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Robert Hart ist Sänger der Manfred Mann’s Earth Band und erstmals bei „Rock meets Classic“.

Manfred Mann’s Earth Band

„Großartige Formel, um alte Hits zu beleben“

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Robert Hart, Sänger von Manfred Mann’s Earth Band, ist Special Guest der Show „Rock meets Classic“, die im März in Frankfurt gastiert.

Robert Hart, seit fast fünf Jahrzehnten ist es das Erfolgsrezept von Manfred Mann und seiner Earth Band, Stücke anderer Musiker und Komponisten neu zu interpretieren. Manche Songs sind in der Manfred-Mann-Version bekannter als in der Originalversion. Warum funktioniert sein Konzept des Coverns so gut?

Manfred nimmt die Songs anderer Musiker und arrangiert sie in einer komplett neuartigen Weise. Es ist wirklich clever, wie er das macht, und er nimmt sich dafür immer viel Zeit. Er zerlegt den Song und setzt ihn wieder neu zusammen, so dass etwas ganz Eigenes daraus entsteht. So kam es zum Beispiel, dass „Blinded by the Light“ zu einem so großen Hit wurde – anders als die Originalversion von Bruce Springsteen.

Das gilt auch für manchen Coversong, den Bob Dylan geschrieben hat, für „Mighty Quinn“ zum Beispiel. Oder für „Father of Day, Father of Night“.

Ja, Manfred Mann hat sie zu seinen eigenen Songs gemacht.

Viele Musiker haben mal in der Manfred Mann’s Earth Band gespielt. Sie sind jetzt seit fast neun Jahren ihr Sänger. Wie kam es dazu?

Manfred hat schon eine ganze Weile nach einem neuen Sänger gesucht. Peter Cox von Go West hatte damals gesungen, und er hatte mit seiner eigenen Band wohl noch etwas anderes vor. So hat Manfred mich über den damaligen Schlagzeuger Jimmy Copley kontaktiert, der leider 2017 von uns gegangen ist. Manfred hat mich angerufen und mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, zu einem Vorsingen zu kommen. Ich habe mich also bemüht, meine Stimme in Form zu bringen. Und dann kam ich zu seinem Haus in London – und er hat mir den Job sofort gegeben, einfach so. Und ich bin so dankbar, dass ich diesen Job gekriegt habe, ich liebe diesen Job.

Gibt es einen Manfred-Mann-Song, den Sie besonders gerne singen?

Oh, wissen Sie, das ändert sich täglich. Jede Nacht, jedes Konzert ist anders. Vor kurzem haben wir „Martha’s Madman“ live gespielt, ich habe sehr genossen, das zu singen. Und ich liebe „Blinded by the Light“, „I came for you“ und all diese Stücke. Sie haben alle einen besonderen Stellenwert für mich.

Und welchen Song mögen Sie heute am liebsten?

Oh, das ist interessant: Ich erfreue mich noch immer an „Martha’s Madman“. Ich weiß nicht warum, aber ich denke, da gibt es momentan eine Verbindung zwischen mir und dem Song.

Mein neunjähriger Sohn hat mich gebeten, Sie etwas zu fragen. Seit er eine CD von Manfred Mann’s Earth Band geschenkt bekommen hat und auf einem Konzert war, ist er nämlich ein großer Fan.

Oh, das ist schön. Was möchte er denn wissen?

Er möchte wissen, wann Sie angefangen haben, Musik zu machen.

Oje, wann habe ich damit angefangen? Als ich meine ersten Aufnahmen mit der Lokalband gemacht habe, in der ich damals spielte, war ich 16 oder 17. Da habe ich begonnen, Songs zu schreiben und aufzunehmen.

Aber Sie haben doch bestimmt schon viel früher gesungen oder ein Instrument gespielt?

Ich habe angefangen, Gitarre zu spielen, als ich vielleicht fünf oder sechs Jahre alt war, also in einem relativ jungen Alter. Zum Singen bin ich eher zufällig gekommen: Ich habe irgendwann in einer Band gespielt und da wollte niemand singen. Ich eigentlich auch nicht, aber ich habe es trotzdem getan. Das ist jetzt so lange her – und ich singe immer noch. Das ist irgendwie an mir hängen geblieben.

Was ja ganz gut ist, sonst wären Sie jetzt nicht Sänger von Manfred Mann’s Earth Band. Und Sie wären nicht der Special Guest von „Rock meets Classic“. Im März 2020 sind Sie zum ersten Mal bei der Show dabei.

Das erste Mal, ja! Und ich bin total aufgeregt. Denn ich mag diese Kombination, ich mag es, wenn Rock auf Klassik trifft. Was für eine großartige Formel, um neues Leben in die Songs zu bringen.

Dabei ist die Kombination von Rockmusik und Klassik ja längst nicht mehr neu. Etliche Rockmusiker haben schon Ausflüge in die Klassik unternommen, haben Crossover-Projekte gemacht oder klassische Elemente und Instrumente eingesetzt. Was ist jetzt das Besondere an „Rock meets Classic“?

