisher nicht so im Fokus standen. Die Stadt Frankfurt fördert deshalb neben der Begrünung von Fassaden auch die Entsiegelung von Höfen und die Begrünung von Dächern.

Das Förderprogramm ist mit zehn Millionen Euro ausgestattet. Wie viele begrünte Fassaden und Dächer bekommt Frankfurt dafür?
Bisher sind bei uns in diesem Jahr mehr als 70 Beratungs- und Förderanträge für rund 9000 Quadratmeter eingegangen. Das ist zwar ein ermutigender Anfang, aber die Zielvorgabe aus dem gültigen Koalitionsvertrag von 100 Dachbegrünungen, 100 Hofbegrünungen und weiteren 100 innovativen Projekten wie Sonnensegel, Pergolen oder Trinkbrunnen wollen wir in Zusammenarbeit mit dem Grünflächenamt überbieten.

Interview: Peter Hanack

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