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Da hatten Spieler schlechte Karten: Leonidas Kandylis bricht ein manipuliertes Gerät auf der Suche nach der Festplatte auf.

Kriminalität

Polizeieinsatz gegen manipulierte Spielautomaten: Game over in Griesheim

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Die Stadtpolizei zieht manipulierte Spielautomaten aus dem Verkehr.

Der Traum der Zocker vom großen Geld, er endet auf einem orangefarbenen Gabelstapler. Langsam hievt der Fahrer den 300 Kilo schweren Spielautomaten, der auf dem Fahrzeug liegt, in etwa einen Meter Höhe. Dann macht sich Leonidas Kandylis an die Arbeit. Mit Hammer und Schraubenschlüssel bearbeitet der Mitarbeiter der Recyclingfirma GWR in Griesheim das Gerät. Er löst ein paar Schrauben. Er baut die Festplatte aus und packt sie in einen Behälter, der speziell gesichert ist, denn auf dem Datenträger befinden sich manipulierte Programme, die Unbefugte nicht einsehen und schon gar nicht kopieren sollen. Er löst die Kabel und den Bildschirm, der speziell entsorgt werden muss, weil er Schadstoffe enthalten kann. Schließlich bleibt von dem Gerät, an dem die Spieler auf Reichtum oder zumindest 3,50 Euro für das nächste Bier hofften, nichts weiter als ein Torso.

46 Geräte mit klangvollen Namen wie „Magic Games“ oder „Starline IV“ stehen in dem Lagerraum der GWR und werden dort in den nächsten Tagen und Wochen auseinandergebaut. Die Materialien, die recycelbar sind, werden wiederverwendet, der Rest wird entsorgt. Gemeinsam ist den Automaten, dass sie manipuliert wurden. Ihr Betrieb war somit illegal.

Vor rund zwei Jahren gründete die Stadtpolizei eine Arbeitsgruppe, die sich auf Spielgeräte spezialisiert hat. Regelmäßig ziehen die Mitarbeiter durch Kneipen und Spielhallen und überprüfen die Automaten. Das Ergebnis: Bei knapp 500 Kontrollen wurden mehr als 100 manipulierte Geräte sichergestellt, was zu 64 Straf- und 322 Ordnungswidrigkeitsverfahren führte. Gegen die Betreiber der Geräte verhängte die Stadtpolizei Bußgelder von rund 120 000 Euro.

Aktiver Verbraucherschutz

„Was wir betreiben, ist aktiver Verbraucherschutz“, sagte der Leiter des Ordnungsamts, Jörg Bannach, am Donnerstag bei einem Pressetermin im Recyclingunternehmen. In erster Linie gehe es darum, die Spieler zu schützen. Denn Möglichkeiten, einen Automaten zu manipulieren, gebe es viele, ergänzte Matthias Heinrich, Leiter der Stadtpolizei. Eine Methode: Das Programm, das die gesetzlich vorgeschriebene Begrenzung von Einsätzen und Verlusten sicherstellen soll, wird außer Kraft gesetzt. Die Spieler können in einer Stunde nicht „nur“ 80 bis 100 Euro verzocken, wie es das Gesetz vorsieht, sondern viel mehr.

Ebenfalls gesetzlich vorgeschrieben ist ein Abschaltmechanismus. Wer eine Stunde gespielt hat, muss danach zumindest einige Minuten Pause machen – um im Idealfall zur Erkenntnis zu gelangen, dass auf Dauer fast immer der Automat gewinnt. Doch auch diese Vorgabe lässt sich durch Manipulation der Software umgehen, wie Matthias Heinrich erklärte. Schließlich sei es noch möglich, die einzelnen Spiele so umzuprogrammieren, dass die Gewinnchancen weitaus geringer sind als auf dem Automaten angegeben.

Für derartige Manipulationen interessiere sich auch das Finanzamt, sagte Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU). Denn die Betreiber der Automaten gäben in der Steuererklärung nur die Summen an, die an einem Gerät verspielt werden dürfen. Wenn das vorgeschriebene Limit aber nicht eingehalten wird, sind die Einnahmen viel höher – und damit auch die Steuerschuld. Die entsprechenden Forderungen des Finanzamts beliefen sich in den Verfahren, die die Stadtpolizei in den vergangenen zwei Jahren betrieben hat, auf 1,5 Millionen Euro, so Frank.

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