Abschied von Felix Helbig.
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Abschied von Felix Helbig.

Abschied von Felix Helbig

„Er war ein großer Journalist“

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Am letzten Tag der "alten" Rundschau, dem 28. Februar, nehmen Hunderte Abschied von FR-Redakteur Felix Helbig. Der 32-Jährige war überraschend am 13. Februar 2013 gestorben. Die Geburt der "neuen" Frankfurter Rundschau konnte er nicht mehr miterleben.

Die Trauerhalle auf dem Alten Friedhof in Neu-Isenburg war viel zu klein, um alle Menschen aufzunehmen, die am Donnerstagnachmittag Abschied von Felix Helbig nehmen wollten. Dutzende mussten vor der Tür stehen. Mehrere Hundert Verwandte, Freunde und Kollegen waren es schließlich, die dem Redakteur der Frankfurter Rundschau, der in Neu-Isenburg aufwuchs, die letzte Ehre erwiesen.

Felix Helbig war am 13. Februar vollkommen unerwartet gestorben. Auf der Fahrt zu einem Abendtermin in Harheim war er am Steuer seines Wagens zusammengebrochen. Er wurde nur 32 Jahre alt.

Arnd Festerling, Chefredakteur der Frankfurter Rundschau, würdigte Helbig bei der Trauerfeier als einen großen Journalisten. Er erinnerte an die bedeutenden Themen, die unser Kollege für die FR bearbeitet hatte. Etwa den Fall Wevelsiep. Der Ingenieur äthiopischer Herkunft berichtete, von Polizisten misshandelt und von Fahrkartenkontrolleuren rassistisch beleidigt worden zu sein. Helbig machte den Fall öffentlich. Die Resonanz in der Stadt war gewaltig.

Wie bekannt Felix Helbig in Frankfurt war, zeigte sich in den Tagen nach seinem Tod, als zahlreiche Kondolenzschreiben in der Redaktion eingingen. Fast alle politischen Parteien brachten ihre Bestürzung über den Verlust unseres Kollegen zum Ausdruck. Zur Trauerfeier kam aus der Politik unter anderem Mike Josef, der designierte SPD-Chef in Frankfurt. Josef und Helbig hatten sich bereits 2006 kennengelernt. Der Sozialdemokrat demonstrierte als Student gegen Studiengebühren, Helbig berichtete darüber. Doch Felix Helbig, darauf legte Arnd Festerling Wert, ging es nicht nur um die großen Geschichten, die auf den vorderen Seiten der Zeitung landen. Nie sei er sich zu schade gewesen, eine Kurzmeldung zu schreiben.

Immer gut gelaunt – so war Felix. Auch daran erinnerte der Chefredakteur. Wann immer Menschen zusammenstanden und lachten, sei Felix Helbig unter ihnen gewesen. Mit dieser Heiterkeit trug unser Freund und Kollege auch dazu bei, die Tage und Wochen nach dem 13. November 2012, dem Tag der Insolvenzanmeldung der Frankfurter Rundschau, erträglich zu gestalten. Die Rundschau, bei der er vor 15 Jahren als Schüler angefangen hatte, sollte weitergeführt werden – das war Felix Helbigs großer Wunsch. Dass der in Erfüllung ging, bekam er nicht mehr mit. Wenige Stunden vor Beginn der Trauerfeier stellten sich die neuen Eigentümer der Frankfurter Rundschau vor.

Felix Helbigs Familie hatte darum gebeten, bei der Trauerfeier auf Kränze zu verzichten. Die Redaktion der Frankfurter Rundschau respektierte diesen Wunsch selbstverständlich. Stattdessen ließen die Kollegen dem Frankfurter Rechtshilfekomitee für Ausländer eine Spende zukommen. Der Verein existiert seit 1978. Er bietet ehrenamtlich kostenlose Beratung für Migranten in juristischen Fragen an. Die Unterstützung des Vereins wäre in Helbigs Sinne gewesen.

Sollten wir Felix Helbig irgendwann einmal – wo auch immer – wiedertreffen und ihn nicht sofort finden, sollten wir uns keine Sorgen machen, sagte Arnd Festerling zum Schluss seiner Rede. Wir müssten einfach nur nach einem Ort schauen, wo viele lachende Menschen zusammenstehen. In ihrer Mitte würden wir Felix finden.

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