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Ein Brückenkaffee für Radfahrer, als Dankeschön, dass sie dem Wetter trotzen.

Verkehr in der Stadt

Gratismuffins für Radfahrer in Frankfurt

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Die Initiative Brückenkaffee und der Gedenktag für Winter-Radler treffen sich auf der Friedensbrücke.

Maria Rzezniczek ist die erste an diesem Freitag, die beschenkt wird. Die 34-Jährige hat ihr Fahrrad auf der Friedensbrücke geparkt und hält nun einen Kaffee in der Hand, den ihr Julia Krohmer gereicht hat. „Brückenkaffee“ nennt sich die neue Aktion, die sich eine Twitter-Gruppe begeisterter Radfahrer aus Ludwigshafen abgeschaut hat. Krohmer und ihre Mitstreiter verteilen Muffins, Mandarinen, Plätzchen und Kaffee an die Radfahrer, als Dankeschön dafür, dass sie in der Stadt auf das Auto verzichten.

Dass Rzezniczek in den Genuss des kostenlosen Kaffees kommt, ist kein Zufall. Sie fährt jeden Tag von ihrem Wohnort Neu-Isenburg zur Arbeit ins Gallus und zurück. „Ich fahre 4000 Kilometer im Jahr mit dem Fahrrad. Damit spart man 1000 Euro“, betont die Polin. Den Brückenkaffee findet die Marketingfachfrau „super, eine tolle Idee“.

Der Ansicht ist offensichtlich nicht jeder. Viele Radler brausen an den dargereichten Muffins vorbei und wirken sehr beschäftigt. Es ist Freitagnachmittag, das Wochenende ruft. Der Brückenkaffee an einem Freitag ist auch eine Ausnahme. Bei den ersten drei Auflagen gab es das Dankeschön donnerstags. Der Grund für den Wechsel ist der Internationale Winter-Fahrradpendler-Tag an diesem Freitag. Von dem hatte die Twittergruppe kurzfristig erfahren und beschlossen, den Brückenkaffee doch an diesem Tag auszuschenken. Bertram Giebeler vom ADFC findet den Tag „eine originelle Idee, aber der Frankfurter Winter ist ja eigentlich keiner“.

Die ursprüngliche Idee dazu stammt aus einer Region, in der es tatsächlich Winter gibt. Pekka Tahkola und Timo Pera beriefen 2013 im nordfinnischen Oulu eine „Winter Cycling Conference“ ins Leben, die dann wiederum den Internationalen Winter-Fahrradpendler-Tag ins Leben rief, der nahe dem Polarkreis seit 2013 jeden zweiten Freitag im Februar begangen wird und mittlerweile weltweit Anhänger gefunden hat.

In Frankfurt dauerte es noch etwas, bis der Feiertag der Winterradler entdeckt wurde. Auch das Angebot des Brückenkaffees ist in Frankfurt noch nicht so etabliert, wie andernorts. Das mag an den bislang wechselnden Orten liegen. Im Oktober wurde auf der Untermainbrücke ausgeschenkt, zuletzt auf dem für Radfahrer schöneren Holbeinsteg. „Aber da bekommen es die Autofahrer nicht mit“, gibt Krohmer zu bedenken. Schließlich sollen die nach Möglichkeit neidisch auf die Gratisstärkung werden und auf das Fahrrad umsteigen.

Wo der Brückenkaffee im März ausgeschenkt wird, ist noch offen. Als fester Termin soll sich in Frankfurt aber der letzte Donnerstag im Monat etablieren. Wenn nicht gerade ein internationaler Gedenktag für Winterradler dazwischenkommt.

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