Frankfurt-West

Frankfurt-West: Bürger per E-Mail nachfragen

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Wegen des Coronavirus können Bürger ihre Anliegen an den Ortsbeirat 6 auch schreiben. Am Dienstag wird etwa über Umbenennung der Hans-Pfitzner-Straße in Schwanheim diskutiert.

Stand Sontagabend hatte der Ortsbeirat 6 seine Sitzung für kommenden Dienstag noch nicht abgesagt. Das Büro der Stadtverordnetenversammlung hält die Treffen der Stadtteilgremien für relevant für die „Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung“, so ist es aus dem Büro zu hören.

Im „Sinne einer kurzen Sitzung“ will Ortsvorsteherin Susanne Serke (CDU) die Fraktionen im Vorfeld anschreiben und nach ihren Voten befragen. Strittige Themen könnte man auf spätere Sitzungen verschieben. So wäre die Diskussion aufs Nötigste beschränkt. Auch die Bürger sollen sich fragen, ob sie die Veranstaltung aufsuchen möchten. Ausladen will die Ortsvorsteherin niemanden. Aber sie bietet an, die Besucher könnten Fragen und Anregungen auch über eine E-Mail einreichen.

Bislang geplant war, dass Albina Nazarenus-Vetter von der Deutschen Jugend aus Russland zusammen mit dem Bauträger die aktuellen Planungen für die neue Kindertagesstätte im Mombacher Weg in Sossenheim vorstellt.

Ein interner Arbeitskreis des Ortsbeirats hat zudem drei gemeinsame Anträge erarbeitet. So fordern die Fraktionen von CDU, SPD, Grünen und der Linken, die Umbenennung der Hans-Pfitzner-Straße in Schwanheim. Der Komponist und Dirigent Hans Pfitzner sei Antisemit und Holocaustbefürworter gewesen, so die Begründung.

Straße umbenennen

Die Stadt soll aber nicht nur umbenennen. Sie soll Anwohner, und Schüler der angrenzenden Minna-Specht-Schule über den Transformationsprozess auf dem Laufenden halten. Das heißt, genau erklären, wer Pfitzner gewesen ist, warum Frankfurter Straßen nicht nach Personen heißen dürfen, die dem Ansehen der Stadt nicht zuträglich sind. Und auch erklären, wer neuer Namenspatron wird. Oder Patronin.

Nach Willen des Arbeitskreises soll die Strecke zwischen Silcher und Hugo-Wolf-Straße künftig Lilo-Günzler-Straße heißen. Als Zeitzeugin und Überlebende des Holocaust verfasste Günzler das Buch „Endlich reden“ und hielt die Erinnerung in vielen Begegnungen besonders auch in Schulen lebendig. 2009 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. 2011 mit der Bürgermedaille der Stadt Frankfurt. Lilo Günzler ist eine im Stadtteil verankerte und hoch geschätzte Persönlichkeit, der viele Initiativen zu verdanken sind. So hat sie 1977 beispielsweise den Heimat- und Geschichtsverein mitgegründet und stand ihm 30 Jahre lang als Vorsitzende vor.

Außerdem soll die Kommune die Bürger bei durch die neue Namensgebung anfallenden Kosten unterstützen. Wenn Schule oder Gewerbetreibende etwa ihre Visitenkarten oder Briefköpfe ändern müssten.

In einem weiteren Antrag fordert der Arbeitskreis die Stadt auf, im gesamten Ortsbezirk zu überprüfen, ob es weitere unpassende Namen bei Straßen oder Schulen zu finden sind. In der jüngeren Vergangenheit sind etwa die Eduard-Spranger-Schule in Sossenheim (inzwischen Edith-Stein-Schule) und Werner-Haustein-Straße in Nied (inzwischen dem Nieder Kirchweg zugeschlagen) wegen Nazivergangenheit ihrer Namengeber umbenannt worden.

Der Ortsbeirat 6tagt am Dienstag, 17. März, 17 Uhr, in der Katholischen Pfarrgemeinde Mariä Himmelfahrt, Josefshaus, Auf der Beun 18. Fragen und Anregungen einreichen unter: ortsbeirat6@serke.info

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