Neubaugebiete bieten neue Chancen – in Frankfurt auch für alternative Wohnprojekte.
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Neubaugebiete bieten neue Chancen – in Frankfurt auch für alternative Wohnprojekte.

Neubaugebiete

Große Chancen für Wohnprojekte in Frankfurt

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Gemeinschaftliche Initiativen können in Frankfurt nun auch Flächen in Neubaugebieten bebauen. Das könnte den alternativen Wohnformen mächtig Schub geben.

Die Anzahl der Menschen, die in Frankfurt in gemeinschaftlichen oder genossenschaftlichen Wohnprojekten leben, könnte in den kommenden Jahren stark steigen. Schon seit einigen Jahren fördert die Stadt solche Wohnformen, weil sie sich davon unter anderem dauerhaft bezahlbare Mieten und eine positive Wirkung auf die Quartiere, in denen diese entstehen, verspricht. So hat sie über ihren Liegenschaftsfonds sieben zuvor wenig oder nicht genutzte Immobilien oder Grundstücke nach einem Konzeptverfahren an Gruppen vergeben, die solidarisch wohnen wollen. Wohnraum für etwa 500 Menschen ist auf diese Weise entstanden oder im Entstehen.

Nun aber ist der Baulandbeschluss in Kraft – und Investoren müssen auf 15 Prozent der Flächen in neuen Baugebieten gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen ermöglichen. Etwa 1000 Wohnungen von Wohnprojekten könnten in den nächsten Jahren hinzukommen, überschlug Katharina Wagner, Referentin im Dezernat Planen und Wohnen am Samstag bei der Frankfurter Informationsbörse für gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen. Die Nachfrage nach Wohnprojekten sei groß genug, um die Flächen in den Neubaugebieten auch wirklich vergeben zu können, sagte Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Die Corona-Pandemie habe zwar „einiges durcheinandergewirbelt“. Der Wunsch nach lebendigen Nachbarschaften, nach gegenseitiger Unterstützung sei in der Krise aber eher noch gewachsen, beobachtet er.

Die Beratungsstelle

Das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen betreibt seit 2009 eine Koordinations- und Beratungsstelle an der Adickesallee. Dem Verein gehören mehr als 90 Gruppen an. 30 Initiativen haben ihr Wohnprojekt realisiert, 15 haben ihr Projekt im Bau, 47 suchen nach einer Fläche oder Immobilie.

Für Interessierte bietet die Beratungsstelle jeden dritten Mittwoch im Monat, 18.30 Uhr, eine Infoveranstaltung an. Wegen der Corona-Pandemie läuft diese derzeit online über einen Messenger. Das Thema am 21. Oktober lautet: Wie wohnt es sich im Wohnprojekt? Zudem lädt das Netzwerk zu Themenabenden und Seminaren ein. Für Donnerstag/Freitag, 5./6. November, plant es etwa, eine Präsenzveranstaltung zur Gründung von Genossenschaften.

Kontakt zum Netzwerk und weitere Informationen unter www.gemeinschaftliches-wohnen.de, per E-Mail an info@gemeinschaftliches-wohnen.de oder unter Telefon 069 / 915 010 60. cm

Das erste Frankfurter Neubaugebiet, in dem in größerem Umfang gemeinschaftliches und genossenschaftliches Wohnen realisiert wird, ist das Hilgenfeld nördlich des Frankfurter Bergs, das die städtische Wohnungsgesellschaft ABG entwickelt. Dort entstehen fünf gemeinschaftliche und genossenschaftliche Wohnprojekte. Die Gruppen haben jeweils bereits im Sommer 2019 den Zuschlag bekommen. Nun werden, wie Beate Steinbach vom Amt für Wohnungswesen sagte, zum Beispiel etwa 50 Wohnungen von gemeinschaftlichen Wohngruppen und Genossenschaften in einem Baugebiet bei Nieder-Erlenbach und etwa 120 Wohnungen solcher Projekte im Gebiet nordöstlich der Anne-Frank-Siedlung in Eschersheim entstehen können.

Damit es tatsächlich gelingt, die vorgesehenen Flächen für Wohnprojekte in den neuen Vierteln zu vergeben und zu bebauen, sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen. Bisher war es die Stadt oder wie am Hilgenfeld die städtische ABG, die Grundstücke zu einem Festpreis an die Initiative mit dem besten Konzept vergab. In einigen der neuen Baugebiete gehören ihr aber keine oder zu wenige Flächen. Dort gibt es, wie Katharina Wagner sagte, dann nur die Möglichkeit, dass die Stadt Grundstücke erwirbt, um sie den Gruppen zur Verfügung zu stellen, oder dass die Projektentwickler selbst diese in Konzeptverfahren vergeben. Das ist aber für diese in der Regel Neuland.

Schon jetzt klagen Wohnprojekte zudem über die sehr hohen Grundstückskosten, die sie aufbringen müssen. Das Netzwerk Frankfurt für gemeinschaftliches Wohnen, das ihre Interessen vertritt, kämpft dafür, dass der Erbbauzins, der in Frankfurt bei 2,5 Prozent liegt, deutlich reduziert wird – und fordert mit einer Unterschriftenaktion die CDU im Römer auf, dem zuzustimmen. Planungsdezernent Josef machte klar, dass er eine Senkung des Satzes auf 1,5 Prozent oder weniger für sinnvoll hält.

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