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Gottesdienst
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Frankfurt

Gotteshäuser verschlingen Unsummen

Die Stadt Frankfurt zahlt seit 180 Jahren Unterhalt für acht Kirchen und das stößt jetzt auf Kritik. Kämmerer und Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) verteidigt die Finanzierung. Die christlichen Kirchen seien „Teil der kulturellen und kulturhistorischen Identität“ der Stadt.

Von Jutta Ochs

Den Kommunen und den Ländern geht es finanziell miserabel, da schauen alle überall und ganz genau hin und so geschieht es, dass in diesen Zeiten der Blick auch auf die öffentlichen Zuwendungen an die Kirchen gefallen ist. Nach meist sehr alten Verträgen zahlen beispielsweise Städte für Unterhalt und Betrieb von manchen Kirchen, manchmal Millionen.

Der FDP-Politiker Wolfgang Kubicki aus Schleswig-Holstein hat öffentlich gefordert, diese Zahlungen zu senken. Das hat einige Wellen geschlagen, bis nach Frankfurt. Denn die Stadt am Main hat besonders viele christliche Gotteshäuser zu versorgen. Acht Kirchen aus der Innenstadt fallen unter einen „in Deutschland einmaligen“ (Kirchendezernat) sogenannten Dotationsvertrag. Der wurde als Folge der Säkularisierung im Jahre 1830 zwischen Frankfurt und seinen christlichen Gemeinden geschlossen. Bauwerk, Orgel und Geläute müssen unterhalten werden. Die Stadt ist de jure Eigentümer, die Kirchen den Gemeinden zur religiösen Nutzung übertragen.

„Kulturelle Identität“

Kämmerer Uwe Becker (CDU), gleichzeitig auch Kirchendezernent, eilt trotz Haushaltsdefizits an die Seite der Kirchen. Die christlichen Kirchen seien „Teil der kulturellen und kulturhistorischen Identität“ der Stadt. Sie seien „elementare Bestandteile des Stadtbildes“. Darauf verweisen ebenfalls Vertreter der evangelischen und der katholischen Kirche. Es handele sich auch um „Attraktionen für den Fremdenverkehr“ der Städte, deren Pflege könne unmöglich allein in den Händen der Kirchen liegen. Becker nennt die vertraglichen Verpflichtungen der Stadt gegenüber den Dotationskirchen „Ausdruck ihrer christlich-abendländischen Wurzeln“. „In keinerlei Hinsicht akzeptabel“ finde er daher die Idee, staatliche Zahlungen zu kürzen und verweist auch auf die Leistungen von kirchlichen Einrichtungen im Sozialen. Es gibt andere Stimmen, die würden eine Kürzung von zehn bis 15 Prozent für durchaus akzeptabel halten. Das hat mit öffentlicher Stimmungslage gegenüber den Kirchen, aber vor allem mit Geld zu tun.

In Frankfurt verschlingt gerade die Bauunterhaltung der Gotteshäuser Unsummen. Zwischen 2000 und 2009 hat allein die Dom-Sanierung 8,5 Millionen Euro gekostet. Die Außenarbeiten an der Leonhardskirche waren bislang 2,4 Millionen Euro teuer. Fürs spätgotische Innere sind noch mal 6,5 Millionen Euro veranschlagt. Nicht immer finanziert aber die Stadt Bauarbeiten ganz alleine. Beim Dominikanerkloster und der Peterskirche hat sich auch der Evangelische Regionalverband beteiligt, weil die Pläne über Instandhaltung deutlich hinaus gingen. Beträge von mehreren Millionen kommen für die Stadt dennoch zusammen. An Geld mangelt es aber auch nachhaltig der evangelischen Kirche. Zusammenlegungen und Schließungen sind seit Jahren Topthema. Aus den Kirchensteuern könne sie nur etwa die Hälfte der notwendigen Unterhaltungskosten für die Gebäude aufbringen, sagt der Regionalverband. Die Klagen der Katholiken sind etwas seltener.

Es geht aber nicht nur um den Unterhalt der Bauten. In dem vor 180 Jahren geschlossenen Vertrag ist festgelegt, dass die Stadt einen jährlichen Zuschuss für Pfarrgehälter und Kultus zahlen muss, im heutigen Wert von 25000 Euro. Auch muss den Kirchen „Holz- und Läutegeld“ erstattet werden, das summiert sich alles insgesamt auf 65000 Euro.

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