1. Startseite
  2. Frankfurt
  3. Griesheim

Einblicke in grüne Oasen des Frankfurter Westens

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Holger Vonhof

Kommentare

Ilse Kassner hat in ihrem Garten Kunstobjekte stehen. Foto: Maik Reuss
Ilse Kassner hat in ihrem Garten Kunstobjekte stehen. Foto: Maik Reuss © Maik Reuß

Am Tag der offenen Höfe und Gärten geben Privatpersonen und Institutionen in Griesheim Tipps und Wissen zum Gärtnern weiter. Auch per Rad ist eine Tour zu den Parzellen möglich.

Als Ilse Kassner zusammen mit ihrem Mann das Haus Am Weidenbaum 4 kaufte, war Griesheim-Süd für sie „ein weißer Fleck auf der Frankfurt-Karte“. Sie hatte vorher 27 Jahre im Gutleut gewohnt. Und obwohl der Stadtteil wegen des Rosenmontagsstörfall von 1993 und diverser sozialer Brennpunkte nicht sonderlich gut beleumundet ist, fand Ilse Kassner ihr kleines Paradies: Den Garten des 1900 errichteteten Hauses, der zwischen Mauern und Nachbargebäuden liegt, hat sie zu einer Oase umgestaltet: „Mir war wichtig, dass vom Frühling bis in den November immer etwas blüht“, sagt sie. Den Anfang machen Winterlinge und Schneeglöckchen; die Rosen und die Herbstastern sind die letzten, die ihre Farbtupfer setzen.

Beim „Tag der offenen Höfe und Gärten“ zeigt Ilse Kassner am Samstag, 28. Mai, ihr Paradies. Zusammen mit ihrer Enkelin (7) wird sie einen kleinen Flohmarkt veranstalten und mit Besucherinnen und Besuchern über den Garten plaudern – über die Ton-Kunstwerke, die sie selbst töpfert und brennt; über die Nisthilfen, die sie für Wildbienen und andere Insekten anlegt; und über die Freude, in der warmen Jahreszeit im Garten quasi ein zusätzliches, luftiges Zimmer zu haben.

Einen ganz anderen Typ Garten haben Denis Riesmayer und Thomas Bornschein in der Buchenstraße 13 in Griesheim-Mitte gestaltet: Er liegt als langgezogenes Rechteck zwischen zwei modernen Mehrfamilienhäusern und wird von 18 Partien genutzt. Als die beiden 2014 ihre Wohnung kauften, sei der Garten so gestaltet gewesen, dass er mit einem Minimum an Pflege ausgekommen sei: „Vor allem viel Efeu“, sagt Bornschein. Das wollten sie ändern, wollten Eichhörnchen, Vögeln und Insekten einen Lebensraum geben und trotzdem Platz haben, um im Kreis der Nachbarschaft zu grillen. Auch dieser Garten kann am kommenden Samstag besichtigt werden.

Diese Gartenpforten sind am Samstag, 28. Mai, geöffnet

Oeserstraße 181 : Zugang zum Gelände des früheren Wasserwerks über den Waldweg gegenüber dem H 4-Hotel (mit Bastelangebot und Vorlesestunde).

Kleyerstraße 99 , KGV Kastanienwäldchen: ein etwa 1000 Quadratmeter großer Schrebergarten mit Spielgeräten, Hütte und Hühnern.

Buchenstraße 13 : Der Hausgemeinschaftsgarten von Denis Riesmayer und Thomas Bornschein.

Eichenstraße 13 : Der Garten des Stadtteilbüros „Eiche“.

Autogenstraße : Griesheimer Bahnhofsgärtchen, ein Urban-Gardening-Projekt.

Taläckerstraße 24 : ein Hinterhof-Garten, der vor zwei Jahren neu angelegt worden ist.

Linkstraße 58 : „Alte Apotheke“, mediterranes Flair mit Obstbäumen im Hinterhof.

Fabriciusstraße 21 : „Asien trifft Griesheim“ – ein „Schattengarten“ mit Kaki- und Nasi-Birne (und Ablegern zum Mitnehmen).

Auf dem Schafberg 16 : der „antiautoritäre Garten“, in dem sich jede Pflanze ihr Plätzchen sucht; mit Eisen- und Holzobjekten – und Pflanzenablegern.

Am Weidenbaum 4 : Der Garten von Ilse Kassner, mit Kunst und Flohmarkt.

August-Bebel-Straße 36 : begrünter Hinterhof, in dem Hausbewohnerin Steffi Barthel florale Malerei in Öl auf Leinwand und selbst gestaltete Aquarell-Postkarten vorstellt.

http://griesheimer-gaerten.jimdo.com

„Wir wollten den Garten naturnah gestalten und auf Pestizide verzichten“, erläutert Thomas Bornschein. Ihr Wissen filtern er und Denis Riesmayer aus dem Internet; derzeit versuchen sie sich daran, unter einem alten Baum eine Benjes-Hecke anzulegen. Mit Erfolg: „Sie wird von den Vögeln gut angenommen.“ Eine Benjes-Hecke, benannt nach ihrem Erfinder Hermann Benjes, besteht aus locker aufgeschichtetem Totholz, zwischen dem durch Samenflug oder in Vogelkot ausgetragenen Samen neues Leben entsteht; diese Hecken bieten kleinen Tieren Schutz und Nahrung.

Im grünen Garten des Stadtteilbüros in der Eichenstraße 13 haben Besucher:innen Gelegenheit, sich über das neu aufgelegte Anreiz-Programm zum nachhaltigen Umgang mit Regenwasser zu informieren. Ziel des Programms ist es, das Stadtklima zu verbessern, einen effizienteren Umgang mit der Ressource Wasser zu erreichen und die Kanalisation zu entlasten. Das Beratungs-Team gibt Auskunft über die Möglichkeiten einer finanziellen Unterstützung und informiert, wie Regenwasser genutzt werden kann.

Ilse Kassner, Denis Riesmayer und Thomas Bornschein haben ihre Gärten bereits im Jahr 2018 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 2019 fiel die von Ursula Schmidt und Erika Rech im Auftrag des IB-Nachbarschaftsbüros organisierte Veranstaltung mangels Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus; in den vergangenen beiden Sommern war die Pandemie schuld. Am Samstag sind zwölf Teilnehmer:innen dabei, acht davon sind Privatpersonen.

Zum Tag der offenen Gärten bieten der Internationale Bund und das Frankfurter Programm Aktive Nachbarschaft zudem eine Fahrradführung mit dem in Griesheim lebenden Fremdenführer Sascha Mahl an. Teilnehmer:innen besuchen die Gärten und erfahren Interessantes über Griesheimer Grünflächen, Parks und Naturschutzgebiete. Die Tour beginnt um 15 Uhr auf der Südseite des Griesheimer Bahnhofs, Höhe Autogenstraße 7, und soll etwa zwei Stunden dauern. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich unter www.radtour-griesheim.eventbrite.com.

Denis Riesmayer und Thomas Bornschein kümmern sich um einen Garten von zwei Mehrfamilienhäusern. Foto: Maik Reuss
Denis Riesmayer und Thomas Bornschein kümmern sich um einen Garten von zwei Mehrfamilienhäusern. Foto: Maik Reuss © Maik Reuß

Auch interessant

Kommentare