Die Bäume leiden.
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Die Bäume leiden.

Waldschäden

Große Sorgen um den Stadtwald in Frankfurt

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Fast alle Bäume sind krank, Forstleute ächzen unter den Dürreschäden. Frankfurts Umweltdezernentin Heilig hat klare Vorstellungen, was Bürger für den Wald tun können.

Kracksend watet die kleine Expedition am Montagvormittag durchs trockene Unterholz. Auf einer Lichtung nahe der Isenburger Schneise bleibt Tina Baumann stehen, die Forstchefin im Grünflächenamt. „Förster laufen immer mit dem Kopf nach oben durch den Wald“, sagt sie. Sofort schauen alle nach oben. „Da sieht man: Diese Buche ist abgestorben.“ Kein Blatt dran. „Und daneben, die Eiche, die nächste Buche, die haben noch grünes Blattwerk – da müssen wir sehen, ob sie’s packen.“

Es sieht nicht gut aus für den Stadtwald. Dabei sieht er gut aus. Oberflächlich. Das frische Grün täuscht. „Wir machen uns riesige Gedanken“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) beim Ortstermin. Die Sommer 2018 und 2019 haben den Forst schwer angeschlagen. 97 Prozent der Bäume sind krank, fast zwei Drittel mittel bis stark geschädigt. „Die Bestände im Taunus sterben ab“, sagt die Stadträtin. Dort, wo 1000 der insgesamt 6000 Hektar Frankfurter Stadtwald stehen, hat der Borkenkäfer die Fichten niedergemacht. Es fiel ihm leicht, weil die Bäume durch die Trockenheit am Ende ihrer Abwehrkräfte sind. „Sie sind so sehr geschwächt, dass Pilze und andere Schädlinge eindringen können.“

Tina Baumann zeigt skelettartig abgestorbene Eichen, Buchen mit abgeplatzter Rinde – Sonnenbrand, auch beim Baum. Fehlt die Borke, fehlen Schutz und Nährstoffleitung. „Wir haben die höchste Schadsumme, seit es dazu Erhebungen gibt“, sagt sie. 37 780 Kubikmeter gefälltes Waldholz im Jahr 2019: „Das 15-Fache der normalen Durchschnittsmenge.“

Tote Bäume an öffentlichen Straßen müssten die Förster weghauen, „sonst sind sie eine Lebensgefahr“. Eine Baumlänge entfernt zur Straße kontrollierten sie ganz genau. Tiefer im Wald müsse eigentlich jeder selbst aufpassen. Trotzdem achteten die Mitarbeiter darauf, wo Gefahr drohe. Sei Käferbefall erkannt („es sind wirklich Massen“), müssten die betroffenen Bäume raus aus dem Wald, um die gesunden zu schützen. „Je schneller sie draußen sind, desto mehr können wir retten. Aber wir kommen nicht mehr hinterher – es ist unheimlich viel Personalaufwand.“ Dazu noch die Kosten für die Beseitigung der Schäden (eine Million Euro) und der Preisverfall fürs Holz von 45 pro Kubikmeter im Jahr 2017 auf jetzt 19 Euro.

Nachpflanzen ist Trumpf. Junge Kulturen wüchsen gut an, sagt Baumann, 2020 bringe bisher genug Regen. Die Stadt setze weiter auf heimische Baumarten, probiere aber auch neue aus: Traubeneiche, Winterlinde, Elsbeere, Weißtanne aus heimischen Gefilden, Schwarzkiefer, Baumhasel, Küstentanne und Atlas-Zeder, die sich anderswo bewährt haben. Zudem gelte es, die aggressiv-invasive Spätblühende Traubenkirsche im Zaum zu halten: „Sie wächst alle heimischen Baumarten tot.“

Was können die Bürger für den Wald tun? „CO2 einsparen!“, sagt Rosemarie Heilig wie aus dem Gartenschlauch geschossen. Alles vermeiden, für dessen Herstellung oder Betrieb CO2 freigesetzt wird. Verpackungen etwa. Autofahrten. „In unseren Köpfen muss es einen Paradigmenwechsel geben, sonst wird unser Wald nicht überleben.“ Eines sei sicher: „Die Klimakrise macht wegen Corona keine Pause. Dagegen gibt es keinen Impfstoff.“

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