Tanz-Turnier im Standard des Tanzsportclubs Telos im Haus Nidda.
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Tanz-Turnier im Standard des Tanzsportclubs Telos im Haus Nidda.

Bonames

Das große Glitzern in Bonames

Aus ganz Deutschland waren Paare angereist, um beim Tanzsportturnier des TSC Telos in Bonames teilzunehmen. Röcke und Fräcke wirbelten um die Wette.

Es gab mal eine Zeit, da gehörte das Lernen von Standardtänzen zum Erwachsenwerden wie Führerschein oder Schulabschluss. Heute ist es nicht mehr ganz so elementar, beim Abiball einen flotten Foxtrott aufs Parkett legen zu können. Für die Amateurtänzer, die am Sonntag im Haus Nidda in Bonames beim Turnier des TSC Telos über die Tanzfläche wirbeln, sieht die Sache anders aus. Die sind allerdings auch Senioren. Nach Turnierstandards gelten Tänzer nämlich bereits als solche, sobald ein über 30-jähriger mit einem über 35-jährigen tanzt, weiß Turnierleiter Alexander Bauknecht. Alle Klassen, in denen an diesem Sonntag getanzt wird, fallen in den Senioren-Bereich.

„Etwas weniger als 60 Paare treten heute hier an“, sagt Bauknecht, der auch zweiter Vorsitzender des Tanzclubs ist. „Eigentlich haben sich mehr angemeldet, aber wir hatten einige Absagen. Wegen des Sturms.“ Trotz Orkan „Sabine“ haben viele der Paare eine weite Anreise in Kauf genommen. Nicht nur aus ganz Hessen sind sie angereist, auch aus Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und auch aus dem Saarland, sagt Bauknecht.

Iris Berger etwa hat sich aus Bayern auf den Weg nach Frankfurt gemacht. Sie tritt mit ihrem Partner Stefan Bergmann für den TSG Bayreuth an. Seit acht Jahren schwingen die beiden zusammen die Beine. „Beim Tanzen, da kommen wir zusammen“, sagt Berger. Beim TSC Telos ist sie nicht zum ersten Mal zu Gast. Es gäbe immer eine sehr schöne Atmosphäre, erzählt sie. Außerdem könne sie so Freunde aus Frankfurt besuchen, die sie auch zum Turnier begleiten, „dabei haben die mit Tanzen sonst nichts am Hut“.

Iris Bergers Freunde scheinen damit allein auf weiter Front im großen Saal des Haus Nidda zu sein. Nicht nur auf der Tanzfläche, auch im Publikum, das rundherum an Tischen sitzt, glitzert es gewaltig. Damen in langen bunten Kleidern reihen sich an Männer in eleganten Fräcken, schauen der Konkurrenz zu und warten auf ihren Einsatz. Nur wenige der Zuschauer sind der Aufmachung nach nicht Teil der antretenden Paare. Dorothea Hausleithner ist eine von ihnen. Die Anwesenden seien „Fachpublikum“, stimmt sie zu. „Die, die ich kenne, tanzen auch selbst.“ Auch sie hat bis vor wenigen Jahren getanzt. Dass sie jetzt nicht mehr selbst auf dem Parkett steht, tut ihrer Leidenschaft keinen Abbruch. Es sei einfach ein schöner Sport, und es gehe auch um die Gemeinschaft. „Auf eine Art und Weise ist man wie eine Familie“, sagt sie.

Dass das Publikum unter sich bleibt, weiß natürlich auch Turnierleiter Alexander Bauknecht. „Das ist ein Problem des Sports allgemein“, sagt er. Solche Veranstaltungen zögen eben nur Kenner an. Kaum ein Zuschauer komme um des Zuschauens Willen. Neuzugänge im Verein hätten sie aber doch immer wieder. Allerdings nicht mehr so wie noch vor wenigen Jahren, als eine RTL-Tanzshow ins deutsche Fernsehen kam. „Der Hype, den ‚Let’s Dance‘ ausgelöst hat, ist vorbei“, sagt er.

Wenn beim Wiener Walzer, der Kür unter den Standardtänzen, die schillernden Röcke über das Parkett fliegen, lässt sich die Anziehungskraft, die dieser Sport auf die Anwesenden hat, trotzdem deutlich spüren. Das Turnier sei „nur für die Paare, damit sie ihre Aufstiegspunkte und Platzierungen kennen“, sagt Alexander Bauknecht. Für eine Meisterschaft könne man sich hier nicht qualifizieren. Ralf Junghanns, der mit seiner Partnerin Sandra Ruprecht gerade eine Klasse aufgestiegen ist, sieht den Tag vor allem auch als Training. Aber: „Es ist nicht nur Spaß, es geht um den Wettkampf.“

Auch Iris Berger, die extra aus Bamberg angereist ist, verliert den Wettbewerbsgedanken nicht aus den Augen. „Unser kleines Ziel – mit Augenzwinkern – ist, Weltmeister in der Klasse Senioren 5 zu werden.“ Dafür hat die 47-Jährige aber noch ein wenig Zeit, denn diese neu eingeführte Klasse ist mit einem Mindestalter von 70 nun wirklich etwas für Senioren.

Von Maxie Römhild

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