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Krisensichere Energieversorgung

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Von: Manfred Becht

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Rechenzentren wie das in der Lärchenstraße in Griesheim können mit ihrer Abwärme die Nachbarschaft heizen.
Rechenzentren wie das in der Lärchenstraße in Griesheim können mit ihrer Abwärme die Nachbarschaft heizen. © Maik Reuß

Ein Pilotprojekt der AS Enterprise Engineering GmbH will Wohnungen über die Abwärme der Rechenzentren heizen. Zunächst in Griesheim, dann auch in anderen Frankfurter Stadtteilen.

Im November wurde bekannt, dass die AS Enterprise Engineering GmbH ein Pilotprojekt plant, bei dem es um die Nutzung der Abwärme von Rechenzentren in Griesheim gehen soll. Jetzt wurde im zuständigen Ortsbeirat 6 deutlich, dass das Niedernhausener Unternehmen nicht nur die Nahwärme-Versorgung des gesamten Stadtteils über drei Rechenzentren bereits in den kommenden Jahren umsetzen möchte. Sondern: „Ich möchte eigentlich ganz Frankfurt anschließen“, erklärte AS-Enterprise-Geschäftsführer Arno Schlicksupp dem Stadtteilparlament.

Energie gebe es genug. Die Frankfurter Rechenzentren reichten aus, um das ganze Rhein-Main-Gebiet mit Wärme zu versorgen, erläuterte Schlicksupp. Es bestehe nicht die Gefahr, dass die Betreiber der Rechenzentren den Standort Frankfurt als größten Internetknoten aufgäben. Sie seien, da es bei der Datenübertragung teils um extrem kurze Zeiträume gehe, an den Standort gebunden.

Ein Problem sei, dass viel Abwärme im Sommer produziert werde – dann wird zwar noch warm geduscht, aber eben nicht geheizt. Sein Unternehmen arbeite an Technologien, die im Sommer anfallende Wärme zu speichern, berichtete Schlicksupp. Bei anderen Projekten sei auch gut vorstellbar, Betriebe, die im Sommer viel Heizenergie brauchen, in der Nähe der Rechenzentren unterzubringen. In Griesheim sei das nicht vorstellbar: Der Stadtteil ist zu dicht bebaut. Überhaupt gebe es Häuser unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Größe, auch Gewerbebetriebe und andere Einrichtungen – baulich sei der Stadtteil ein großes Durcheinander. Genau deshalb sei er für AS Enterprise Engineering als Pilotprojekt gut geeignet – was dort funktioniert, funktioniert andernorts erst recht.

Für die Menschen in Griesheim wird das Bauarbeiten in erheblichem Umfang bedeuten, denn es müssen Rohre in praktisch allen Straßen verlegt werden. Durch diese Rohre fließt dann etwa 30 Grad warmes Wasser in alle angeschlossenen Häuser. Mit Wärmepumpen wird die Energie auf den Heizungskreislauf im Haus übertragen. Der Strom für die Pumpen ist der Faktor, der für Verteuerungen sorgen kann. Die Rohre zu verlegen werde einige Zeit in Anspruch nehmen, räumte Schlicksupp ein. Den damit verbundenen Belastungen stehe aber die Aussicht auf eine krisensichere Heizenergieversorgung gegenüber. Der Anfang soll im Norden des Stadtteils gemacht werden, dann kämen schnell die anderen Viertel an die Reihe.

Diese Reihenfolge hat einen Grund: Einer der großen Wohnungseigentümer in dem Gebiet habe zugesagt, seine Häuser an das Nahwärmenetz anzuschließen, berichtet Schlicksupp. Gespräche mit den beiden anderen Wohnungsunternehmen stehen an. Der Betreiber des ersten Rechenzentrums wiederum habe zugesagt, die Abwärme dauerhaft zur Verfügung zu stellen.

Dies bedeute dauerhaft stabile Heizpreise für die Verbraucherinnen und Verbraucher, so Schlicksupp. Wenn die Einnahmen die Investitionen wieder wettgemacht haben, sei sogar eine Verringerung der Preise möglich. Den Zeitraum dafür gibt er mit 8 bis 16 Jahren an. Finanziert werden soll das Projekt von Banken und Investoren, die an nachhaltigen Anlagen interessiert sind. Prognosen über einen kräftig wachsenden Strombedarf schrecken Schlicksupp nicht. Die drei Rechenzentren in Griesheim gäben derzeit 16 Megawatt ab, dies werde sich aber auf 58 Megawatt erhöhen. Denn die Datenmengen, die gespeichert werden sollen, steigen an. Auf jeden Fall gebe es mehr Heizenergie, als in Griesheim verbraucht werde.

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