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Die Werkstatt bei der Lagebesprechung: Torben Schmidt, Florian und Rebekka Weiler, Viola Rüdele, Tilman Kootz, Magdalena Schmidt und Quartiersmanager Maximilian Förtner (v.l.n.r.).

Griesheim

Griesheim: Einfach mal was Schönes bieten

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Die Werkstatt Waldschulstraße engagiert sich für die Nachbarschaft. Die Gruppe organisiert Café-Nachmittage oder Ausstellungen in der S-Bahnunterführung.

Von der Griesheimer Staustufe ist es nur einen Katzensprung bis in die Karibik. Es kommt halt auf den Blickwinkel an. Das hat die „Werkstatt Waldschulstraße“ in einer Führung verdeutlicht. Griesheimer haben den Teilnehmern ihre Lieblingsorte im Stadtteil gezeigt. Und für manchen ist das Mainufer samt Bootsstegen und Schleuse eben ein Sehnsuchtsort, so wie die Karibik.

Griesheim bietet weitaus mehr, als es Auswärtige vermuten, sagt Rebekka Weiler bestimmt. Darum hat sie vor drei Jahren eine Gruppe ins Leben gerufen, die das Image des Stadtteils aufpolieren möchte: die Werkstatt Waldschulstraße. „Positiv vernetzen“ möchte Weiler. Bislang funktioniert das gut. 2018 hat die Stadt die Gruppe gar mit dem Frankfurter Nachbarschaftspreis bedacht.

Es sind eher jüngere Menschen, die sich alle 14 Tage Dienstag im Stadtteilbüro des Quartiersmanagements an der Waldschulstraße treffen. Das älteste Mitglied ist Mitte 40. „Wobei das Alter nicht entscheidend ist“, findet Magdalena Schmidt. Wichtig sei, dass man im Kopf jung geblieben ist, offen für Ideen ist. „Wir wollen nicht nur nörgeln, wir wollen auch etwas machen“, sagt sie frech. Torben Schmidt verpackt das etwas diplomatischer: „Man kann sich ja beschweren, aber damit darf es nicht aufhören.“ Vielmehr soll aus der Beschwerde ein Impuls für eine Aktion werden.

Die Initiative
Die Werkstatt Waldschulstraßeist eine Initiative von Privatleuten, die den Stadtteil vor allem kulturell beleben möchten. Die Werkstatt organisiert Ausstellungen in der S-Bahnunterführung, ein Open-Air-Kino auf dem Gelände des Ruderclubs, Café-Nachmittage, auch mal eine Aufräumaktion.

Die nächsten Terminesind ein Gruppen-Flohmarktstand auf dem Weihnachtsmarkt in Griesheim Nord am Sonntag, 1. Dezember, 16 bis 20 Uhr. Am Montag, 9. Dezember, beteiligt sich die Werkstatt an der Aktion „Griesheimer Adventsfenster“ in der Gaststätte Mainglück des Rudervereins (Griesheimer Stadtweg 77A). Von 18 bis 21 Uhr gibt es Waffeln und Weihnachtslieder-Karaoke. sky

Die Gruppe trifft sichjeden zweiten Dienstag im Monat, 18 bis 20 Uhr, im Stadtteilbüro des Quartiersmanagements, Waldschulstraße 17A. Um vorige Anmeldung wird gebeten unter Telefon 35 35 09 64 oder der E-Mail griesheim@frankfurt-sozialestadt.de

Ihre erste Aktion ist ein Café-Nachmittag im Quartiersbüro, im Dezember 2016. Dafür hat die Werkstatt die Strickgruppe aus dem Stadtteil gewinnen können, sich mit einem Basar zu beteiligen. Das größte Projekt ist bislang die Ausstellungsreihe in der Unterführung der S-Bahnstation. Ein Unort, den fast alle Griesheimer zwar täglich nutzen, aber ungern. „Da fühlt sich keiner wohl“, sagt Torben Schmidt. Außer bei den vier Ausstellungen der Werkstatt. Unter dem Titel „Ich bin Griesheim“ hängen sie Foto-Portraits von Stadtteilbewohnern auf, ein anderes Mal zeigen Kinder gemalte Selbstportraits.

„Es gibt keine Videoüberwachung im Tunnel“, sagt Torben Schmidt. Viele hätten vorher gewarnt: „Macht das nicht, hängt keine Bilder auf, in Nullkommanix sind die zerstört oder geklaut“, sagt er. „War aber nicht so.“ Vereinzelt seien Bilder verschwunden, aber niemand habe die Galerie verwüstet, etwas darüber geschmiert oder randaliert.

Es soll eben auch ein Experiment sein, sagt Rebekka Weiler. „Wir wollen schauen, wie sich so ein Angstraum verändert, wenn wir ihn aufhübschen.“ Tatsächlich hinterlassen die Passanten zu Ausstellungszeiten weniger Müll als sonst. Musiker setzen sich zu den Bildern und spielen. Selbst die Deutsche Bahn gibt sich mehr Mühe als gewöhnlich und schickt vor den Vernissagen Reinigungstrupps zum Kärchern.

„Hast Du keine Angst?“, die Frage hört Magdalena Schmidt oft, als sie nach Griesheim zieht, in den angeblich so wilden Westen der Stadt. Das ärgert sie, spornt aber auch an. Gut, Griesheim ist nicht das Nordend. Doch gebe es „keine Entschuldigung, nichts zu unternehmen“, findet Magdalena Schmidt. Wenn es nichts Schönes gebe, müsse man eben selber etwas auf die Beine stellen. „Davon profitiere ich ja auch, wenn ich meine Nachbarn kennen lerne.“

Schließlich besteht die Gruppe aus Zugereisten. Die Mitglieder kommen aus Halle, aus Leipzig, aus dem Fichtelgebirge. „Ich kannte niemanden in der Stadt“, sagt Tilman Kootz. Das ändert sich, als er das Café der Werkstatt besucht. Die junge Truppe hat ihn gleich aufgenommen. „Wir verstehen uns gut.“ Das erleichtert es, sich zu engagieren „und dabei auch noch Spaß zu haben“, sagt Kootz und lacht.

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