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Das Start-up Field Buzz bietet eine Lösung, die Projekte in Entwicklungsländern erleichtert.

Start-ups

Frankfurt: Ein Google für die Politik

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Zu Besuch bei zwei jungen Frankfurter Unternehmen, die im Rennen um den neuen Preis „Start-up des Jahres“ sind.

Das Büro ist klein, das Gebäude am Wiesenhüttenplatz im Bahnhofsviertel sehr unscheinbar. Doch Panalis Solution, im Jahr 2015 ganz in der Nähe, direkt am Hauptbahnhof gegründet, hat Großes vor. Das Start-up, das samt Werkstudenten aus 14 Beschäftigten besteht, hat eine Softwareplattform entwickelt, die Unternehmen, Verbänden und anderen Institutionen politische Informationen sucht und zusammenstellt. Gut 100 000 Quellen wertet diese Suchmaschine, eine Art „Google für Politik“, wie Geschäftsführer Zafar Khan sagt, aus. Sitzungsprotokolle von Parlamenten etwa oder Gesetzentwürfe, Zeitungsartikel, aber auch, was Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Instagram postet.

Die ersten Jahre hat das Start-up rote Zahlen geschrieben. Inzwischen deckten die Kundenumsätze aber einen Großteil der Kosten ab, sagt Geschäftsführerkollege Reza Eshtiagh. Für Deutschland, Österreich und die Schweiz biete man bereits die größte politische Suchmaschine, sagt er. Nun wolle man das Produkt international anbieten.

Was die Politik tun kann, um Gründer besser zu unterstützen, will Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) wissen, der an diesem Tag mit Vertretern der Wirtschaftsförderung vier junge Unternehmen, die jeweils zu Start-ups des Monats gekürt wurden, besucht. Khan und Eshtiagh loben erst mal. Die Stadt tue eine Menge, in der Frankfurter Gründerszene gebe es eine Aubruchstimmung, sagen sie. Allgemein sei in Deutschland die Bereitschaft, zu investieren, auch mal ins Risiko zu gehen, aber weniger verbreitet als in anderen Ländern, heißt es dann. Auch die Bürokratie mache gerade Start-ups zu schaffen.

Im Social Impact Lab, einem Gründerzentrum an der Falkstraße in Bockenheim, hat Field Buzz seinen Sitz, ein Sozialunternehmen, das eine Softwarelösung entwickelt hat, die Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern effizienter machen soll. Mit der in Bangladesh erarbeiteten App lässt sich auch von Deutschland aus der Baufortschritt einer neuen Stromtrasse in Afghanistan verfolgen. Dort macht ein Techniker Fotos, die automatisch mit der exakten Standortangabe versehen sind und dokumentiert so, dass das Infrastrukturprojekt tatsächlich vorankommt.

Die Software und die Expertise von Field Buzz nutzen auch kommerzielle Unternehmen wie der französische Lebensmittelkonzern Danone und der weltweit größte Kaffeehändler, die Hamburger Neumann-Kaffee-Gruppe. Dieser erhalte über das Angebot von Field Buzz unter anderem die Möglichkeit, mit den Kaffeebauern direkt in Kontakt zu treten, erläutert Project Consultant Max-Emanuel Hatzold. Das könne sinnvoll sein, um Zwischenhändler zu sparen, aber auch, um den Kaffeebauern dabei zu helfen, effizienter anzubauen. Die Software, die nun noch weiterentwickelt werden soll, ermögliche zudem etwa die Vergabe von Mikrokrediten.

In Frankfurt arbeiten nur drei der etwa 50 Beschäftigten. Hauptstandort ist Dhaka. Dort sitzen die Softwareentwickler von Field Buzz. Einer der beiden Gründer des Start-ups stammt aus Bangladesch. Allerdings sei die Entwicklung auch aus Kostengründen dort ansässig – anders könne das Unternehmen nicht profitabel arbeiten.

Frankfurt Forward

Start-ups und etablierte Unternehmen will die städtische Wirtschaftsförderung mit dem Programm Frankfurt Forward zusammenbringen. Bei der Neuauflage ist als Ziel hinzugekommen, Investoren anzusprechen.

Die Gründerszene in Frankfurt soll zudem sichtbarer werden. Dazu kürt erstmals eine Jury von Januar bis September das Start-up des Monats. Im Oktober soll im Gebäude der Industrie- und Handelskammer der Preis „Start-up of the Year“ verliehen werden. www.frankfurtforward.com.

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