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Grundrauschen auf Höhe des Kirchturms. Im Urlaub vermissen Kalbacher ihre A 5 beinahe schon.
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Grundrauschen auf Höhe des Kirchturms. Im Urlaub vermissen Kalbacher ihre A 5 beinahe schon.

Kalbach

Großer Krach im kleinen Dorf

  • Denis Hubert
    VonDenis Hubert
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Die Bewohner von Kalbach plagt der Verkehr auf A 5 und A 661. Doch mehr Lärmschutz kommt erst beim Autobahn-Ausbau.

Die Ebels wohnen direkt an der Quelle: im Habichtsweg. Es ist aber kein Fluss, der sprudelt. Es ist der Verkehr, der lärmt. „Früher hörte man den Bach rauschen“, sagt Jutta Ebel. „Heute ist es die Autobahn.“ Ihr Mann Werner kann inzwischen nur noch mit Schaumstoff in den Ohren schlafen.

Nur wenige hundert Meter liegen zwischen ihrem Anwesen mit der Nummer 22 und der Autobahn mit der Nummer 5. Bis zur Landstraße L 3019 ist es gar nur ein Katzensprung. Die Ebels gehören zu den 160 Anwohnern, die Tag und Nacht unter Lärm leiden. Es ist das Zusammenspiel von Autobahn und Umgehungsstraße, das den Krach in den Kalbacher Westen transportiert.

„Das ist ein gravierender Lärmkonflikt“, sagt Christian Reuter, Regionalplaner im Regierungspräsidium Darmstadt. Er hat die Anzahl der Betroffenen anhand sogenannter Lärmkartierungen errechnet. Mit mindestens 65 Dezibel am Tag und 55 in der Nacht werden die Ebels und benachbarte Anwohner demnach beschallt.

Die Maßeinheit Dezibel gibt an, wie viel mal größer die Schallintensität eines Geräuschs im Vergleich zur menschlichen Hörschwelle ist. Die Beeinträchtigung beginnt laut hessischem Lärmaktionsplan etwa bei 35 Dezibel. Die kritische Grenze für Gehörschäden bei Dauerlärm liegt bei knapp unter 85 Dezibel.

Nach Auskunft der Anwohner hat vor allem die Zahl der Lkw, die über die A 5 brettern, in den vergangenen Jahren zugenommen. Und die hört man. Denn die Geräuschbelastung, die ein Lastwagen hervorruft, entspricht der von 23 Autos. „Das ist ein helles Surren“, beschreiben die Betroffenen das Pfeifen der Reifen.

Eigentlich müssten Vögel zwitschern, das lässt zumindest der Blick auf die Straßennamen rund um den Weißkirchener Berg vermuten. Hergard Zahradnik wohnt seit 40 Jahren im Schwalbenweg. „Der Lärm ist wirklich schlimm“, sagt sie. „Das geht morgens schon los und dann die ganze Nacht durch.“ Gerade ist Nachmittag. Die ehemalige Lehrerin beschäftigt sich mit ihren beiden Enkelkindern auf dem Spielplatz am Fasanenweg. „Er ist eine Attraktion“, sagt sie. Gut besucht sei er aber nicht. „Die Eltern suchen sich Spielplätze, die nicht direkt von Lärm betroffen sind.“

Der Krach der Autobahn ist ein großes Ärgernis im kleinen Kalbach. Auf den Lärmschutzwall entlang der A 5 warten die Anwohner noch immer. Doch vor 2018 wird das nichts. Der Schutzwall hängt vom Ausbau der A 5 ab. Die möchte der Bund zwischen Friedberg und Nordwestkreuz Frankfurt von sechs auf acht Spuren erweitern. Zum Leidwesen der Anwohner, die knapp 250 Meter von der Autobahn weg wohnen. Die Ebels schon seit 36 Jahren. Für sie ist der Geräuschpegel ein ständiger Begleiter – und fast schon zur Gewohnheit geworden. „Wenn wir im Urlaub sind“, sagt Jutta Ebel, „dann werden wir ganz zappelig und denken uns: Da fehlt doch was!“

Wenn der Ausbau kommt, haben die Kalbacher einen Rechtsanspruch auf Lärmschutz. Nach dem Neubau von Straßen müssen 59 Dezibel am Tag und 49 Dezibel in der Nacht eingehalten werden. „Kalbach würde von dem Ausbau profitieren“, sagt Regionalplaner Reuter, „dann müssten massive Lärmschutzmaßnahmen vorgenommen werden.“ Der Krach kommt aber nicht nur von der einen, sondern auch von der anderen Seite – je nachdem, wie der Wind weht.

Kalbach liegt in einem Dreieck: hier die A 5, dort die A 661. Ein bisschen was hat es von dem kleinen gallischen Dorf, das sich widerspenstig gegen ungebetenen Besuch wehrt. Nur dass es sich nicht um römische Legionäre, sondern um riesigen Lärm handelt. „Wir sind in Kalbach eingeschlossen“, hält Hergard Zahradnik das Bild aufrecht.

Und das, obwohl der Ortskern idyllisch ist – ähnlich wie im Asterix-Comic. Auf der Kalbacher Hauptstraße gibt es den Bäcker, der sein Brot noch eigenhändig bäckt. Und den Metzger, der sein Schwein noch selber schlachtet. Oder das Alte Rathaus, das den Charme früherer Tage versprüht – als Kalbach noch kein Teil von Frankfurt war. Ob es umgeben von Feldern und grünen Wiesen auch einen Häuptling Majestix gab, ist aber nicht überliefert.

Dann kam der Riedberg mit seinen Einfamilienhäusern und Wohnblocks. Und das Gewerbegebiet Am Martinszehnten. Dort herrscht Hektik, mitunter Chaos. Das liegt an der anderen Autobahn – der A 661. Seitdem Bund und Stadt die Anschlussstelle Bonames vor zehn Jahren geschlossen haben, müssen die Kalbacher durch das Gewerbegebiet fahren, um in die Innenstadt zu gelangen.

Seit Jahren kämpft der Ortsbeirat dafür, die von Pflanzen überwucherte Zufahrt wieder zu öffnen. „Das würde eine deutliche Entlastung geben – auch für die Umwelt“, ist sich Vorsteherin Carolin Friedrich (CDU) sicher. Zumal viele Kalbacher schon jetzt lieber die Schleife über den Riedberg nähmen, um die Staus am Martinszehnten zu umgehen.

Doch so wie der Lärmschutzwall an den Ausbau der A 5 gekoppelt ist, ist auch die Öffnung der Anschlussstelle an den Ausbau der A 661 geknüpft. Von vier auf sechs Spuren soll sie verbreitert werden. Ob die Zufahrt tatsächlich geöffnet wird, steht in den Sternen. Kritiker beharren darauf, dass die Zufahrt zu nahe an der nächsten Anschlussstelle läge – 362 Meter. Der Minimalabstand wären 600 Meter.

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