Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Bei der Ausstellung des Karikaturisten-Duos Achim Greser (re.) & Heribert Lenz gibt´s grantiert was zu lachen.
+
Bei der Ausstellung des Karikaturisten-Duos Achim Greser (re.) & Heribert Lenz gibt´s grantiert was zu lachen.

Frankfurt

Greser&Lenz: Alte, weiße Männer mit immerfrischer Knusprigkeit

  • Stefan Behr
    VonStefan Behr
    schließen

25 Jahre Witze für Deutschland: Das Caricatura-Museum in Frankfurt widmet Greser&Lenz zum Jubiläum eine Ausstellung.

Es ist schon schlimm mit Greser & Lenz, den Meisterdieben. Von so ziemlich jedem berühmten Duo der Weltgeschichte haben sich die beiden eine Scheibe abgeschnitten, um es zu ihrem eigenen Geschäftsmodell zu verwursten, das die zwei Karikaturisten in die lichten Höhen der FAZ-Haus-und-Hofnarren katapultiert hat: von Siegfried & Roy die Magie und das Charisma, von Hill & Spencer die latente Gewaltbereitschaft, von Hänsel & Gretel die immerfrische Knusprigkeit, von Winnetou & Old Shatterhand die Treffsicherheit und von Tünnes & Schäl den Bierdurst.

Nun kommt auch das Caricatura-Museum nicht daran vorbei, den beiden eine Ausstellung zu widmen. Sie trägt den Titel „SCHLIMM. Ein Vierteljahrhundert Witze für Deutschland“. Zwar witzeln Greser & Lenz schon viel länger, aber das Vierteljahrhundert bezieht sich auf ihre Arbeit bei der ehemals erzkonservativen FAZ, die sie binnen 25 Jahren so radikal verändert haben wie weiland Wallenstein & Gustav Adolf das christliche Abendland. Die Ausstellung zeigt freilich nur die heiteren, lichten Facetten von Greser & Lenz, verschweigt aber die dunklen. Und deren Zahl ist Legion.

Bei Greser & Lenz (Jahrgänge 1961 & 1958) handelt es sich zweifelsfrei um alte, weiße Männer. Und sie werden immer älter, vor allem Greser. Der erregt sich auf der Pressekonferenz zur Ausstellung darüber, dass es den Menschen zunehmend schwerer falle, „zwischen Sprechblase und Autor zu unterscheiden“. Und auch Lenz versteht manchmal die Welt nicht mehr. Unlängst hätten die beiden einen Witz über eine Steinigung gemacht, was seit Monty & Python eigentlich zur Humoristenfolklore gehört. „Dass die Leute sich dann über den Witz aufregen statt über die Steinigung – für mich unverständlich.“

Die Ausstellung

„SCHLIMM. Ein Vierteljahrhundert Witze für Deutschland“ zeigt 384 Zeichnungen von Greser & Lenz, die meisten davon aus der FAZ, und zwar vom 22. Juli bis 21. November 2021. Feierliche Eröffnung ist am heutigen Mittwoch um 20 Uhr, die Laudatio hält FAZ-Herausgeber Berthold Kohler.

Öffnungszeiten der Caricatura am Weckmarkt 17: dienstags bis sonntags 11 bis 18 Uhr, montags geschlossen.

Der Katalog zur Ausstellung ist 705 Seiten dick, ganz schön schwer, enthält 1700 Abbildungen, erschienen im Verlag Antje Kunstmann und kostet 48 Euro. Man kann ihn im Museums-Shop kaufen. skb

Greser & Lenz sind verkrustet im binären, heteronormativen Geschlechtercode. Zwar bewohnen beide eine Jugendstilvilla in Aschaffenburg, die man sich von einem normalen Karikaturistengehalt kaum leisten kann, legen aber Wert auf die Feststellung, dass das „in getrennten Wohnräumen“ geschehe. Jeder schlafe im eigenen Bett und zeichne am eigenen Tisch. Als ob das eine Rolle spielte.

Greser & Lenz haben alle belogen. Dank ihrer erfolgreichen Comicserie „Genschman“ glauben immer noch viele, der ehemalige Bundesaußenhansdietrich sei gar nicht Mitglied der FDP, sondern der Avengers gewesen. Und ihre Serie „Die roten Strolche“ stellt die SPD unter Rudolf Scharping als eigentlich ganz liebenswerte Blase harmloser Tier-Tunichtgute dar. Ihr Slogan „Versucht, Ziege zu wählen!“ ist noch immer das Zahnknirschcredo mancher verzweifelten Sozialdemokrat:innen in der Wahlkabine und bewahrt die Partei bis heute vor dem Reißen der Fünfprozenthürde. Und in ihrer FAZ-Karikatur „Die Baupläne des Irren von Limburg“ unterstellen die beiden dem liebenswerten Bling-Bling-Bischof Tebartz-van Elst, er habe unter dem Limburger Dom neben dem „Weihwasserwiederaufbereitungsbecken“ einen „Durchstich zur Hölle“ gebuddelt – dabei war der lediglich angedacht gewesen.

Greser & Lenz sind Meister der kulturellen Aneignung. Als indigene Unterfranken haben sie widervölkerrechtlich die Haut des Hessen übergestreift und dessen Weltformel („Alles Aschlöscha!“) zu der ihren erklärt. Und obwohl Greser & Lenz sonstwo geboren wurden (Lohr am Main & Schweinfurt) machen sie ungeniert vom Geburtsrecht des Frankfurters Gebrauch und reißen hemmungslos Witze über dessen Nachbarstadt Offenbach. Manche davon tangieren die Grenze zur Offenbacherfeindlichkeit.

Das alles spricht gegen Greser & Lenz. Für sie spricht lediglich, dass sie saukomisch sind. Wer also Kunst und Künstler zu trennen vermag, der soll die Ausstellung ruhig besuchen. Aber Obacht! In ein paar der ausgestellten Zeichnungen wird das N-Wort verwendet. Museumsleiter Achim Frenz hat es versäumt, Trigger-Warnschilder aufzustellen und nimmt so die Traumatisierung Museumsbesuchender in Kauf, hat aber für derlei Bedenken nur ein zynisches Lachen übrig.

Das passt ja auch irgendwie zu Greser & Lenz.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare