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Große Kunst für Malocher

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Von: Stefan Behr

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Macht stahlharte Macher glücklich: Mike Krüger
Macht stahlharte Macher glücklich: Mike Krüger © Boeckheler

Mike Krüger rockt am Sonntag die Frankfurter Mercedes-Niederlassung. Der Künstler macht hunderte Handwerker glücklich - und bringt sie fast zum Weinen.

Mike Krüger rockt am Sonntag die Frankfurter Mercedes-Niederlassung. Der Künstler macht hunderte Handwerker glücklich - und bringt sie fast zum Weinen.

Wie kriegt man einen Handwerker dazu, pünktlich zu sein? Man lädt ihn auf ein Mike-Krüger-Konzert ein. Könnte fast ein Mike-Krüger-Witz sein.

Es ist 19 Uhr, und hunderte Handwerker haben sich in der Mercedes-Benz-Niederlassung eingefunden, um Deutschlands viertberühmtestem Mike zu huldigen (zumindest bei Google kommt Krüger knapp hinter den Mikes Tyson, Oldfield und Candys). Der Maestro dreht den Spieß um und lässt die Handwerker ein paar Minuten warten.

Wie aber kommt der Krüger in die Lassung? So: Mercedes-Benz, Abteilung Transporter, wollte den Malochern des Landes mal was Gutes tun. Nämlich ein Denkmal setzen. Und so erging an alle Betriebe des Landes, die weniger als 100 Menschen beschäftigen, die Aufforderung: Bewerbt euch mit Bild und Slogan. Über die Gewinner macht Mike Krüger ein Lied. Und spielt das auf seiner Tour. Mehr als 700 Betriebe machten mit. Gewonnen haben acht.

Tränen in den Gipser-Augen

„Macher“. So hat Mike Krüger die Platte benannt, die man im Internet runterladen kann. „Macher“ heißt auch die Tour. „Denn Schwierigkeiten kosten uns nen Lacher. Wir reden nicht, wir tun – wir sind die Macher“, singt der Mike. Und die Macher im Publikum jauchzen, johlen, recken Hände in die Luft. Busseweise haben sie sich herkarren lassen.

Etwa die Macher vom Abrissunternehmen Wilhelm Bonda aus dem thüringischen Worbis. „Wenn ich will, krieg’ ich alles klein, denn die Jungs von Wilhelm Bonda sind ein Qualitätsverein“, singt der Mike. Und die harten Jungs von Wilhelm Bonda haben Tränen in den Augen. Oder die stahlharte Truppe von der Gipserei Morlock aus Bruchsal: „Mit Geschick und mit Grips bauen wir Wände aus Gips. Eine Trockenbauwelt – das ist unser Ziel“, singt der Mike. Und die Morlocks werden weich wie Butter.

Gegen Mike Krüger kann man sagen, was man will. Er hat es geschafft, sich ohne bleibende Schäden durch vier Filme mit Thomas Gottschalk und die Zotenparade „Sieben Tage – sieben Köpfe“ zu kalauern. Er hat für den größten Quatsch Werbung gemacht, ohne seine Würde zu verlieren. Und an diesem Abend macht er hunderte Handwerker glücklich. Sie kreischen vor Vergnügen, wenn Mike ihnen vorlügt, er sei über den Frankfurter Friedhof gelaufen und habe ein Grab mit drei Grabsteinen gesehen, auf dem stand: „Hier liegt der Hütchenspieler Sebastian Schmitt... oder hier... oder hier.“ Sie singen mit, wenn Mike seinen Uralt-Hit mit dem Nippel und der Lasche anstimmt.

Doch das ist nichts gegen die Momente, in denen der Gipser Alexander Morlock auf offener Bühne gesteht: „Ich bin hin und weg.“ Und der Malermeister René Küls nah am „Wahnsinn“ und noch näher am Wasser baut. „Ob gelackt oder gestrichen oder kunstvoll tapeziert, Malermeister René Küls weiß genau, was passiert. Der Auftrag ist ganz einfach – genau wie ich es sag’. Am Ende zählt nur: der brillante Farbauftrag“, singt Mike, und eine gefühlte Hundertschaft Küls-Maler brüllt mit, was das Zeug hält. Und nehmen etwas mit nach Hause, was ihnen keiner mehr nehmen kann. Das alles mag Werbung sein und auch etwas peinlich. Aber es macht die Menschen glücklich. Und wenn das die Aufgabe der Kunst ist, dann erweist sich Mike Krüger an diesem Abend als großer Künstler. Mein Gott Walther!

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