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Diesen Aufzug können die Mieter im Schwarzerlenweg 106 seit fast zwei Wochen nicht nutzen. 

Griesheim

Ohne Aufzug in den elften Stock im Griesheimer Hochhaus

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Mieter im Schwarzerlenweg 106 sind sauer auf die städtische ABG. Deren Chef Frank Junker sieht keinen Grund für eine Mietminderung.

Wenn Marion Breckner einkaufen geht, achtet sie derzeit ganz genau darauf, bloß nichts zu vergessen. Denn dann müsste sie noch einmal los – und das würde für die 80-Jährige bedeuten, wieder vom dritten Stock ihres Hauses im Schwarzerlenweg 106 die Treppen runter und später wieder hoch zu laufen. Seit mehr als zehn Tagen ist der Aufzug im Haus außer Betrieb, und vermutlich bis zum 12. Dezember wird das auch so bleiben. Für die Bewohner ein unhaltbarer Zustand.

Nun ist Marion Breckner mit ihrer Wohnung in der dritten Etage noch in einer einigermaßen komfortablen Lage. Unbehagen bereiten ihr die Auf- und Abstiege trotzdem, denn sie hat eine neue Hüfte und Probleme mit dem Knie. Zum Einkauf nimmt sie jetzt immer einen Rucksack mit, die Treppen läuft sie rückwärts runter – und hangelt sich am Geländer wieder hoch.

Noch schlimmer trifft es das Ehepaar Reichelt. Das wohnt im achten Stock, Ehemann Ingo ist 81, seine Frau Elke 77. „Wir gehen nur noch raus, wenn es unbedingt nötig ist“, sagt sie. Doch von diesen nötigen Terminen gibt es einige, allein gestern hatte ihr Mann zwei Arzttermine.

Mit diesem Zettel informiert die Wohnheim GmbH über ihren Hilfsdienst.  

Für diese könnte er einen Hilfsdienst in Anspruch nehmen, den die Wohnheim GmbH, der das Haus gehört, anbietet. Sowohl Taschen als auch die Personen selbst können getragen werden. Doch dieser Dienst steht genauso in der Kritik wie die Informationspolitik der Tochter der städtischen Wohnungsbaugesellschaft ABG an sich. Denn diese informierte nur mit zwei Aushängen im Erdgeschoss und einem im elften Stock. „Wie sollen die Bewohner an die Info kommen?“, fragt Bernhard Kröhan vom Sozialverband VdK, der sich für die Mieter einsetzt.

Frank Junker, Geschäftsführer der ABG, gibt zu, dass der Informationsfluss „eher suboptimal“ gelaufen sei. In einer guten Hausgemeinschaft könne er sich aber vorstellen, dass die notwendigen Infos weitergetragen werden und somit alle Bewohner erreichen.

Diese aber berichten davon, dass die Zettel überhaupt erst nach einigen Tagen aufgehängt wurden. Und von dem aufgeführten Hilfsdienst erwarten manche Bewohner nicht viel, denn der Anspruch, so verheißt es der Zettel, sollte möglichst am Vortag schon angemeldet werden. „Das ist ja aber bei spontanen Terminen gar nicht möglich“, sagt einer der Bewohner. Dem widerspricht Frank Junker. „Wenn es dringend ist, werden wir da sicher eine Lösung finden“, ist er überzeugt.

Ein Teil der Bewohner vor dem Haus in Griesheim. 

Für eine solche Lösung schlägt Ursula Schmidt vom Vereinsring Griesheim einen konkreten Ansatz vor. Man könnte doch einen Aushilfsstudenten im Haus platzieren, der die Anfragen entgegennimmt und zeitnah koordiniert. Schmidt ist engagierte Griesheimerin und setzt sich ebenfalls für die Mieter im Hochhaus ein. Sie kann nicht verstehen, wieso der Aufzug überhaupt so lange ausfällt.

Laut Junker habe die Herstellerfirma festgestellt, dass Ersatzteile benötigt werden. Die seien aber nicht vorrätig, müssten bestellt werden, träfen voraussichtlich erst am 12. Dezember ein und würden dann sofort eingebaut. „Wir fliegen zum Mars, aber können so einen Aufzug nicht schnell reparieren“, echauffiert sich Ursula Schmidt.

Für die Bewohner ist es derweil nicht das erste Mal, dass sie auf den neun Jahre alten Aufzug verzichten müssen. Acht Mal sei er alleine in diesem Jahr schon aufgefallen, wenn auch meist nur für ein oder zwei Tage. Sieghard Pawlik vom Mieterbund sieht spätestens im aktuell langfristigen Ausfall einen Grund für eine Mietminderung. Entsprechende Infozettel will er am Montag allen 58 Parteien zukommen lassen.

ABG-Chef Junker sieht dem gelassen entgegen. Er sieht keine rechtliche Grundlage für eine Mietminderung, da „keine erhebliche Gebrauchsbeeinträchtigung vorliegt“. Zumal die ABG als Vermieter während des temporären Aufzug-Ausfalls, der ein „nicht auszuschließender Vorgang“ sei, Hilfem anbiete. Einen anderen Brief bezüglich der Miete haben manche Bewohner bereits in diesen Tagen erhalten. Eine Mieterhöhung um drei Euro.

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