Demonstration

Große Demonstration gegen Rassismus in Frankfurt

  • Thomas Stillbauer
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Am Samstag lautet das Motto „Frankfurt ist bunt: All we need is Love – kein Platz für Hass und Gewalt“. Die Veranstalter erwarten mehrere Tausend Teilnehmer.

Der Anlass für die Demonstration steht immer noch allen ins Gesicht geschrieben: Es sind die rassistischen Hanauer Morde vom 19. Februar. „Das ist für uns alle sehr aufwühlend“, sagt der DJ Christian Rindermann, Mitglied der Musikerinitiative „Frankfurt ist bunt“. Am Tag danach rief ihn der Gastronom Sia Sanei an: „Es kann nicht sein, dass wir jetzt still sind“, sagte er.

Undenkbar, bis zum 1. September zu warten, bis zum Weltfriedenstag, dem Tag, an dem die bunten Initiatoren jährlich ihre Tanzdemo veranstalten. Nein, jetzt musste etwas passieren: ein Zeichen gegen den Hass.

So sehen das nicht nur die Musiker, so sieht es auch das Römerbergbündnis gegen Rassismus und Intoleranz, so sieht es auch der Frankfurter Jugendring, und so sieht es Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), der am Montag eigens in den großen Sitzungssaal des Magistrats bittet, um dem Anliegen einen würdigen Rahmen zu verleihen. „Das Ganze bezieht sich auf das, was wir an Schrecken erlebt haben in Hanau“, sagt er. „Wir werden nicht zur Tagesordnung übergehen, wir werden uns auch politisch nicht einschüchtern lassen.“

Es gelte, Rassismus zu bekämpfen und die Demokratie zu stärken, sagt der OB. „Das entspricht genau dem, was wir in Frankfurt wollen, denn Frankfurt ist bunt.“ 53 Prozent Menschen mit Migrationshintergrund zählt er auf, 180 verschiedene Nationen. „Wir haben großen Erfolg mit der Vielfalt, sie hat uns nicht geschwächt, sondern gestärkt – die Menschen halten zusammen, das wird jeder spüren, der diese Stadt angreift, egal, was ist.“ Deshalb sei er sehr dankbar für diese Demonstration.

Demo am Samstag

„Frankfurt ist bunt:All we need is Love – kein Platz für Hass und Gewalt“ lautet der Titel der Demonstration, zu der die Initiative „Frankfurt ist bunt“ gemeinsam mit vielen Partnern aufruft.

Am Samstag, 14. März,um 15 Uhr beginnt eine Kundgebung auf dem Goetheplatz mit kurzen Reden. Von dort aus ziehen die Teilnehmer zur Paulskirche, wo es weitere Redebeiträge und dann Musik gibt. 
https://roemerbergbuendnis.de/bunt/

„Es wird keine Tanzveranstaltung“, sagt DJ Rindermann, „das wäre dem Anlass nicht angemessen.“ Aber Musik als verbindendes Element werde laufen, und zentrale Kraft sei: die Liebe. „Unsere Message lautet: „Wir wollen uns alle an die Hand nehmen – Scheiß-Timing mit Corona – und nicht mit Hass antworten.“

Auch wenn Gesundheitspolitiker wegen des Virus von Großveranstaltungen abraten, soll die Demo laufen. Wer Grippesymptome hat, ist jedoch gebeten, daheim zu bleiben. Ansonsten haben „alle ein Recht dazuzugehören“, sagt der evangelische Stadtdekan Achim Knecht: „Vielfalt ist eine Bereicherung.“

Stefan Wirtz vom Förderverein Roma macht Boulevardmedien schwere Vorwürfe: Sie diffamierten Bevölkerungsgruppen auch nach den Morden von Hanau, bei denen drei Roma starben. „Hanau steckt uns in den Knochen“, sagt auch Said Barkan vom Zentralrat der Muslime Hessen. Er ruft dazu auf, Liebe dem Hass entgegenzusetzen, aber zugleich mit aller Entschiedenheit gegen Rassismus vorzugehen: „Jeder Mensch hat die gleiche Würde.“

Der Frankfurter DGB-Chef Philipp Jacks schließlich freut sich über die breite Zusammensetzung des Bündnisses: „Ich hoffe, alle können sich angesprochen fühlen.“ Dass die Organisatoren freilich allesamt Männer sind, bewegt ihn zu einem Bekenntnis: „Wir müssen unser Bild von Männlichkeit überdenken und völlig anders kultivieren“, sagt er. „Toxische Männlichkeit“ sei kein Randphänomen. „Respekt muss für alle gelten.“

Die Prognosen für die Teilnehmerzahl am Samstag: „Je nach Wetter 2000 bis 3000 plus X minus Corona“, sagt Rindermann. „Mindestens 5000“, sagt Jacks.

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