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Ralf Keine, der Vorsitzende des Feuerwehrgeschichts- und Museumsvereins, kennt die Hintergründe aller Ausstellungsstücke.

Feuerwehr in Frankfurt

Am Wochenende haben Feuerwehren in Frankfurt ihren großen Auftritt

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Der Feuerwehrgeschichts- und Museumsverein Frankfurt spielt beim Jubiläum eine tragende Rolle.

Aus dem Dombrand 15. August 1867“, steht auf einer Bronzemünze im Museum des „Feuerwehrgeschichts- und Museumsvereins“ in der Alten Feuerwache Bockenheim. Ralf Keine kennt auch zu diesem Ausstellungsstück den genauen Hintergrund: „Nach dem letzten großen Stadtbrand, als Altstadt und Dom in Flammen standen, gingen die Leute hin und sammelten die Bronze der geschmolzenen Turmglocken ein“, sagt der Vereinsvorsitzende. „Sie gossen daraus Münzen und verkauften sie. Lange kannten wir diese Geschichte und die Medaillen nur aus Büchern – vor ein paar Jahren haben wir dann eine erwerben können.“ Nach dem Stadtbrand sei der Entschluss gefasst worden: Frankfurt braucht eine Berufsfeuerwehr.

Gut 150 Jahre später schlägt die Stunde des Feuerwehr- und Geschichtsvereins, der an den Feierlichkeiten zum Jubiläum des Kreisfeuerwehrverbands Frankfurt im großen Stile beteiligt ist. Am  Freitag, 31. Mai, sendet der Hessische Rundfunk für „Maintower“ (18 Uhr) live aus dem Museum, am Samstag nimmt Keine an einer Gesprächsrunde auf dem Römer teil, und am Sonntag wird er als Moderator aktiv und kommentiert die historischen Löschfahrzeuge, die im Reuterweg präsentiert werden.

In den Anfängen sei das alles noch recht spartanisch gewesen, erläutert Keine. „Es klingt natürlich hochprofessionell: Berufsfeuerwehr.“ Er zeigt auf ein hölzernes Gefährt im Fuhrpark, noch ganz ohne die typisch rot-weiße Farbgebung. „Aber auch sie ist anfangs nur mit Spritzen ausgerückt, die man selbst ziehen und bei denen man das Wasser von Hand pumpen musste.“

Mit einem spezifisch Frankfurter Feuerwehrmuseum habe die Stadt Nachholbedarf gehabt, findet Keine. Deshalb habe sich vor zehn Jahren der Förderverein für das noch junge Museum gegründet, der heute genau 112 Mitglieder habe. Nur eine Minderheit davon sei wie er bei der Feuerwehr tätig. Anfang Juli wollen die Wehrleute das zehnjährige Bestehen in der Hauptfeuerwache in Eckenheim feiern.

Neuerungen aus Frankfurt

In diesen zehn Jahren wurde eine beachtliche Sammlung zusammengetragen, vieles stammt aus Schenkungen und Nachlässen: Auf drei Etagen plus Garage sind nahe dem Kurfürstenplatz historische Fahrzeuge, allerhand Geräte wie Messwerkzeuge für Chemieunfälle, hitzeabweisende Schutzkleidung und eine Stock-spritze aus dem 15. Jahrhundert ausgestellt. Eine Wand hängt voller Hydrantenschilder, einen Treppenaufstieg säumen Feuerlöscher aus all der Zeit. Und alles gibt es noch mal als Miniaturmodell.

„Besonders zeichnet sich unser Museum aber durch den regionalen Bezug, die Sammlung zur Wasserrettung und das Foto- und Dokumentenarchiv aus“, sagt der Vorsitzende. Hier recherchierten auch Externe, häufig würden Teile der Sammlung zu Ausstellungszwecken verliehen.

Denn die Frankfurter Feuerwehrtechnik habe zahlreiche Neuerungen in die Welt gebracht. „Der Frankfurter Maschinenbauingenieur Johannes Schänker hat gleich mehrere bahnbrechende Erfindungen gemacht“, erzählt Keine. „Dass die Frankfurter 1914 die erste vollmotorisierte Feuerwehr war, ist ihm zuzuschreiben.“

Außerdem habe Schänker die Feuerlöschkreiselpumpe erfunden, die heute in jedem Löschfahrzeug eingebaut sei, und zwar weltweit.

Im Laufe der Jahrhunderte haben sich die Aufgaben der Feuerwehr mehrfach gewandelt. „Vor wenigen Jahrzehnten zum Beispiel gab es noch häufig Kaminbrände, heute kommen wir, weil im Keller der Fahrradakku brennt.“

Aber Feuerwehr heiße nicht nur Löschen. „Sondern quasi alles, wo Hilfe benötigt wird: Unfallrettung, Chemieunfälle, früher auch Bienenvölker umsiedeln oder nach dem Zweiten Weltkrieg die amerikanische Flagge hissen“, sagt Keine. Nur die Katze auf dem Baum sei ein Klischee.

Trotz des Jubiläums hat der Verein derzeit nicht nur Grund zum Feiern. Zu Beginn befand sich das Museum im Enkheimer Florianweg. Nach Bockenheim zog es, als das Gebäude 2012 abgerissen werden musste. „Aber wenn der Neubau der Feuerwache im Gallus fertig ist, wird der Platz hier benötigt. Es kann sein, dass wir in einem Jahr raus sein müssen“, sorgt sich der Vorsitzende um die Zukunft des Museums; eine neue Bleibe wird noch gesucht.

Anfragen von Einzelpersonen oder Gruppen, die das Museum in der Schwälmer Straße 26 besuchen möchten, nimmt Ralf Keine unter der Rufnummer 212 76 11 12 oder per Mail unter museum@fgmv.org entgegen.

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