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Frankfurts "Ground Zero" ist wenig ansehnlich, doch die Menschen kommen trotzdem.

Goetheturm in Frankfurt

Das große Warten auf den neuen Goetheturm

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Die Frankfurter fiebern der Wiederherstellung des Goetheturms entgegen. Vereine wollen der Stadt Spenden übergeben. Doch die reichen nicht.

Die Armada von Kinderwagen am Eingang ist ein untrügliches Zeichen: Es ist Sonntagnachmittag und es herrscht Hochbetrieb im Waldspielpark Goetheturm. Die Schlange an der Röhrenrutsche wird länger und länger, ein Fußball fliegt durch die Luft. Drei kleine Jungs in Gummistiefeln toben um den mit Bauzäunen abgegrenzten Betonsockel herum – die kläglichen Reste des Goetheturms.

Die meisten Eltern, die mit ihren Kindern hergekommen sind, sind früher selbst oft zum Goetheturm spaziert, erzählen sie. Dass er schnellstmöglich wieder aufgebaut werden muss, steht für sie außer Frage. Er warte eigentlich nur darauf, seinem Sohn sagen zu können, dass es losgehe mit dem Wiederaufbau, erzählt ein junger Vater.

Auch die ansässigen Vereine, die rund um den Goetheturm ihre Feste feiern, warten. „Seit 27 Jahren spielen wir hier an Neujahr, dieses Jahr war es das erste Mal ohne den Turm“, bedauert David Hänsel, Bläserobmann beim Sachsenhäuser Jagdklub. Die Hornisten begrüßen an jedem ersten Januar am Fuß des Turms das neue Jahr. Trotz des Brandes sei im vergangenen Jahr schnell klar gewesen, dass die Tradition aufrecht erhalten wird.

Neben dem Jagdklub musste sich auch der Sachsenhäuser Vereinsring im vergangenen Jahr umstellen – statt des Goetheturmfestes wurde im Mai kurzerhand das „Goethe(ohne)Turmfest“ gefeiert. „Wir hatten ein kleines Modell des Turms bei unserem Fest und haben uns gegenseitig versichert, dass er ja wieder aufgebaut wird“, erzählt Markus Mannberger, Vorsitzender des Vereinsrings.

Demnächst wollen die Vereine der Stadt Spenden für die Finanzierung des neuen Turms übergeben. Die sind im vergangenen Jahr unter anderem durch den Verkauf spezieller Krüge gesammelt worden, an dem sich auch die Organisatoren des Sachsenhäuser Weihnachtsmarktes und die Binding-Brauerei beteiligt hatten. „Uns geht es darum, dass das Thema nicht vergessen und der Turm auf jeden Fall wieder aufgebaut wird“, sagt Markus Mannberger.

Die Vereine – und auch die meisten Eltern, die an diesem Nachmittag zum Waldspielplatz gekommen sind – fordern, dass der Turm möglichst so wie früher aussehen und weiterhin kostenlos zu besuchen sein soll. Was die Finanzierung des Neubaus angehe, seien die Spenden allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein, so Mannberger. „Ich sehe da auch die Stadt in der Pflicht.“

Und bis es so weit ist und ein neuer Goetheturm eröffnet wird, muss eben improvisiert werden. Der Sachsenhäuser Weihnachtsmarkt soll in diesem Jahr besonders beleuchtet werden, erzählt Jens Breidenstein, einer der Organisatoren. „Wir wollen viel mit Licht machen, damit es nicht so traurig aussieht.“ Auch die Hornisten vom Jagdklub haben sich für Neujahr etwas überlegt. Zusätzlich zu ihrem Auftritt wollen sie „lustige Jagdgeschichten“ vortragen, um die Stimmung zu heben. „Und 2020 stehen wir dann hoffentlich wieder neben dem Turm“, so Bläserobmann Hänsel.

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