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Die Kirchenbänke wurden gegen eine flexible Bestuhlung getauscht. Der Andachtsraum wird damit multifunktional. 

Griesheim

Griesheim: Kirche wird heller, offener, flexibler

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Die Evangelische Gemeinde feiert die Sanierung der Segenskirche und den Neubau des Gemeindehauses. Der Andachtsraum ist nun multifunktional zu nutzen.

Es passt zum vierten Advent: „Wir sind noch nicht ganz da, die Kirche ist fast fertig, das neue Gemeindehaus ist fast fertig – aber man sieht schon, wohin der Weg führt.“ Pfarrerin Jana Kreft hat am Wochenende in der frisch renovierten Segenskirche an der Alten Falterstraße 6 so viele Gemeindemitglieder begrüßt, wie lange nicht. Auch andere Neugierige waren da, die bereitgestellten Stühle reichten nicht, weitere Sitzgelegenheiten mussten nebenan im gläsernen Atrium aufgestellt werden, das die Kirche nun mit dem neuen Gemeindehaus verbindet. Von dort konnte man zwar nichts sehen, aber dank der Lautsprecher alles hören und so dem Festgottesdienst folgen.

Die Pfarrerinnen Kreft und Regina Westphal hatten reichlich Beistand. Denn gekommen waren zu dem freudigen Tag nicht nur der frühere Pfarrer Manfred Bruns, der bereits im Ruhestand ist, und die ehemalige Gemeindepfarrerin Gudrun Goy, die inzwischen auf einer anderen Stelle Dienst tut. Auch der evangelische Stadtdekan Achim Knecht wirkte mit, und Prodekan Holger Kamlah, zuständig für den Frankfurter Nordwesten, hielt die Predigt.

Der Ökumenische Chor sang unter der Leitung von Ulrike Fausel gleich zu Beginn mit der Gemeinde „Tut mir auf die schöne Pforte“, und die Organistin Kazumi Ziehten konnte die frisch gereinigte und überholte Sauer-Orgel der Gemeinde endlich wieder erklingen lassen.

Gotteshaus nun heller

Das im Stil der Neoromanik 1863 von dem Architekten Heinrich Burmitz errichtete und 1869 mit einem Turm vervollständigte Gotteshaus, inzwischen ein hessisches Kulturdenkmal, ist heller geworden: Die Empore wurde entfernt, wodurch sich das Licht in der Kirche verändert hat. Die Kirchenbänke sind Stuhlreihen gewichen; die von Ruß und Ablagerungen gedunkelten Wände strahlen nun wieder hell.

Auffällig auch von außen sind die Neubauten: Das Darmstädter Architekturbüro Gottstein und Blumenstein hat ein kubusförmiges Gemeindehaus von rund 250 Quadratmetern Fläche aus Holz entworfen, das über die lichtdurchflutete Glashalle mit der Segenskirche verbunden ist. Bauleiter und Architekt Martin John hebt hervor, dass mit dem neu entstandenen Foyer und dem Wechsel von Kirchenbänken zu flexibler Bestuhlung neue Möglichkeiten entstanden sind.

Im Sommer etwa kann auch die barrierefrei zugängliche Fläche vor Kirche und Gemeindehaus genutzt werden; auf der Rückseite gibt es eine Terrasse. Die Evangelische Gemeinde Griesheim betreibt in ihrem alten Gemeindehaus an der Omega-Brücke eine Kita, einen Hort und eine Krabbelstube. Dazu kommt im Norden des Stadtteils die Pfingstkirche nebst Gemeindezentrum.

Bis zur gestrigen Wiedereröffnung war es ein langer Weg: Sowohl der ehemalige Pfarrer Manfred Bruns als auch seine Kollegin Gudrun Goy hatten die umfassende Baumaßnahme mit auf den Weg gebracht. Der Grund: Der Rückgang der Gemeindemitglieder. Früher zählte die Segensgemeinde 10 000 Mitglieder ohne die Protestanten von nördlich der Mainzer Landstraße, die als Pfingstgemeinde eigenständig waren. 2005 fusionierten die Gemeinden und kommen heute auf etwa 3000 Mitglieder – zusammen. Dadurch hatte das große Gemeindehaus an der Straße Am Gemeindegarten für die Landeskirche seine Berechtigung verwirkt. Also wurde es in eine Kita verwandelt. Etwa 100 Kinder werden dort betreut, eingeweiht wurde das Haus im April 2017.

Kirchenvorsteherin Gabi Ermentraut freut sich über das neue Gemeindehaus und das Interesse der Besucher. Die zwei Etagen mit ihren rund 140 Quadratmetern sind lichtdurchflutet; es gibt dort Jugend- und Seniorenräume, Büros, Toiletten, einen Aufzug.

Die Griesheimer kooperieren mit den Niedern: Diesmal wird in den Winterferien an den ersten beiden Sonntagen des neuen Jahres gemeinsam Gottesdienst gefeiert. Am 5. Januar findet um 10 Uhr der Gottesdienst in der Segenskirche statt; es spielt der Griesheimer Posaunenchor. Den Gottesdienst leiten Pfarrerin Jana Kreft und Pfarrer Joachim Preiser. Hinterher gibt es einen Neujahrsempfang – auch dann kann man sich noch mal in den neuen Räumen umschauen.

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