Wenn ich mir die Stücke der bisherigen Ausgaben der Show anhöre und höre, wie diese großen Hits mit klassischer Musik zusammen klingen, gefällt mir das ausgesprochen gut. Ich selbst habe so etwas bisher noch nie gemacht, daher nutze ich jetzt die Chance und ich freue mich sehr darauf. Rock und Klassik ist eine großartige Kombination.

Zur Person und zur Show
Manfred Mann’s Earth Band ist eine britische Rockband, die 1971 von dem südafrikanischen Pianisten und Keyboarder Manfred Mann und weiteren Musikern gegründet wurde. Viele Musiker spielten in der Band, die mit Unterbrechung bis heute besteht.

Robert Hart , geboren 1958 in England, ist seit 2011 Sänger von Manfred Mann’s Earth Band. Mit der Band Bad Company nahm er die Alben „Company of Strangers“ und „Stories Told and Untold“ auf.

„Rock meets Classic“ tourt im März 2020 durch Deutschland. In Frankfurt gastiert die Show, die in dieser Zusammensetzung im kommenden Jahr ihr zehnjähriges Bestehen feiert, am Samstag, 14. März, 20 Uhr, in der Jahrhunderthalle, Pfaffenwiese 301.

Headliner ist Alice Cooper , feat. Tommy Henriksen von den Hollywood Vampires. Außerdem dabei sind Robin Zander von Cheap Trick, Joyce „Baby Jean“ Kennedy von Mother’s Finest, Danny Bowes und Luke Morley von Thunder sowie als Special Guest Robert Hart, Sänger der Manfred Mann’s Earth Band. Begleitet werden sie vom Rock meets Classic Symphony Orchestra und der Mat Sinner Band.

Tickets für die Show kosten zwischen 65 und 100 Euro und sind zu haben bei den bekannten Vorverkaufsstellen.

www.rockmeetsclassic.de

Was genau ist so großartig daran?

Es funktioniert einfach, es passt. Wenn man einen gängigen Song von einem kraftvollen Orchester spielen lässt, bekommt er eine neue Dimension. Es wird etwas dazugegeben, das vorher nicht da war. Ich bin sehr gespannt, wie sich die Manfred-Mann-Songs mit Orchester anhören werden.

Neue Arrangements und Experimente gehören ja zum Standard-Repertoire der Manfred Mann’s Earth Band. Wird es deswegen leichter fallen, die Stücke mit Orchester zu performen?

Ich denke, es wird absolut gut werden. Die Earth Band ist sehr komplex und deswegen wird das gut zum Orchester passen.

Welche Songs gehören zu Ihrem Programm?

Das steht noch nicht ganz fest, aber natürlich werden die großen Hits von Manfred Mann dabei sein. Ich werde auch ein paar Songs von Bad Company singen, wo ich ja auch eine Weile mitgespielt habe. Aber den Hauptteil werden die Manfred-Mann-Songs ausmachen.

Haben Sie schon mal zusammen mit dem Orchester der Show geprobt? Und mit den anderen Musikern?

Nein, aber im Februar treffen wir uns, also ein paar Wochen, bevor die Tour losgeht. Dann werden wir drei Tage zusammen proben. Ich freue mich auch darauf, mit meinen Kollegen zusammen zu arbeiten, mit Alice Cooper zum Beispiel. Das wird eine aufregende Zeit werden.

Sie sind als „Special Guest“ von „Rock meets Classic“ angekündigt. Wo liegt der Unterschied zu den Main-Acts?

Ich weiß es nicht. Vielleicht muss ich ein spezielles Kostüm anziehen, keine Ahnung. Ich fühle mich jedenfalls sehr geehrt, der Special Guest zu sein.

Das ist in der Tat speziell.

Genau, sehr speziell.

Meine letzte Frage hat rein gar nichts mit Musik zu tun, aber aus gegebenem Anlass muss ich Sie als Engländer das fragen: Wie stehen Sie zum Brexit?

Oh, das ist eine große Frage, du liebe Güte.

Sie können gern versuchen, es kurz zu machen.

Ich persönlich möchte in der Europäischen Union bleiben, ich möchte weiter dazugehören und nicht außerhalb von Europa stehen. Wir Briten gehören zu Europa, daher ist es total albern, dass wir da jetzt austreten wollen. Das ist absurd. Und es wird eine Menge Probleme verursachen. Ich weiß nicht, was passieren wird, aber lassen Sie uns das Beste hoffen. Britische Politik ist ein Witz. Es ist peinlich, wenn man darüber nachdenkt. Je länger wir in der EU bleiben, desto besser.

Das ist doch ein wunderbares Statement zum Abschluss. Vielen Dank für das Gespräch.

Es war mir ein Vergnügen. Und wenn wir mit der Earth Band auf unserer Tour 2020 in Ihrer Nähe spielen, melden Sie sich. Dann kann Ihr Sohn beim Soundcheck dabei sein.

Interview: Meike Kolodziejczyk

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