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Im Haus Erzbergerstraße 22 in Griesheim wurde der Tote gefunden. Die Spurensicherung war in der Erdgeschosswohnung. Foto: Rolf Oeser
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Im Haus Erzbergerstraße 22 in Griesheim wurde der Tote gefunden. Die Spurensicherung war in der Erdgeschosswohnung.

Polizei

Polizeieinsatz in Frankfurt: Die Ruhe nach der Eskalation

  • Hanning Voigts
    VonHanning Voigts
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Am Tag nach dem tödlichen Polizeieinsatz in der Erzbergerstraße in Griesheim wissen viele Nachbarn nur wenig zu berichten. Am Tatort erinnert kaum noch etwas an die Geschehnisse.

Man kann sich kaum etwas Ruhigeres vorstellen als die Erzbergerstraße an diesem Mittwochmorgen. Die Sonne scheint, ein paar Spatzen tschilpen, von den nahen Bahngleisen tönt ab und an das Gerumpel eines ICE herüber. Unterwegs ist in dieser stillen Ecke von Griesheim kaum jemand, nur zwei Angestellte der Deutschen Bahn kurven mit ihrem Dienstwagen herum. Wenn an einem Baum unweit der Ecke zur Schöffenstraße nicht noch ein Rest rot-weißes Plastikband mit der Aufschrift „Polizeiabsperrung“ baumelte, würde gar nichts mehr an die Ereignisse vom Vortag erinnern.

Am Dienstag hatte es an einem Mehrfamilienhaus in der Erzbergerstraße 22 einen massiven Polizeieinsatz gegeben. Ab dem Vormittag war die Umgebung weiträumig abgeriegelt, der Zugverkehr am Bahnhof Griesheim war bis in den Nachmittag unterbrochen, schwerbewaffnete Spezialeinsatzkräfte rückten an. Die Polizei war um 11.15 Uhr wegen einer möglichen Gefahrenlage gerufen worden, ein 41 Jahre alter Bewohner des Hauses soll Beamte mit einem Messer und einer Schusswaffe bedroht haben. Mehrere Schüsse sollen gefallen sein, am Ende wird der 41-Jährige tot in seiner Wohnung gefunden – offenbar von Polizisten erschossen. Ein Beamter wurde verletzt. Die Hintergründe des Vorfalls sind nicht geklärt.

Gerüchte unter den Nachbarn

In Griesheim haben die Geschehnisse aber offensichtlich für reichlich Gesprächsstoff gesorgt. Sie habe den Polizeieinsatz selbst mitbekommen und auch von dem Toten gehört, sagt eine ältere Dame, die am Tatort vorbeikommt. Was genau passiert sei, wisse sie aber nicht. „Es wird viel erzählt“, sagt sie nur. Andere Passantinnen und Passanten haben dagegen noch überhaupt nichts von dem Vorfall gehört – oder maximal mitbekommen, dass tags zuvor viel Polizei vor Ort war.

Das Haus, in dem sich der Schusswechsel abgespielt hat, wirkt unterdessen völlig unauffällig. An vielen Fenstern sind die Rollläden heruntergelassen, an der Wand bröckeln hier und da die Farbe und der Putz. Im Hinterhof stehen Fahrräder und Mülltonnen, an einer Stange ist eine Kinderschaukel aufgehängt. Der vordere Teil des Gebäudes liegt zur Erzbergerstraße, der hintere zur Schöffenstraße.

„Es weiß keiner, was der Auslöser war“

An der zur Schöffenstraße gelegenen Seite schaut eine Anwohnerin aus dem Fenster. Sie habe von dem Polizeieinsatz in ihrem Haus auf der Arbeit erfahren, sagt die junge Frau, und habe ihre Wohnung erst gegen 17 Uhr wieder betreten dürfen. Sie sei froh, die Schüsse nicht selbst mitbekommen zu haben, sagt sie – „muss auch keiner sehen, sowas“. Den getöteten 41-Jährigen kenne sie als langjährige Mieterin gut, sagt sie dann, er habe allein gelebt. Mehr möchte sie über ihren Nachbarn aber nicht verraten. „Seien Sie mir nicht böse, ich möchte dazu nichts sagen.“ Jedenfalls sei das ganze Haus durch die Gewalteskalation ziemlich aufgewühlt. „Es weiß keiner, was der Auslöser war.“

Um kurz vor zehn fährt dann ein blauer Lieferwagen vor, zwei Männer und eine Frau steigen aus. Sie ziehen weiße Schutzanzüge und blaue Gummihandschuhe an und ziehen weiße Plastikfolien über ihre Schuhe. Es sind offenbar Beamt:innen der Spurensicherung, die noch einmal den Tatort untersuchen wollen. Mit Koffer, Kameras und anderem Gerät stapfen sie durch den Hinterhof, ein Anwohner öffnet ihnen die Tür. Mit der Presse reden will der Mann nicht. Er hat allerdings eine Frage, die er aus dem Fenster in den Hof ruft. „Darf man wieder raus?“

(Hanning Voigts)

Das Haus in der Erzbergerstraße hat schon mal bessere Tage gesehen.

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