Florian Leclerc

Kommentar

Ein großer Erfolg

Frankfurt wird dank des Radentscheids zur Fahrradstadt. Und Rad fahren ist gesellschaftlich akzeptiert.

Ihr Auftreten hat Eindruck gemacht. Der Allgemeinmediziner Norbert Szép, der Stadtplaner Alexander Breit, der VCD-Geschäftsführer Heiko Nickel - die Vertrauensleute des Radentscheids haben in den acht Verhandlungsrunden mit der Koalition und Stadtrat Oesterling wieder und wieder Argumente vorgebracht, warum die Stadt nur gewinnen kann, wenn sie den Radverkehr fördert. Mehr Sicherheit für Radfahrer, vor allem für alte und junge Menschen. Weniger Schadstoffe in der Luft. Mehr Lebensqualität.

Die Argumente sind nicht neu. Neu hingegen ist die gesellschaftliche Resonanz, die Großthemen wie Radfahren oder Klimawandel derzeit erfahren. Jeden Freitag gehen Menschen auf die Straße, weil sie keine Zukunft mit Artensterben, Polkappenschmelzen, Wüstenausdehnung erleben wollen. Getragen von einer Bewegung aus der Mitte der Gesellschaft gingen die Grünen bei der Europawahl im Mai in den Städten als klarer Sieger hervor. Allein in Frankfurt bekamen sie doppelt so viele Stimmen wie die SPD, ein Drittel mehr als die CDU.

Jeder Politiker bei Verstand weiß nun, welchen gesellschaftlichen Zielen er dienen sollte, um nicht völlig unterzugehen. Die nächsten Kommunalwahlen in Frankfurt sind schon in zwei Jahren. Abgesehen von solchem Pragmatismus ist es der Koalition im Römer hoch anzurechnen, dass sie auf eine Einigung mit dem Radentscheid hingearbeitet hat. Gerade die CDU-Fraktion, die in der Vergangenheit Radfahrprojekte wie am Deutschherrnufer entweder monatelang blockierte oder, wie an der Berliner Straße, auf den Sankt-Nimmerlein-Tag verschob, gerade diese CDU verdient großes Lob dafür, über den eigenen Schatten gesprungen zu sein. Radfahrer gibt es natürlich in der CDU-Fraktion genau so wie in der CDU-Wählerschaft, Rad fahren ist gesellschaftlich akzeptiert. Wer für Radfahrer ist, kann nur gewinnen, auch bei der nächsten Kommunalwahl.

Dass die meisten Radwege zunächst provisorisch errichtet werden, ist kein Verdruss. Provisorische Radwege zu bauen geht schneller und kostet weniger, als den Straßenraum umzugestalten. Was die Testphase angeht: Da sei an die Sperrung der Hauptwache von 2009 erinnert. Damals glaubten Kritiker, der Verkehr in der Innenstadt breche zusammen. Heute will die Sperrung niemand mehr missen.

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