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Bringen ihre Forderungen wie immer auf den Punkt: die Aktivistinnen und Aktivisten der Fridays-for-Future-Bewegung.

„Fridays for Future“ in Frankfurt

Mit den Großeltern zur Demo

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Rund 200 Menschen protestieren in der dritten Sommerferienwoche mit der „Fridays for Future“-Bewegung.

Vor der Frankfurter Paulskirche stehen einige „Parents for Future“ und schauen sich suchend um. „Gibt’s hier auch einen Live-Stream zu Greta?“, fragen die Eltern die jüngeren „Fridays for Future“-(FFF)-Aktivisten mit Verweis auf den zeitgleichen Besuch der schwedischen Klimastreik-Initiatorin Greta Thunberg in Berlin. „Klar, auf Instagram“, sagt ein Jugendlicher und sorgt für einen kurzen Moment der Verständnislosigkeit.

Ansonsten funktioniert das generationenübergreifende Miteinander beim Freitagsprotest aber erstaunlich gut dafür, dass es das klimapolitische Versagen der Eltern- und Großelterngeneration ist, das die Kinder und Jugendlichen seit Monaten auf die Straße treibt. Ein Mann von „Foodsharing Frankfurt“ verschenkt vom Lastenfahrrad aus Brötchen und Obst eines Biomarktes, die sonst auf dem Müll gelandet wären. „Danke FFF, ihr seid großartig“, steht auf seinem Schild. Andere Erwachsene laufen Seite an Seite mit ihren Kindern und Enkelkindern im Protestzug, der dieses Mal zum Günthersburgpark führt, um dort mit einer Müllsammelaktion für den Erhalt der „Grünen Lunge“ zu demonstrieren.

„Es ist eine Peinlichkeit, dass unsere Enkel uns sagen müssen, was wir falsch gemacht haben. Dass wir selbst es über Jahrzehnte nicht geschafft haben, etwas zu verändern“, sagt Michael Waldeck. Der 68-Jährige und seine Frau begleiten ihre achtjährige Enkeltochter und deren elfjährigen Bruder zur Fridays-for-Future-Demo. „Wir würden sie auch in der Schulzeit dazu ermutigen, aber noch dürfen sie nicht streiken, weil sie zu jung sind.“

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat  Mitstreiter in Berlin ermutigt, weiter für den Klimaschutz zu protestieren. „Wir werden nie aufhören“, sagte die 16-Jährige  auf einer Fridays-for-Future-Kundgebung, zu der laut Organisation zwischen 3000 und 4000 Menschen kamen.

Thunberg war zum zweiten Mal zu einem Klimaprotest in Berlin. 

Trotz laufender Sommerferien sind dieses Mal rund 200 Menschen nach übereinstimmenden Schätzungen von Polizei und Organisatoren dabei. Etwas enttäuschend finden Jane und Shirley diese Zahl. Aber immerhin - in Darmstadt, von wo die beiden angehenden Zwölftklässlerinnen zur Demo gekommen sind, sei gerade Sommerpause, sagt Jane. „Aber der Weltuntergang macht keine Sommerpause. Es ist wichtig, dass wir weiter laut sind, sonst hört man uns ja nicht.“

Laut sind die Klimaaktivistinnen und -aktivisten auf jeden Fall. „Worin wir unsere Zukunft sehen? Erneuerbare Energien!“ Und „Leute, lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo ein!“, rufen sie, als sie an der Konstablerwache vorbeiziehen. „Ihr müsst auf Deutsch singen“, entgegnet ein alter Mann, dem das offenbar noch nicht verständlich genug war, der aber ohnehin keine Anstalten macht, sich der Demo anzuschließen.

Die in seinen Augen recht geringe Teilnehmerzahl schiebt Stadtschulsprecher Paul Harder einerseits auf die Ferien, aber auch darauf, „dass es ein bisschen an den Nerven zehrt, jeden Freitag auf die Straße zu gehen und sehen zu müssen, dass sich trotzdem nichts bewegt“. Es werde trotzdem weitergehen - „und anders als Herr Lorz es möchte, wird auch nach den Ferien wieder gestreikt“, verweist Harder auf die Aussagen des hessischen Kultursministers, der vorige Woche in einem Interview ein Ende der Schulstreiks gefordert und Bußgelder angedroht hatte, mittlerweile aber weitere Gespräche in Aussicht stellt.

Und auch Student Nico Müller vom Frankfurter FFF-Orgateam betont: „Daran, dass wir weitermachen, wird auch keine Aussage ein Politikers etwas ändern. Es sei denn, es würde im Sinne des Klimas gehandelt.“

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