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Statue Justitia 

Gericht

Ein Grabmal für den Vater

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Ein Mann raubt die Sparkassenfiliale in der Offenbacher Landstraße aus, um seinem Vater ein würdiges Grabdenkmal“ setzen zu können.

Bei diesem mutmaßlichen Verbrecher muss zumindest niemand niedere Beweggründe annehmen: Die Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen einen 34-jährigen Mann aus der Ukraine erhoben. Er soll im Januar 2007 als 22-Jähriger die Sparkassenfiliale in der Offenbacher Landstraße ausgeraubt haben.

Mit einer laut Anklageschrift „täuschend echten Spielzeugpistole“ habe er zwei Angestellte der Bank gezwungen, ihm den jeweils an ihrer Kasse als „sofortverfügbaren Maximalbetrag“ in Höhe von 5000 Euro auszuhändigen. Der Täter flüchtete mit 10 000 Euro Beute und wurde seitdem mit internationalem Haftbefehl gesucht, konnte aber erst im November vorigen Jahres in Polen festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert werden.

Der Mann ist voll geständig. Als Motiv gibt er laut Staatsanwaltschaft an, er habe „seinem Vater ein würdiges Grabdenkmal“ setzen wollen. Sein Vater, ein ehemaliger Polizist, sei kurz vor der Tat im August 2006 im Alter von 43 Jahren an Krebs gestorben, der vermutlich aus seinem Einsatz nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 resultiert habe. Dem Suff verfallen und von der Frau verlassen sei sein Vater nicht nur im Elend, sondern auch in Armut gestorben. Um ihm wenigstens ein anständiges Grabmal setzen zu können, habe er keine andere Finanzierungsmöglichkeit als den Banküberfall gesehen.

Nun können Angeklagte viel erzählen und tun das auch, nach den bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist diese Geschichte aber wahr. Die Anklage lautet auf schwere räuberische Erpressung. Der Prozess wird vor der 24. Kammer des Landgerichts geführt und soll voraussichtlich Anfang Juni beginnen.

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