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Die Freude ist groß, wenn Dominque Depner Lunchtüten vorbeibringt.

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Große Freude durch kleine Gesten in Frankfurt

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Mitarbeiter von Kinder- und Jugendhäusern verteilen Tüten mit Essen.

Dominique Depner, Leiterin des Kinderhauses Bügel, steht vor einem Wohnblock im Ben-Gurion-Ring. In den Händen hält sie drei weiße Papiertüten. Sie klingelt, kündigt sich über die Lautsprecheranlage an, ein Summen ertönt und sie öffnet die Tür. Im zweiten Stock des Gebäudes wird sie bereits sehnsüchtig erwartet: Ein kleiner Junge steht, gemeinsam mit seiner Mutter, freudestrahlend an der Tür, mit etwas Abstand stellt Depner die Tüten ab. Darin sind ein belegtes Brötchen, eine Brezel, Apfelsaftschorle, Capri-Sonne sowie Obst und Süßigkeiten.

Seit Mitte April verteilen die Kinder- und Jugendhäuser des Evangelischen Vereins für Jugendsozialarbeit täglich von Montag bis Freitag sogenannte Lunchtüten (lunch (engl.): Mittagessen) am Frankfurter Berg, am Bügel, im Gutleut- und im Bahnhofsviertel. In diesen Stadtteilen hat der Evangelische Verein für Jugendsozialarbeit vor der Corona Pandemie in seinen Kinder- und Jugendeinrichtungen täglich ein warmes Mittagessen oder einen Imbiss angeboten. In Zeiten von Corona ist die „Lunch to go-Aktion“ eine Möglichkeit, den Kontakt zu den Kindern zu halten und sie mit einer gesunden Mahlzeit zu versorgen. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Programms „Pädagogischer Mittagstisch“ und Spendengeld des Sozialdezernats. Momentan sind es 130 Tüten am Tag, die Nachfrage wächst.

„Wir haben uns Sorgen um die Familien gemacht. Wir wussten nicht, wie wir gerade die jüngeren Kinder erreichen sollen“, sagt Christian Telschow, Leiter des Arbeitsbereichs offene Kinder- und Jugendarbeit. Der Kontakt über soziale Netzwerke könne den persönlichen Kontakt nicht ersetzen. Durch die „Lunch to go-Aktion“ sehen die Mitarbeiter, wie Dominque Depner, die Kinder nun täglich – wenn auch nur für ein paar Minuten. Die anfängliche Befürchtung, manche Familien würden die Unterstützung aus Scham ablehnen, habe sich nicht bestätigt, erzählt Depner. „Ganz im Gegenteil: Die Kinder freuen sich total, dass sie täglich Essen bekommen.“

Depner verteilt, ausgestattet mit Mundschutz und Handschuhen, rund 20 Tüten an Kinder im Ben-Gurion-Ring. Dabei kommt sie mit fast allen kurz ins Gespräch. Bei ihren täglichen Besuchen baut sie auch zu manchen Eltern ein intimes Verhältnis auf.

Dominique Depner hatte darüber hinaus noch eine ganz besondere Idee: Zwei Mal in der Woche steht sie vor verschiedenen Blöcken im Ben-Gurion-Ring und unterhält die Kids jeweils eine Stunde lang mit ihren „Balkonaktionen“. Die Kids kommen auf die Balkone, Depner moderiert die Aktion von unten. Mal spielen sie Knobelspiele oder ein Quiz, mal wird gesungen oder getanzt.

Das Format hat sich schnell rumgesprochen. Beim Verteilen der Lunchtüten fragen viele Kinder aufgeregt, ob heute wieder gespielt werde.

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