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Ein Blick in die historische Wahlkapelle des Doms heute.

Sanierung Dom

Frankfurter Dom: Kapelle wird umgebaut

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Die Stadt und das Bistum Limburg lassen die historische Wahlkapelle im Dom umbauen. 

Es ist ein geschichtsträchtiger Ort, der ein wenig im Verborgegen liegt. Die Rede ist von der kleinen Kapelle im Frankfurter Dom. Seit 1438 wählten hier die deutschen Kurfürsten einen König, der auch ohne Zustimmung durch den Papst als Kaiser galt. Jetzt beginnt ein aufwändiger Umbau dieser historischen Wahlkapelle. 250 000 Euro lassen sich Stadt und Bistum Limburg die Arbeiten kosten, die beiden teilen sich die Summe. 100 Tage sind für die Arbeiten veranschlagt.

Bürgermeister und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) nennt als Ziel vor allem, „die kostbare Reliquie des Apostels Bartholomäus an einem besonderen Ort zu platzieren“ und zugleich „einer breiteren Öffentlichkeit einen besseren Zugang zur Reliquie zu ermöglichen“. Die Schädeldecke des Apostels Bartholomäus gehöre in Deutschland zu den wertvollsten Reliquien, urteilt der Kirchendezernent.

Nach christlicher Überlieferung war Bartholomäus als einer der zwölf Apostel Christi bei der Missionierung in Indien und Armenien tätig. Er soll von heidnischen Barbaren bei lebendigem Leibe gehäutet worden sein, danach habe man ihm den Kopf abgeschlagen.

Fliesen bleiben erhalten

Die Stadt will die Reliquie künftig besser präsentieren. Dazu wird in einem ersten Schritt der Altar der Wahlkapelle an eine neue Position versetzt. Dabei bleiben die uralten Fliesen erhalten. Neben dem Altar wird eine Sockelstele aufgerichtet, die das Altarbild trägt. Im oberen Teil der Stele gibt es eine Aussparung, in die eine gläserne Vitrine mit der Schädeldecke des Apostels platziert wird.

An der Tür zwischen der Kapelle und dem Altarraum des Domes entsteht ein neues Hochparterre. Diese Plattform wird Standort der Orgel und erhält ein umlaufendes Geländer aus brüniertem Stahl. Die Arbeiter erneuern außerdem alle Beleuchungskörper und das komplette Gestühl in der Kapelle. Die hölzernen Bänke werden so beschaffen sein, dass Besucher knien wie auch sitzen können.

Diese Arbeiten sind ein neues Beispiel für die besondere Sorgfalt, die die Stadt Frankfurt ihren sogenannten Dotationskirchen angedeihen lässt. 1830 hatte sich die Kommune in einem Vertrag mit den Glaubensgemeinschaften bereiterklärt, für den Dom und sieben weitere Kirchenstandorte Sorge zu tragen: die Alte Nikolaikirche am Römerberg, das Dominikanerkloster, die LIebfrauenkirche, die St. Peterskirche, die St. Leonhardskirche, die St. Katharinenkirche und die Dreikönigskirche in Sachsenhausen.

Kirchendezernent Becker betont, dass der Dom mit der Wahlkapelle zur Kulturgeschichte der Stadt gehöre. Von 1562 bis 1792 gab es zehn Kaiserkrönungen im Dom. Alle Herrscher waren zuvor in der Kapelle zunächst zum König gewählt worden.

Nach der Krönung zogen die Kaiser durch die Altstadt mit ihrem Gefolge hinüber zum Römer. Dort wartete im Kaisersaal das Krönungsmahl.

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