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Isabelle Kruppa und die Leistungsriege der TV Eschersheim.
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Isabelle Kruppa und die Leistungsriege der TV Eschersheim.

Frankfurt

Großer Aufwand für wenig Sport

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Nur noch fünf Kinder pro Gruppe, kein Kontakt mehr und negative Tests für Coaches – die Bundesnotbremse bedeutet für die Vereine mehr Arbeit und schränkt das Training ein

Isabelle Kruppa muss aus einigen Metern Entfernung den Mädchen zurufen, was sie anders machen sollen. Die fünf Neun- bis 13-Jährigen aus der Leistungsriege des TV Eschersheim turnen jeweils einzeln auf dem kleinen Balken die vorgegebenen Übungen. Wenn etwas nicht stimmt, darf Kruppa aufgrund der Hygiene- und Abstandsregeln keine Hilfestellungen geben. „Jetzt muss ich es so gut es geht beschreiben“, sagt die Trainerin. Das Turngerät hat sie auf die kleine Wiese des Vereinsgeländes gestellt, damit die Mädchen ein halbwegs normales Training während der Coronavirus-Pandemie haben.

Nach der Notbremse des Bundes am 24. April sind die Vereine in ihrem Angebot noch einmal eingeschränkt worden und haben neue Auflagen bekommen. Es gilt: Maximal fünf Kinder in einer Gruppe bis zum 14. Lebensjahr dürfen mit Abstand Sport treiben. Bei den Lockerungen Anfang März gab es weder Gruppenbeschränkungen noch Abstandsvorgaben. Für Jugendliche ab 14 galt und gilt weiterhin, dass sie nur zu zweit auf dem Sportplatz trainieren dürfen.

Neu ist ebenfalls, dass jede Übungsleiterin und jeder Übungsleiter einen negativen Schnelltest vor jedem Training vorweisen müssen. 100 Stück hat Katrin Dunsch bestellt und diese wiederum in kleinere Päckchen gepackt und an ihre Coaches verteilt. „Die letzten Tage waren sehr herausfordernd“, sagt die hauptamtliche Geschäftsführerin des TV Eschersheim, der vor der Pandemie rund 1700 Mitglieder hatte. Wie fast alle Sportvereine haben die Austritte zugenommen und neu meldet sich so gut wie niemand an. Dunsch fühlt sich am Rande der Belastung durch die ständig wechselnden Verordnungen und den bürokratischen Mehraufwand sowie die Einholung der notwendigen Informationen. „Wie das ein ehrenamtlicher geführter Verein alles macht, ist mir ein Rätsel“, sagt sie.

Die bisher 15-köpfige Kinder-Leichtathletik-Gruppe, die auf der Sportanlage Roßäckern trainiert, wurde in drei Fünfergruppen unterteilt. In der vereinseigenen Turnhalle, wo sich bisher zwei Familien austoben konnten, darf pro Zeiteinheit nur noch eine kommen. Dasselbe gilt für den Spiegelsaal. „Es muss jemand aufschließen, die Geräte desinfizieren und lüften“, berichtet Dunsch. Sie schreibt E-Mails an die Mitglieder und Trainer:innen, um sie bei Laune zu halten. Zudem kümmert sie sich um eine faire Verteilung bei den Onlineanmeldungen der Kinder für das Turnen auf der Wiese, da einige Eltern ihre Kinder sicherheitshalber in allen Zeit-Slots eingetragen haben. „Unser Auftrag ist es, die Leute in Bewegung zu halten“, so Dunsch. Auch die 70 Übungsleiter:innen seien weiter alle motiviert, weil sie wüssten, wie wichtig Bewegung für die Kinder sei. Im Mai will der TV Eschersheim auch wieder Psychomotorikkurse anbieten. Für Kinder, die besonderen Förderbedarf benötigten und nicht in normalen Gruppen zurechtkämen, sei es besonders schlimm, dass derzeit kein Angebot gemacht werde.

Und dann gibt es noch den Faktor Wetter, wenn Sport nur draußen möglich ist, wie auf dem großen Gelände der FTG Frankfurt in Rödelheim. „Es gibt einige Kinder, die auch bei schlechtem Wetter am Start sind“, sagt Rica Wäscher, die den Kindersport koordiniert. Zwei Stunden werden täglich angeboten, einmal für die ganz Kleinen bis sechs Jahre und einmal für die etwas Älteren zwischen 6 und 14. Vier Trainer:innen sind da und haben Bälle, Reifen und Seile in ihrer Sportkiste. „Es ist schwierig den Kindern klarzumachen, dass sie hauptsächlich individuell Sport treiben sollen und keine Gruppenspiele machen können“, sagt Wäscher.

„Wann machen wir ein Spiel?“, ist eine Frage, die auch Sunny Hussain immer wieder von seinen Jungs gestellt bekommt und diese jedes Mal enttäuschen muss. Er ist Trainer der E1 (Jahrgänge 2010 und 2011) und Jugendleiter beim Fußballverein FV Hausen. Mehr als Pass- und Schießübungen sowie Parcours zum Durchdribbeln kann er nicht anbieten. „Es geht um Bewegungsschule und Spaß“, sagt Hussain. Auch aus pädagogischer Sicht sei es wichtig, dass die Kinder wieder mit Gleichaltrigen in Kontakt kämen, auch wenn sie Abstand halten müssten, da sie ja auch nicht mehr in die Schule gehen könnten. „Es gibt extreme Leistungsschwankungen zwischen den Kindern“, berichtet Hussain. Bei allen habe die körperliche Ausdauer rapide nachgelassen. „Die Jungs pumpen schon nach zwei Runden. Vorher konnten sie locker zehn laufen“, sagt der Jugendleiter.

Seine Trainer koordinieren in Whatsapp-Gruppen, wie viele Kinder kommen können. Dann hängt es davon ab, ob nur einer da ist oder zwei, um fünf oder zehn anleiten zu können. Die Erstattung der Kosten eines Corona-Tests, der über die einmalige wöchentliche Testung hinausgeht, kann beim Frankfurter Sportamt beantragt werden. „Trainer, die auf der Arbeit getestet werden, bringen ihren mit“, berichtet Hussain. Er findet es besonders schade, dass Jugendliche mit dem 14. Lebensjahr ausgeschlossen werden. Er hatte schon überlegt, ob es nicht möglich sei, mehrere Zweiergruppen über den gesamten Sportplatz zu verteilen. Das untersagt die Notbremse des Bundes aber. Die Älteren suchen sich andere Möglichkeiten, sagt Hussain, der Pädagoge in einer Kindertagesstätte ist. Nach seinem Feierabend sieht er Jugendliche auf dem rappelvollen Bolzplatz im Käfig kicken – ohne Masken, ohne Abstand. „Da muss ein anderer Weg gegangen werden“, findet Hussain. Bislang ist der jedoch nicht in Sicht.

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